
Achtsamkeit - Wie du mehr Glück und Gelassenheit gewinnst
Kathrin, Hospizbegleiterin, und Gerhard, Resilienztrainer, nehmen dich mit auf eine Reise zu dir selbst. Dabei triffst du auf den Mystiker Meister Eckhart, den Autor Eckhart Tolle und den Philosoph Ken Wilber mit seiner Schattenarbeit. Sie zeigen, wie du im Zeitlupenmodus ein erfülltes Leben finden kannst. Du kannst mit Inseln der Achtsamkeit dein Leben bunt machen. Am Ende dieser Folge laden sie dich zu einer praktischen Übung ein: Du lernst, ganz für dich da zu sein - genau JETZT.
Transkription
Hallo und herzlich willkommen bei Fullstop Forward,
Dem Podcast für Achtsamkeit und die bewusst andere Perspektive.
Wir sind Katrin und Gerhard,
Ehrenamtliche Hospizbegleiterin und zertifizierter Resilienztrainer.
Wir freuen uns riesig,
Dass du den Weg hierher in diese Folge gefunden hast.
Ja,
Heute geht es um das Thema Achtsamkeit,
Um die Power der Achtsamkeit,
Wie du im Zeitlupenmodus dein Leben voll ausschöpfen kannst.
Achtsamkeit ist ja ein wahnsinniges Modewort geworden und zu Recht,
Wir lieben ja die Achtsamkeit genauso,
Aber man hat manchmal das Gefühl,
Keiner weiß so recht,
Was sich dahinter verbirgt.
Mir begegnet es oft,
Dass den Menschen denken,
Achtsamkeit heißt sorgfältig sein oder genau sein.
Mir begegnet es auch,
Dass Leute denken,
Achtsamkeit heißt Rücksichtnahme oder rücksichtsvoll sein.
Ich finde,
Das sind Reaktionen oder Verhaltensweisen,
Die sich aus der Achtsamkeit ergeben,
Die aber eigentlich noch nicht die Achtsamkeit sind.
Was ist denn dann die Achtsamkeit?
Genau das wirst du in dieser Podcast-Folge erfahren.
Wir erzählen dir aus unseren persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen mit Achtsamkeitsübungen und du wirst verstehen,
Warum du Achtsamkeitsübungen machen kannst und wie sie dir helfen.
Genau,
Wir sehen die Folge als ein Buffet,
Du darfst dich gerne bedienen und nachdem wir ja ein Achtsamkeits-Podcast sind,
War es ja auch irgendwie logisch,
Dass irgendwann die Folge zum Thema Achtsamkeit kommt.
Das ist absolut richtig und ich freue mich total drauf und wir fangen an mit dieser wunderbaren Achtsamkeits-Folge.
Los geht's!
Ja,
Jetzt ist unser Thema zur heutigen Folge ja das Thema Achtsamkeit und ich habe jetzt direkt gleich zu Beginn was zu erzählen,
Weil Gerhard,
Ich bin auf dem Weg vorhin gewesen zu dir,
Hat mir dann gleich das Leben einen praktischen Übungsfall vor die Füße gelegt zum Thema Achtsamkeit bzw.
Wie ich auch Achtsamkeit in mein Leben integrieren oder im Alltag sozusagen praktizieren kann.
Ich bin nämlich aus dem Haus gegangen,
Hatte den Plan,
Eine ganz spezielle,
Genaue S-Bahn zu erreichen und natürlich fiel diese S-Bahn aus,
Wie es so oft ist,
Das kennen wir ja.
Ja,
Die ersten Impulse sind ganz oft dann ja,
Wenn man auch im Stau steht oder bei einer Zugverspätung irgendwie dann mein Gerät entstresst,
Weil der Plan nicht aufgeht,
Irgendwie man ist gefrustet und so weiter und natürlich war das auch ein erster Impuls bei mir,
Das will ich jetzt gar nicht beschönigen und dachte mir,
Oh man,
Super,
Jetzt hatte ich doch vor,
Genau mit dieser S-Bahn zu fahren,
Weil ich habe auf dem Weg zu dir auch immer einen Umstieg,
Das heißt,
Ich habe natürlich auch einen Anschluss noch erwischen müssen und ja,
Dann stand ich da und habe einmal kurz durchgeschnauft und dachte mir,
Ja mei,
Es ist jetzt auch einfach so,
Wie es ist,
Ich kann es jetzt nicht ändern und ich habe ja auch eine Wahl,
Wie ich damit umgehen kann,
Also ich kann mir jetzt überlegen,
Raste ich jetzt völlig aus und explodiere innerlich,
Weil der Plan nicht aufgeht oder stelle ich mich jetzt hier hin,
Schnaufe mal durch und ja,
Gucke dann einfach und warte auf die nächste S-Bahn.
Das war jetzt direkt heute früh auch gleich mein Moment der Woche,
Ähm,
Ja.
Ja,
Da merkt man schon,
Dass du im fortgeschrittenen Status bist,
Weil selbst mir geht es noch so,
Wenn mir sowas passiert,
Dass ich erstmal total wütend bin oder mich aufrege und es mir sehr schwerfällt,
Mich erstmal einzubremsen,
Aber was ich spannend finde,
Ist,
Du hast das Wort Durchschnaufen gebraucht und das finde ich,
Ist genau das,
Was vielleicht auch Achtsamkeit sein könnte,
Dass man eine Reaktion hat,
Ja,
Auf alles habe ich eine Reaktion,
Aber ich muss ihr nicht gleich folgen,
Das heißt,
Ich beobachte erstmal meine Reaktion oder mein Gefühl und da sind wir schon mal der Achtsamkeit ganz gut auf der Spur,
Durchatmen,
Durchschnaufen,
Wir haben viele Atemtechniken bei der Achtsamkeit,
Aber diesen Moment erst einmal beobachten,
Was tut sich da eigentlich und dann eine Reaktion angehen und wir müssen nicht blindlings loslaufen,
Wobei es mir trotzdem so geht,
Dass ich erstmal wahnsinnig wütend wäre und mir das ganz schwerfallen würde.
Genau,
Man sagt ja auch,
Achtsamkeit ist eben eine innere Haltung,
Also eine innere Haltung im Moment,
Irgendwie so wach zu sein und ja,
Das stimmt,
Man muss nicht jeden Gedanken,
Der irgendwie vorbeigeschwommen kommt,
Sozusagen irgendwie zu Ende denken,
Also das ist so das viel zitierte,
Ich lasse es jetzt mal stehen,
Was oft natürlich auch nicht einfach ist.
Ne,
Ist gar nicht einfach,
Weil wir im Alltag eigentlich darauf angewiesen sind,
Wir nehmen was wahr,
Wir spüren was,
Wir erleben was und wir reagieren sofort drauf,
Wir haben oft gar nicht die Zeit,
Uns alle möglichen Gedanken zu machen,
Wir werden ja völlig entscheidungsunfähig oder bewegungsunfähig,
Also machen wir halt das,
Was unser erstes Gefühl dazu ist,
Aber leider ist es nicht immer gut,
Also jetzt zum Beispiel seiner Wut frei entlauflassen ist leider nie gut und da hilft die Achtsamkeit total.
Ich glaube aber,
Dass man zum Beispiel sowas wie Wut oder so negative Gefühle,
Die einem da begegnen,
Dass es wirklich ein langes Training braucht oder wie soll man sagen,
Halt selber viel Geduld,
Um mit sowas umzugehen und man übt das ja zum Beispiel auch in der Meditation,
Dass man Gedanken beobachtet und die dann wieder gehen lässt,
Um nicht sofort hinterher zu hecheln und man sagt sozusagen,
Der Spalt oder der Bereich zwischen zwei Gedanken,
Der sollte immer größer werden und da denke ich mir auch jedes Mal,
Das ist alles anstrengend.
Da glaube ich,
Ist etwas auch drin verborgen,
Dass Achtsamkeit unter Umständen entspannend sein kann,
Aber das oft gar nicht ist,
Wenn ich mich selbst beobachte und selbst für mich da bin und mir selbst zuschaue,
Kann es oft sehr,
Sehr anstrengend sein und das glaube ich,
Ist so das erste Missverständnis bei der Achtsamkeit,
Dass Achtsamkeit ist gleich eine Entspannungstechnik.
Kann sein,
Muss nicht sein und es kann aber auch gut sein,
Wenn ich das weiß,
Weil sonst mache ich eine Achtsamkeitsübung,
Rege mich total auf,
Bekomme überhaupt nichts hin und rege mich noch mehr auf,
Dass ich nicht entspannt bin,
Dass man einfach da locker lässt und einfach mal versucht und zuschaut.
Achtsamkeit ist ja auf jeden Fall eine Übung oder beziehungsweise Achtsamkeitsmomente sind jeweils immer wieder Übungen.
Ich kann schon auch sagen,
Normalerweise geht es mir ehrlicherweise auch so wie dir,
Was du gerade beschrieben hast.
Ich bin dann auch so,
Dass ich mir denke,
Oh Mann,
Jetzt ist das nicht der Plan,
Den ich irgendwie hatte oder das reißt mich jetzt aus dem,
Was ich mir so vorgestellt habe.
Heute muss ich sagen,
Ist es mir tatsächlich leicht gefallen,
Das anzunehmen.
Ich stand dann am Bahnsteig in der Sonne,
War dann eigentlich auch ganz ruhig.
Vielleicht hatte es auch schon direkt die Wirkung jetzt von dem,
Dass wir uns heute treffen mit dem Thema.
Das kann natürlich auch sein.
Dann hat man manchmal da schon so eine gedankliche Einfärbung.
Ja,
Schön.
Also das auf jeden Fall freut mich total,
Dass du es so gut hingekriegt hast,
Wie gesagt,
Gar nicht so einfach.
Da könnte ich auch eine Geschichte erzählen.
Ich war letzte Woche in Thüringen mit der Familie und wir haben Eisenach,
Erfurt,
Jena und Weimar besucht.
Tolle Städte,
Thüringen ist super.
Thüringen ist super,
Weil dort auch zwei wirklich wunderbare deutsche Metalbands herkommen,
Nämlich Heaven Shall Burn und die Apokalyptischen Reiter.
Ich habe heute ein T-Shirt an,
Hier im Podcast könnt ihr es nicht sehen.
Die Apokalyptischen Reiter,
Die gibt es auch schon seit über 25 Jahren.
Das ist wirklich eine tolle Metalband aus Weimar und sie singen deutsch und sie machen das wirklich sehr gut.
Kleiner Tipp am Rand.
Und wir waren in Erfurt.
Erfurt ist eine tolle offene Stadt und eine wunderbare Altstadt.
Also unbedingt hinfahren und wenn du durch Erfurt spazierst,
Dann begegnen dir unter anderem einige Kirchen.
Eine davon ist die Predigerkirche.
Die heißt so wegen dem Dominikanerorden.
Das waren Prediger im Mittelalter.
Davor,
Auf dem Boden vor dem Portal,
Sind Zitate von Meister Eckhardt eingelassen.
Meister Eckhardt kennen viele als Kalenderspruch.
Das ist immer so der Klassiker eigentlich.
Wer den Kalender zu Hause hat oder so Sprüche oder Zitate zum Thema Achtsamkeit,
Der kommt fast immer auf Meister Eckhardt.
Der Meister Eckhardt ist geboren worden vor ungefähr 750 Jahren,
Um 1260.
Wie gesagt,
Das war ein Mönch,
Ein Dominikaner.
Der ist eben sehr berühmt geworden,
Weil er wirklich so einen Weg nach innen gegangen ist.
Über Gebet,
Über Kontemplation,
Betrachtung,
Meditation.
Und er selber hat da auch viele Erlebnisse dann beschrieben,
Wie ihm eine große göttliche Kraft entgegengekommen ist und auch eigentlich wie er und diese göttliche Kraft eins geworden sind.
Und das nennt man dann die Mystik.
Also er ist ein Mystiker und Mystik heißt immer Mensch und Gott werden eins.
Ich fand das ganz toll in dieser Kirche,
Weil die haben einen tollen Prospekt,
Einen tollen Flyer ausliegen und da waren lauter Achtsamkeitsaufrufe drauf.
Ich habe den jetzt auch vor mir liegen und auf Englisch heißt es eben Take,
Also nimm dir Zeit,
Nimm dir Zeit für dich,
Enjoy,
Geh mal in die Kirche rein,
Setz dich hin und genieße den Augenblick,
Walk,
Setz dich in Bewegung,
Geh spazieren,
Schlendere durch den Kirchenraum und nimm wahr,
Look,
Also blick dich um,
Entdecke etwas komplett Neues für dich und come,
Heißt einfach komm näher,
Nähere dich dem Geheimnis,
Was du vielleicht jetzt in diesem Raum spürst,
Einfach mal an.
Vielleicht entdeckst du und spürst du was ganz Neues in deinem Leben.
Das war ja so völlig geflasht,
Also wo ich mir gedacht habe,
Was für eine tolle Idee,
So einen uralten Kirchenraum genau so einmal nahe zu bringen.
Also insofern Besuch in Erfurt lohnenswert.
Magst du was sagen?
Nö.
Ja,
Meister Eckart,
Genau,
Du hast es vorhin schon gesagt,
Ich habe eine Postkarte zu Hause von Meister Eckart,
Kein Kalender,
Hat auf jeden Fall sehr sehr kluge Sachen gesagt,
Der Meister Eckart.
Ein schönes Zitat,
Das ist eben auch tatsächlich in den Steinboden vor der Kirche eingelassen,
Lautet je freier wir von uns selbst sind,
Umso mehr gewinnen wir uns.
Man sieht sofort,
Also der steht keinem Seinmönch nach,
Es ist wieder so ein Paradox und man denkt sich,
Geht es bitte auch mal einfacher?
Was soll das wieder heißen?
Da können wir uns gerne heute auch noch lang drüber unterhalten.
Ich glaube,
Mal so ein erster Versuch ist zu sagen,
Im Alltag sind wir immer unterwegs und folgen unseren Gedanken und unseren Gefühlen und denken dabei nicht viel nach,
So wie ich gerade schon gesagt habe,
Können wir auch gar nicht.
Wir müssen Entscheidungen treffen,
Wir müssen Dinge erledigen,
Wir müssen Sachen gelöst bekommen und da folgen wir einfach sozusagen unserer Intuition,
Unseren Gefühlen und unseren Gedanken.
Aber es kann dann sein,
Dass sich da was reinmischt,
Was gar nicht gut ist für uns.
Also Neid,
Gier,
Hass,
Solche Sachen und das spüren wir gar nicht mehr.
Oder wir sind irgendwie blind und spüren oder sehen nicht,
Dass es jemand anderem gar nicht gut geht und walzen da so einfach drüber.
Ich glaube,
Das meint,
Je freier wir von uns selbst sind,
Also je mehr wir erkennen,
Wo zu viel Ego,
Zu viel Wollen,
Zu viel Gier drin ist,
Wenn wir das erkennen und hinter uns lassen können,
Dann sind wir wieder offener und freier und das,
Wie ich meine,
Dann gewinnen wir uns,
Also unser wahres Selbst,
So wie wir eigentlich sein wollen,
So wie wir eigentlich leben wollen.
Und die wenigsten von uns wollen gierig,
Hasserfüllt und egoistisch leben.
Die meisten wollen gemeinschaftlich leben,
Wollen Freude haben und wollen anderen Menschen helfen.
Da ist,
Glaube ich,
Der Meister Eckhardt ganz gut auf der Spur.
Und wie gesagt,
Er tut das wirklich durch Momente der Stille,
Durch Momente der Betrachtung,
Durch Momente des Gebetes.
Ja und das,
Was du sagst,
Wir sind ja auch oft eben im Außen unterwegs.
Ich habe vor einigen Monaten ein ganz tolles Achtsamkeitsseminar besucht bei der Meditations- oder Achtsamkeitslehrerin der Heike Meier aus München.
Und die hat eigentlich einen ganz schönen Satz gesagt,
Der mir seit wirklich im Sinn auch geblieben ist.
Sie hat gesagt,
Dass wir Menschen ganz oft unseren Körper oder unser Sein so ab dem Kopf nach oben,
Nach außen sozusagen wahrnehmen und gar nicht so dieses,
Was drunter liegt,
Also innen oder auch ab unserem Hals nach unten sozusagen,
Gar nicht so richtig spüren.
Zeigt sich ja schon darin irgendwie,
Jetzt heute,
Wir sitzen zusammen,
Das ist ein Samstag,
Ich habe schon im Kopf,
Ich muss später noch einkaufen gehen,
Ich habe noch dieses,
Ich muss noch das besorgen,
Ich muss am Wochenende mich unbedingt darum kümmern,
Was noch auf der To-Do-Liste steht und so dieses,
Wir sind so oft im Außen und integrieren in unserem Leben irgendwie mit sämtlichen To-Dos und so selten ja den Moment wirklich dann innezuhalten oder eben in die Stille zu gehen oder uns einfach wahrzunehmen und letztendlich wir selbst zu sein.
Also so wie Meister Eckart dann sagt,
Je freier wir sind sozusagen,
Desto mehr gewinnen wir auch an eben Achtsamkeit.
Das mit dem Körper ist ein total guter Punkt.
Wir sind ja heute so am Geschichten erzählen,
Erzähle ich jetzt auch wieder eine Geschichte und zwar,
Also meine Geschichte ist die,
Ich mache ja noch eine Weiterbildung gerade,
Ich bin ja nicht nur Resilienztrainer,
Ich werde jetzt auch psychologischer Berater und da habe ich gerade viel gelernt über den Körper,
In Emotionen und Gefühle und tatsächlich ist es natürlich so,
Dass wir alle Gedanken und alles,
Was uns durch den Kopf geht,
Letztlich immer aus unserem Körper schon wahrnehmen und spüren und es dort verankert ist.
Wir tun nur so,
Als ob wir sozusagen so kleine Computergehirne wären,
Das sind wir halt 0,
0 und das ist genau das,
Was die Heike sagt,
Wir sind immer im Kopf und das stimmt nicht.
Selbst wenn wir im Kopf sind,
Sind wir eigentlich intuitiv im Körper,
Weil alle Infos,
Alles,
Wie es uns geht,
Alles,
Was wir wollen,
Alles,
Was wir wünschen,
Kommt alles aus dem Körper und der große Schritt in der Achtsamkeit ist ja zum Beispiel der,
Dass ich aus dem Kopf rausgehe und wieder in meinen Körper hineingehe,
Also mich wirklich spüre.
Manche kennen einen Bodyscan.
Bodyscan heißt,
Ich gehe wirklich durch meinen Körper durch und spüre und nehme wahr,
Was ist dort alles da,
Wie geht es mir gerade und ein einfacher Achtsamkeitsmoment ist zum Beispiel,
Wenn man Joggen geht,
Da spüre ich sofort meinen Körper,
Da bin ich draußen,
Da bin ich ganz anders unterwegs und es gelingt mir,
Meine Gedanken hinter mir zu lassen und das ist sofort Achtsamkeit pur,
Weil ich einfach mit meinem Körper im Augenblick da bin und erstmal nur atme,
Laufe und mich fortbewege.
Insofern ein ganz,
Ganz guter Punkt,
Also Achtsamkeit heißt auch Körper,
Body,
Dasein.
Ja genau,
Also es ist eigentlich ja auch eine Alltagspraxis,
Also da haben wir,
Oder du hast es jetzt gerade schön beschrieben,
Eben das Innehalten,
Also das bewusste Wahrnehmen und ob das jetzt beim Joggen ist,
Beim Meditieren oder vielleicht auch beim Einkaufen,
Wenn wir an der Kasse stehen und ja einfach gerade irgendwie bei uns sind,
Also man sagt ja auch uns gewahr sind,
Wie der Moment gerade ist oder eben das so bewusst wahrnehmen,
Dann kann das genauso eine Achtsamkeitspraxis sein.
In dem Seminar von Heike Meier fiel auch,
Es hat glaube ich mal ein Teilnehmer einer ihrer Seminare auch gesagt,
Dass Achtsamkeit eben eine Übung ist und dass es so Achtsamkeitstupfen gibt im Alltag.
Also wie ein Maler können wir sozusagen in unserem Alltag in verschiedenen Situationen immer so Tupfen setzen und das hatten wir jetzt ja auch zu Beginn schon von unserer Folge kurz erwähnt eben,
Dass es so eine Art Entschleunigen ist und wie jetzt bei mir die Geschichte mit der Anreise heute zu dir,
Da stehe ich da am S-Bahn-Gleis und habe eben genauso einen Moment und kann für mich dann heute oder konnte für mich heute dann schon so einen kleinen Achtsamkeitstupfen setzen,
Wie so ein Maler mit dem Pinsel.
Also genau,
Das passiert vielleicht später nochmal oder morgen passiert was anderes oder am Montag gehe ich Joggen und dann kann ich wieder einen Tupfen setzen.
Das ist ein schönes Bild mit den Tupfen und die Achtsamkeitspraxis ist ja eigentlich eine uralte Praxis,
Die kommt ja letztlich auch zum Beispiel aus Indien vom Vipassana,
Was auch hinduistische Wurzeln hat und es ist immer der Blick nach innen.
Also ich beobachte mich selbst,
Ich sehe mir selbst zu.
Das ist vielleicht einer der großen Kerne von Achtsamkeit und wir haben sonst kaum Zeit dazu,
Uns selbst einmal zuzusehen,
Wie denke ich,
Wie fühle ich,
Wie bewege ich mich und deswegen kannst du ja die Achtsamkeit wirklich überall und immer üben,
Ob du an dem Bahnsteig stehst,
Ob du kochst,
Ob du spazieren gehst,
Ob du mit jemandem sprichst,
Du kannst dir immer einmal selber zusehen und sagen,
Was mache ich da eigentlich,
Welche Gedanken kommen,
Welche Gefühle kommen und so weiter und so weiter und ich bekomme ein Gespür für mich,
Wie ich eigentlich bin und wie ich gerade da bin.
Und das Spannende daran ist,
Dass das alles in Bewegung ist.
Also die Vipassana und Hinduismus und später der Buddhismus,
Wir meditieren,
Die schauen nach innen,
Weil sie sehen,
Dass laufend Veränderung stattfindet.
Wir haben ja oft so ein Bild von uns,
Wir sind so und so und so und das ist fix und statisch und wenn du mal anfängst,
In dich reinzusehen,
Merkst du,
Das ist überhaupt nicht so.
Deine Gefühle wechseln laufend,
Kommen,
Gehen,
Kommen,
Gehen,
Kommen,
Gehen,
Überschlagen sich,
Laufen parallel,
Deine Gedanken kommen dauernd,
Kommen,
Gehen,
Kommen,
Gehen,
Überschlagen sich und du kennst dich oft gar nicht.
Da ist ganz schön viel los.
Nur dieser Zeitlupenmodus,
Dieses wirklich mal durchatmen,
Zuschauen und dir selber mal auf die Finger schauen praktisch,
Das bewirkt es dann,
Dass du das erstmal verstehst,
Was überhaupt alles los ist in dir.
Und das kann dir halt langfristig total helfen,
Weil du dich selber kennenlernst und dann auch nicht mehr allen Blindlings hinterherläufst,
Sondern ein bisschen bewusster und klarer dein Leben gehst und auch vielleicht deine Ziele und Werte viel klarer umsetzen kannst.
Ja und die Power der Achtsamkeit,
Wie wir es eingangs nannten,
Ist ja auch so ein bisschen the power of now.
Jetzt hatten wir es gerade von Meister Eckart.
Mir ist jetzt gerade just in der Sekunde noch ein anderer Eckart eingefallen,
Nämlich der Eckart Tolle,
Der ja auch ein tolles Buch geschrieben hat.
Jetzt heißt es im Deutschen.
Und Eckart Tolle sagt beispielsweise,
Ja es gibt nur das Jetzt,
Also es gibt gar keine Vergangenheit und es gibt gar keine Zukunft sozusagen.
Und er beschreibt es so,
Dass das Leben sozusagen ein kontinuierlicher Strom ist von gegenwärtigen Momenten.
Also im Laufe der Zeit sozusagen sind es immer gegenwärtige Momente.
Kann man vielleicht auch mit so einer Metapher wie der Perlenkette gleichsetzen.
Und alle Momente aus der Vergangenheit sozusagen waren damals gegenwärtige Momente.
Und alle Momente,
Die noch kommen oder Ereignisse in der Zukunft wiederum,
Sind auch dann in der Zukunft gegenwärtige Momente.
Also er will quasi darauf hinaus,
Dass letztendlich die Vergangenheit und die Zukunft ja so alternative Versionen von der Gegenwart sind.
Also dieses eben im Momentleben,
Im Jetztsein sozusagen,
Das ist eigentlich das Einzige,
Was es gibt.
Und das Andere sind sozusagen so eine Art Illusion vielleicht auch,
Die uns natürlich logischerweise im Leben auch betrifft,
Weil wir einfach gewisse Ereignisse oder Erlebnisse in der Vergangenheit haben,
Die uns ja auch zu dem gemacht haben,
Der oder die wir jetzt sind.
Und natürlich machen wir uns auch über die Zukunft Gedanken,
Weil wir,
Wie du es ja auch gerade gesagt hast,
Wir haben Werte und wir haben Ziele und wir haben Wünsche und Visionen.
Aber eigentlich,
Sagt der Eckart Tolle,
Hat es gar keinen richtigen Vorteil,
Sich über die Zukunft oder über die Vergangenheit Gedanken zu machen,
Weil es eben das Jetzt gibt.
Also the power of now.
Absolut.
Und ich denke,
Was ist Achtsamkeit?
Achtsamkeit heißt Leben im Augenblick.
Das ist so die klassische Definition.
Das heißt eben tatsächlich,
Dass ich mal jetzt da bin,
Genau jetzt,
So wie wir zwei,
Wir reden,
Wir nehmen einen Podcast auf und ich bin jetzt genau da bei dir und höre dir zu.
Und ich denke nicht an vergangene Dinge.
Ich denke nicht an morgige Dinge.
Ich denke nicht ans Einkaufen oder was vielleicht morgen für einen Ausflug ansteht oder sonst irgendwas,
Sondern jetzt höre ich dir zu.
Jetzt bin ich da und jetzt schaue ich,
Was sage ich,
Wie reagiere ich,
Wie gehe ich damit um.
Leben im Augenblick eben,
Ohne sofort an was Neues zu denken,
Ohne sofort an Vergangenes zu denken,
Ohne sofort zu denken,
Das ist super,
Ohne sofort zu denken,
Das ist nicht super.
Einfach mal da sein,
Zuhören,
Beobachten.
Leben im Augenblick.
Und das ist fast das Schwerste,
Was es überhaupt gibt,
Weil wir halt so gebaut sind als Menschen.
Wir sind als Menschen so gebaut,
Dass wir denken und fühlen und bewerten und urteilen,
Weil wir anders nicht durchs Leben kommen.
Aber du musst diese Momente haben,
Diese Tupfen im Alltag,
Wo du eben sagst,
Ganz langsam,
Heute schaue ich mal zu,
Heute mache ich nicht gleich alles,
Was mir in den Sinn kommt.
Vergangenheit,
Ja das stimmt,
Vergangenheit ist vergangen.
Aber auch da finde ich,
Das ist wahnsinnig schwer,
Das zu akzeptieren,
Weil wir natürlich vergangene Ereignisse im Kopf haben.
Freudige,
Die wir gerne nachher erleben,
Aber auch schlimme,
Die uns immer wieder heimsuchen.
Und es sagt sich so leicht,
Da taucht das erste große Thema auf,
Loslassen.
Man kennt es aus vielen Ratgebern,
Also lass los,
Lass die Vergangenheit los.
Das ist absolut richtig,
Aber es ist unfassbar schwer.
Also finde ich,
Der Eker Tolle hat total recht,
Aber wir haben eine Vergangenheit und die wirklich loszulassen und da eine Distanz zu finden und zu sagen,
Ja,
Das ist geschehen und ich kann mich dem nochmal zuwenden,
Aber ich bin jetzt frei und kann im Augenblick leben.
Ja,
Der Meister Eckart hat es,
Glaube ich,
Geschafft,
Wir vielleicht in den nächsten tausend Leben.
Aber da taucht diese Idee eben auf und die Idee ist absolut richtig,
Loslassen,
Distanz gewinnen.
Ja und ich denke,
Der Aspekt jetzt der Achtsamkeit ist der ja auch,
Dass du es bemerkst,
Also dass du sagst,
Ich habe,
Keine Ahnung,
Wahnsinnig hohe Erwartungen an mich,
Hey,
Kurz innehalten,
Ich könnte die mal loslassen,
Also dieses Bemerken irgendwie,
Also nicht,
Ach ja,
Ich habe irgendwie die Erwartungen an mich und die sind ja so groß und ich wäre doch gern lieber viel,
Viel mehr so und so,
Sondern einfach dieses Bemerken,
Hey,
Ich habe diese Erwartungen und was ich dann danach mache oder nicht mache oder wie ich sie bewerte oder was ich daraus mache,
Das steht dann wieder auf einem anderen Blatt,
Aber einfach eben,
Also einfach,
Ich sage schon einfach,
Aber das Bemerken und wie du sagst,
Genau,
Also auch so zum Thema Tupfen,
Irgendwie lass doch mal los irgendwie,
Man trinkt einen Tee und hat auf der Teepackung oder auf dem Teebriefchen dann irgendwie genau den Spruch stehen,
Als wäre es immer so einfach,
Lass doch mal einfach los.
Genau,
Aber es ist oft in allen Ratgebern zurecht,
Es ist auch was,
Was aus dem Zen kommt und aus allen anderen Meditationspraktiken,
So eine Nicht-Identifikation,
Also ich bin nicht das,
Was ich tue,
Ich bin nicht das,
Was ich fühle,
Sondern ich habe Gefühle oder ich vollbringe Handlungen,
Aber das Ich ist davon unberührt,
Das ist ein wahnsinnig schöner Gedanke oder ein interessanter Gedanke,
Aber wie gesagt,
Unglaublich schwierig,
Den im Alltag umzusetzen,
Aber da wiederum,
Finde ich,
Sind eben Achtsamkeitsübungen einfach ein Training,
Also so wie wenn ich jetzt sage,
Ich will,
Also ich laufe zum Beispiel noch einen Halbmarathon dieses Jahr im September,
Dann habe ich einen Trainingsplan von drei Monaten bei mir,
In dem Fall,
Der beginnt jetzt und wenn ich jetzt einen Halbmarathon laufen würde,
Das wäre,
Würde ich irgendwie gerade noch so zusammenkratzen,
Wäre aber katastrophal,
In drei Monaten wird es klappen,
Warum,
Weil ich übe.
Mit den Achtsamkeitsübungen ist es ähnlich,
Du musst die regelmäßig machen,
Immer wieder in diese Zeitlupe gehen,
Immer wieder durchschnaufen,
Wie wir am Anfang gesagt haben,
Immer wieder beobachten,
Weil dann geht es so ein bisschen über,
Dann verändert sich dein Verhalten generell,
Dann hast du das so drin,
Dass du nicht immer sofort allem folgst und dann fällt es vielleicht auch leichter,
Mal wirklich loszulassen,
Aber es ist ein Weg.
Ja und das ist tatsächlich,
Wie du sagst,
Eine Übung bis zum,
Oder ein Üben bis zum letzten Tag,
Ein Tupfensetzen.
Mit dem Üben und dem Loslassen haben wir jetzt eigentlich schon zwei so praktische Methoden,
Um ins Tun zu kommen sozusagen auch,
Direkt angerissen.
Jetzt haben wir noch zwei Modelle mitgebracht,
Weil wie so viele Themen hat auch die Achtsamkeit verschiedene Modelle.
Zwei davon haben wir heute dabei und zwar gibt es einmal vom,
Ja vom Vater der modernen Achtsamkeit,
Nenne ich ihn jetzt mal,
Vom John Kabat-Zinn,
Die sieben Säulen der Achtsamkeit.
Vielleicht noch kurz ein,
Zwei erklärende Sätze.
Der John Kabat-Zinn,
Der hat in den 70er Jahren,
Also 1979 war es,
Glaube ich,
In den USA eine Klinik gegründet,
Die ganz renommiert ist zum Bereich der Stressreduktion und hat auch ein achtwöchiges Programm entwickelt,
Sozusagen.
Das nennt sich MBSR.
Das ist in Achtsamkeitskreisen recht bekannt.
MBSR heißt Mindfulness Based Stress Reduction,
Also meint eben achtsamkeitsbasiertes Reduzieren von Stress,
Was mittlerweile auch gut in der Forschung etabliert ist und eben auch im klinischen Umfeld.
Genau,
Und John Kabat-Zinn hat die sieben Säulen der Achtsamkeit als Modell sozusagen entwickelt,
Um das auch so ein bisschen einfach greifbarer zu bekommen.
Und die sieben Säulen sind einmal der Anfängergeist oder Beginners Mind,
Den hatten wir auch schon ab und an in unseren Podcast-Folgen.
Dann spricht er von einer Säule,
Eben dem Nicht-Bewerten oder Nicht-Werten,
Das hatten wir vorhin auch schon angerissen,
Beziehungsweise vielleicht auch,
Kann man sagen,
Die Wertungen bemerken.
Dann nennt er auch die Absichtslosigkeit,
Also ein Nicht-Streben.
Ein Nicht-Streben wird beispielsweise in der Meditation,
Dass ich mich nicht hinsetze und sage,
Ich möchte jetzt meditieren,
Um entspannt zu sein,
Sondern ich möchte meditieren,
Um den Raum zu spüren.
Genau,
Dann hatten wir das Loslassen,
Hatten wir gerade die Geduld,
Dann gibt es noch die Akzeptanz,
Beziehungsweise das Anerkennen und die Milde,
Beziehungsweise als letzte Säule auch das Mitgefühl für mich und für andere.
Das ist ein wirklich schönes Modell und ich verwende das Modell auch recht oft.
Ich bin ja Resilienztrainer,
Das heißt,
Ich mache ja genau zum Beispiel Beratung bei Stresssituationen,
Wie reduziere ich Stress oder wie kann ich gesund mit Stress umgehen und da sind die sieben Säulen natürlich sehr,
Sehr wichtig.
Ich denke,
Das Spannende an diesen sieben Säulen ist,
Dass das in beide Richtungen funktioniert.
Also,
Wenn ich Achtsamkeit übe,
Dann ergibt sich daraus oft Mitgefühl,
Akzeptanz,
Geduld,
Loslassen und so weiter.
Das funktioniert aber auch in die andere Richtung.
Also,
Wenn ich bewusst versuche,
Geduldig zu sein,
Bewusst versuche,
Situationen und Gefühle anzunehmen,
Dann führt mich das auch zurück in die Achtsamkeit.
Also,
Es ist auch ein Weg dorthin.
Die sieben Säulen sind für mich einerseits die Ergebnisse,
Die Früchte der Achtsamkeit und auf der anderen Seite sind es auch Pfade oder Wege zur Achtsamkeit.
Das finde ich ganz spannend,
Weil man merkt,
Das kann ich gar nicht so klar trennen.
Das liegt wiederum daran,
Dass es eben nicht in dem Sinn ein Instrument ist oder ein super Tool.
Also,
So wie wir eben oft heute agieren mit optimier dich selber,
Nimm die und die App,
Mach dies und das und dann hast du sofort dies und jenes Ergebnis.
Das funktioniert ja da eben genau nicht,
Sondern es ist so ein Ineinander von Verhalten und Tun und Trainieren und Machen und es ist eben dann doch ein Weg.
Ja,
Und das zweite Modell,
Das wir uns rausgesucht haben,
Ist der Baum der Achtsamkeit.
Das ist auch ein schönes Bild oder eine schöne Metapher.
Im Wesentlichen hat der Baum der Achtsamkeit – also,
Der ist dargestellt eben wie ein Baum mit Wurzeln und mit den Blättern und der Baumkrone und darin sind die einzelnen Werte auch so verteilt und im Wesentlichen hat der Baum der Achtsamkeit die ähnlichen Parameter.
Er ist nur ergänzt um die Werte Vertrauen und Neugier.
Ja,
Also das ist auch nur ein Bild für viele Dinge,
Die sich aus der Achtsamkeit ergeben und Vertrauen und Neugier sind natürlich wirklich tolle und wunderbare Haltungen,
Die man im Leben haben kann und auch beim Baum steckt im Bild schon dieses Beidseitige drin.
Also Vertrauen,
Neugier,
Geduld,
Güte,
Akzeptanz können die Wurzeln sein,
Die den Baum der Achtsamkeit halten oder der Baum bringt Vertrauen,
Güte,
Akzeptanz,
Neugier als Blätter,
Also als Frucht hervor.
Das ist wieder dieser Gedanke,
Das eine ergibt das andere,
So wechselseitig,
Du kriegst es gar nicht klar getrennt.
Und wenn du zum Beispiel einen Kurs machst,
Einen Kurs bei mir beispielsweise über Stressbewältigung oder einen Kurs über Achtsamkeit oder einen Kurs über so Lebensorientierung,
Lebensziele,
Dann tauchen genau diese Grundhaltungen immer auf.
Und wenn du dann mal anfängst,
Dich damit zu beschäftigen,
Merkst du,
So irre Bereiche sich da auftun.
Also es ist wieder so dieser Aha-Moment,
Ich bin nicht so im Alltag,
Ich bin nicht so im Machen,
Sondern auf einmal merke ich,
Was könnte ich denn noch alles tun oder was liegt denn noch alles vor mir.
Oder Menschen,
Die ich bisher ganz anders wahrgenommen habe,
Sehe ich plötzlich nochmal in einem ganz neuen Licht.
Und das ist wirklich so ein,
Man möchte sagen,
Erwachen,
Wie es in den Religionen oder in den spirituellen Traditionen heißt,
Dass dir plötzlich die Fülle und die Möglichkeit eines Lebens richtig klar wird.
Und da liegt auch der Reiz der Achtsamkeit,
Also nicht nur in der Entspannung oder im Runterkommen,
Sondern wirklich im Entdecken,
Das Leben kann ganz anders sein.
Und das ist echt ein tolles Erlebnis.
Ja,
Und dann auch im Sein oder so in der Haltung.
Ich hatte jetzt gerade den Gedanken,
Wenn ich mir Personen vorstelle,
Von denen ich jetzt persönlich der Meinung bin,
Dass sie achtsame Menschen sind,
Dass sie in sich ruhen,
Dann sind es einfach Einstellungen.
Diese Personen haben dann die Haltung,
Dass sie,
Ich sage jetzt mal,
Gelassen sind,
Dass sie eben nicht sofort impulsiv auf Dinge reagieren,
Sondern so richtig ruhige Menschen,
Die präsent sind und wach sind und vielleicht auch in Gesprächen,
Wenn ihnen was erzählt wird,
Dann nicht sofort kontern mit,
Ja,
Und ich habe auch dieses und jenes erlebt,
Sondern die halten den Raum,
Die sind da und sind vielleicht auch eher ruhigere Menschen.
Also ruhig jetzt im Sinne von,
Dass sie eben auch zuhören.
Absolut.
Und das ist vor allem interessant zum Beispiel im Jobkontext,
Weil auch da Achtsamkeit ein großes Thema geworden ist.
Also schon vor 15 Jahren hat Google ein großes Achtsamkeitsprogramm herausgebracht,
Search Inside Yourself,
Gibt es auch als Buch,
In Zusammenarbeit mit Jon Kapazin.
Und tatsächlich ist natürlich der Gedanke dahinter schon,
Die Gesundheit,
Die psychische Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,
Das finde ich herausragend,
Weil gerade in unseren Zeiten,
Wo sich ständig alles ändert und die Anforderungen immer mehr steigen und auch Jobkarrieren sich dauernd ändern und Jobanforderungen sich dauernd ändern,
Ist tatsächlich dieses Durchatmen,
Durchschnaufen,
Die Achtsamkeit unendlich wichtig,
Um mal zu spüren,
Wo stehe ich,
Was passiert da eigentlich gerade um mich rum,
Was passiert auch in meinem Jobumfeld.
Die Warnung dahinter ist wieder,
Nutzt es nicht als Selbstoptimierungs- oder als Verkaufstool,
Weil dann verliert es genau diese Zweckfreiheit und diesen Zeitlupenmodus.
Wenn du sagst,
Ich mache Achtsamkeit,
Damit ich besser verkaufen kann,
Es kann eine Folge sein,
Dass du besser verkaufst,
Besser präsentierst,
Besser denkst,
Besser konstruierst,
Weil du klarer im Kopf bist.
Das ergibt sich dann.
Genau,
Du bist fokussierter,
Du bist konzentrierter,
Das ergibt sich.
Und wenn es dein Hauptziel wird,
Dann bist du wieder in dem Alltagsmodus und machst und machst und willst und willst und willst und siehst wieder nicht alle anderen Implikationen um dich rum,
Alle anderen Einflüsse,
Alle anderen Menschen und entdeckst wieder nicht das,
Was außerhalb dir liegt.
Und dann verliert es absolut seinen Wert,
Dann verkehrt es sich ins Gegenteil und wird es sozusagen noch mehr Stress,
Weil dann wird es ein Tool,
Noch ein Tool mehr,
Was du anwenden musst,
Um toller zu sein,
Um besser zu sein,
Um noch weiter nach oben zu kommen.
Und das ist so der interessante Aspekt.
Ich biete ja auch im Unternehmen solche Möglichkeiten oder Kurse an und ich finde,
Das ist genau das,
Was man so im Blick behalten muss.
Es geht erstmal wirklich um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und dass diese die Möglichkeit haben,
Gut für sich zu sorgen und auch für sich einen eigenen Standpunkt zu finden und zu verstehen,
Wo sie stehen.
Und von dort aus dann klarer,
Freier,
Befreiter,
Entspannter weiterzugehen.
Das wäre so für mich so ein Punkt,
Der ganz wichtig ist.
Ja,
Das betrifft ja eigentlich unmittelbar auch,
Wenn man jetzt in den Säulen nochmal kurz denkt,
Sozusagen die Säule der Milde oder des Mitgefühls,
Mir selbst gegenüber und dem anderen.
Was ja auch gleichzusetzen ist,
Dass ich mit Respekt auf mich selbst gucke und auf den anderen zum Beispiel.
Also ich finde das Wort Milde ist auch irgendwie so ein wunderschönes Wort,
Das ist so,
Ja,
Kommt irgendwie gar nicht so oft im Wortschatz vor oder ich verwende es selbst gar nicht so,
Aber Milde ist eigentlich,
Insofern finde ich,
Ein sehr,
Ja,
Schön umschreibendes Wort für ich bin gütig,
Ich bin auch nicht so hart,
Also ich bin vielleicht irgendwie eher ein bisschen weicher,
Ich lege die Härte ab,
Die ich sonst eben habe mit Struktur und Erfolg und solchen Dingen,
Sondern da geht es irgendwie dann eher so in die Nachsicht oder auch in die Wertschätzung herein.
Also gerade weil du es jetzt in Bezug auch auf die Arbeitswelt ja genannt hast,
Wir sind ja auch alle Menschen und manchmal ist sowohl das Leben,
Also unser eigenes Leben,
Unser Alltag,
Aber auch der Berufsalltag,
Das ist manchmal einfach ganz schön schwierig und da hilft es total,
Mitgefühl zu entwickeln und ja,
Wie wir vorhin auch gesagt haben,
Eben auch Mitgefühl zu üben.
Also jeder neue Tag ist ja die Möglichkeit,
Dass man da auch irgendwie wieder üben kann und wenn wir jetzt sehen,
Dass es beispielsweise ein Kollege im beruflichen Umfeld vielleicht gerade einfach schwierig hat oder ja wahnsinnig viel Stress hat oder mit vielen,
Ja,
Problemen,
Herausforderungen konfrontiert ist oder eine Kollegin es gerade nicht leicht hat,
Dann ist es ja auch,
Also für mich selbst quasi eine schöne Übung,
Aber auch natürlich dann eine Möglichkeit,
Quasi selbst Mitgefühl zu zeigen,
Dass ich dann zur Kollegin oder zum Kollegen sage,
Mensch,
Du hast das gerade echt nicht leicht und das ist eigentlich dann schon der Achtsamkeitsmoment.
Ich muss dann gar nichts weiter tun,
Ich muss nicht sagen,
Hey,
Wie kann ich dir helfen,
Melde dich,
Wenn du ein Problem hast,
Sondern einfach dieses Mitgefühl zu zeigen,
Boah,
Bei dir ist echt gerade ganz schön viel los,
Das ist einfach echt Mist,
Die Situation gerade.
Ja,
Das ist ein total guter Punkt und ich kenne dich ja,
Ich weiß ja,
Wie du bist in der Arbeit und darf ich das sagen?
Ich sage es jetzt mal,
Du bist ja Projektmanagerin und du bist im Betriebsrat und in beiden Funktionen weiß ich,
Dass du genau das tust,
Dass du auf die Menschen zugehst,
Einen Blick hast und die auch wahrnimmst und die genau einfach mal sein lässt,
Aber das trotzdem spiegelt,
Dass du die siehst und das finde ich einen ganz,
Ganz großen Punkt und das kannst du sehr gut und ich denke,
Das ist etwas,
Was wir wirklich alle sehr gut brauchen können und man merkt es auch umgekehrt in den Übungen.
Wenn du eine Übung anhörst oder wenn ich eine Übung anleite,
Dann wirst du nie das Wort müssen hören und nie das Wort sollen,
Sondern du wirst hören,
Du bist eingeladen oder du wirst vielleicht einmal animiert,
Einen Versuch zu unternehmen und fast immer kommt die Erinnerung daran,
Dass es ganz normal ist,
Dass du in einer Übung bei der Selbstbeobachtung abschreibst und das ist die milde,
Weil du kannst nicht anders mit dir umgehen in der Achtsamkeit als eben milde oder rücksichtsvoll in dem Augenblick,
Wo du sagst,
Ich muss jetzt konzentriert sein,
Ich muss jetzt entspannt sein,
Funktioniert es genau nicht,
Wird es immer schlimmer und deswegen dieses Lernen,
Dass man eigentlich,
Dass man die Dinge geschehen lässt und dass es genau deswegen funktioniert,
Das ist auch was wahnsinnig Komplexes und das passiert in der Achtsamkeitsübung,
Indem ich da sitze und atme und nichts tue und nur zuschaue,
Das ist wirklich verblüffend und das ist auch was,
Wo man lange braucht,
Finde ich,
Um so umzuschalten.
Ich habe eine Meditationsgruppe am Sonntagabend und das sind alle Profis,
Aber am Anfang,
Wenn du eine Meditationsgruppe hast,
Da kommen die Leute auch oft so,
Ja ich muss was tun,
Ich muss was für mich tun,
Das ist alles wichtig oder ich muss was für meine Entspannung tun,
Ich muss das Chaos in meinem Kopf sortiert bekommen.
Ja,
Ja,
Stimmt,
Stimmt,
Stimmt,
Aber es geht genau nicht durch müssen,
Sondern indem du sagst,
Setz dich hin,
Nimm dir Zeit und schau zu und deswegen finde ich diesen Begriff der Milde total schön.
Ja,
Es gibt ja auch eben so den Begriff,
Dieses ich bin wohlwollend zu mir,
Was finde ich auch einfach wahnsinnig ungreifbar ist,
Also das ist irgendwie auch so ein transparenter Begriff.
Mir ging es auch so eigentlich mit dem Begriff Gewahrsein,
Ich bin mir gewahr,
Das hatte ich,
Bevor ich irgendwie so das allererste Mal in meinem Leben einen Achtsamkeitskurs besucht habe,
Noch nie,
Dass diese Vokabel gehört und so eben milde oder wohlwollend zu mir selbst zu sein,
Das habe ich vorher irgendwie auch nie irgendwo gelernt.
Das kommt natürlich auch alles jetzt so immer mit der Zeit und dass es auch mehr Erkenntnisse darüber gibt,
Auch eben die Auswirkungen auf die mentale Gesundheit,
Die es hat,
Aber ja,
Ich darf mich natürlich jederzeit auch gut behandeln,
Also ich muss mich nicht schlechter behandeln sozusagen,
Als ich das jetzt vielleicht mit einer Freundin täte und da sind wir eben auch wieder bei diesem Aspekt des Übens,
Also ich muss mich aus dem Kreis derer,
Die ich gut behandle,
Quasi nicht ausschließen.
Im Gegenteil,
Also je mehr du das mit dir übst,
Desto eher wird dir das leichter fallen,
Das auch anderen Menschen gegenüber zu tun.
Also wenn du dir eher mal verzeihen kannst oder du Nachsicht mit dir hast und milde,
Weil du weißt,
Dass du so bist,
Dann ist ja der Schritt zu sagen,
Ja,
Vermutlich geht es den anderen nicht anders,
Gar nicht mehr weit,
Das geht dir dann eigentlich in Fleisch und Blut über.
Wenn du dich lernst,
Anders zu sehen als ein Mensch,
Der in Bewegung ist,
Ein Mensch,
Der Veränderungen durchläuft,
Als ein Mensch,
Der gar nicht so fix und stabil ist,
Wie man sich das nach außen vorstellt,
Ein Mensch,
Der selber auch sieht,
Wie schnell Emotionen kommen können und wie schnell die verschwinden können,
Das verschafft dir genau diese Milde,
Diesen Umgang mit anderen,
Wo du sofort verstehst,
Ja,
Wir sind alles Menschen.
Und das ist,
Glaube ich,
Ein großer Schritt,
Wenn das mal passieren kann.
Ja,
Und im Umkehrschluss zeigt es ja dann auch wieder die Verbundenheit von uns allen,
Also die Verbundenheit im Menschsein sozusagen.
Das ist auch so,
Wenn ich beispielsweise in der Hospizbegleitung jemanden begleite,
Dann bin ich für denjenigen ja auch da.
Das heißt,
Ich komme nicht und bin vielleicht eine Palliativ-Care-Fachkraft und habe einen medizinischen Einsatz oder ich komme nicht,
Um irgendwie das Bett aufzuschütteln,
Sondern ich komme,
Um für denjenigen da zu sein und eben genau das Mitgefühl zu zeigen,
Weil die Patientin oder der Patient,
Der oder die dann eben sterbenskrank sind,
Also auf ihrem letzten Lebensweg sind,
Die sind ja nicht irgendwie weniger als ich,
Nur weil ich jetzt irgendwie nicht in der Situation bin.
Also das ist ja auch wieder das,
Was uns als zwei Menschen sozusagen dann verbindet oder eint.
Und ich kann eben für ihn oder für sie dann da sein und kann dann eben,
Wie ich das vorhin auch gesagt habe,
Auch mal sagen,
Ja,
Es ist echt,
Es ist schwierig gerade in der Situation.
Ich kann mir das gut vorstellen.
Es ist jetzt nicht schwierig,
Irgendwie mit all den Gefühlen umzugehen,
Aber ich muss dann auch keine Lösung haben.
Und das meintest du ja auch eben,
So dieses Müssen und eine Lösung haben oder irgendwie da muss dann jetzt ein Ziel daraus geschehen.
Das ist es gar nicht.
Also es ist wirklich dieses Da-Sein und im Moment-Sein und sozusagen den Raum für den anderen halten.
Und das,
Man merkt schon an den Vokabeln,
Also irgendwie den Raum halten und Da-Sein und gar nichts tun müssen,
Das sind ja eigentlich auch schon so milde Vokabeln,
Wenn man so will,
Oder Worte.
Ja,
Genau.
Das sind Vokabeln,
Die was mit Milde zu tun haben,
Aber auch Vokabeln,
Die eben mit einer ganz speziellen Wahrnehmung zu tun haben,
Wie ich mich an den Menschen und eine Situation wahrnehme.
Und daher kommt das schöne Gewahrsein.
Und ich glaube,
Wir sollten mal auf unserem Instagram-Channel vom Podcast vielleicht das Achtsamkeitswort der Woche einführen,
Weil es gibt wirklich ja solche Worte,
Die man normalerweise gar nicht gebraucht oder die irgendwie komisch oder antiquiert klingen.
Und Gewahrsein ist aber eigentlich ein schönes Wort und ich finde,
Da ist Deutsch auch wirklich eine schöne Sprache.
Also die Wahrheit steckt natürlich sowieso drin,
Das Wahrnehmen steht drin,
Aber auch das bewusste Wahrnehmen,
Also es wirklich einfach mal stehen lassen und in seiner Fülle sehen.
Dafür gibt es sonst keine Worte.
Das ist eben dieses Nicht-Zielgerichtet-Sein.
Also wenn wir auf die Modelle schauen,
Da kommt immer vor Nicht-Urteilen,
Nicht-Werten und das meint es.
Also das,
So wie du die Situation beschrieben hast,
Also wenn du am Bett von jemandem bist,
Der sterbenskrank ist,
Da geht es nicht ums Werten.
Also wie krank bist du oder bist du mehr wert,
Weniger wert oder sonst irgendwas?
Und selbst die Wertung der Situation.
Angenehme Situation,
Unangenehme Situation,
Aufregende Situation,
Beruhigende Situation,
Ja,
Ja,
Ja.
Aber erst mal,
Wie ist es denn?
Wie ist es denn,
Wenn ich jetzt hier bin und sitze und das Gegenüber wahrnehme?
Und dafür braucht es auch einfach einen Blick und eine Übung und tatsächlich vielleicht eine eigene Sprache.
Genau,
Und es gibt dann auch gar kein Ziel des Besuchs.
Also ich bin einfach da und ja,
Das Ziel ist tatsächlich einfach,
Da zu sein.
Da zu sein und den Raum zu halten.
Da können wir ja noch ein Vokabel bringen,
Das empathische Zuhören.
Du kennst das,
Ich kenne das.
Und das meint ja,
Dass man eben im Gespräch tatsächlich das Gegenüber einfach erst einmal sich äußern lässt,
Das wahrnimmt und das auch erst mal nur wiedergibt oder widerspiegelt.
Dass ich eben nicht sofort vielleicht mit dem besten Ratschlag der Welt komme oder nicht sofort sage,
Was ich dazu denke und nicht sofort meine Gefühle oder noch schlimmer,
Von mir gleich die nächste Story bringe,
Sondern dass ich eben das mal stehen lassen kann und das erst mal wertschätze und versuche,
Das einfach mal zu verstehen und genau das so gut sein zu lassen.
Und das fällt uns wirklich schwer.
Das empathische Zuhören bringt mich zu noch einem weiteren Zitat von Eckhard Holle.
Wo immer du bist,
Sei ganz dort.
Also das bringt eigentlich auch so den aktiven Aspekt rein.
Denn wenn ich an meinen Joballtag oder auch an die Hospizbegleitung denke,
Dann ist da auch genau der Aspekt des aktiven Daseins das,
Was mir dann auch wichtig ist.
Und da kann ich schon sagen,
Das kam natürlich jetzt auch nicht von heute auf morgen,
Also diese ganze Achtsamkeitspraxis und das mir selbst Erlernen oder auch Erforschen einer inneren Haltung.
Also was ist meine innere Haltung und wie schaffst ich für mich als Kathrin im Moment präsent zu sein?
Oder eben dieses,
Wie kann ich im Moment wach sein?
Wie kann ich aktiv sein?
Das ist auf jeden Fall auch eine Reise gewesen und es wird auch immer eine Reise bleiben.
Und es ist eine ganz wichtige Reise,
Dass du von der Stille,
Von der Achtsamkeit,
Vom Beobachten ins Handeln kommst.
Dass du neu leben kannst,
Bewusst leben kannst.
Und es gibt dafür auch einen ganz wichtigen Punkt,
Den Ken Wilber erkannt hat.
Ken Wilber hatten wir schon in der letzten Folge über Spiritualität mit seinem Ansatz der integralen Spiritualität.
Keine Panik,
Es ist nur ein Fremdwort,
Es ist einfach zu erklären.
Ich möchte heute auf einen Aspekt raus,
Den er die Schattenarbeit nimmt.
Und er sagt,
Dass man durch das reine Beobachten oder die reine Achtsamkeit die eigenen Blindenflecken oft gar nicht erkennt.
Wenn man in die Geschichte blickt,
Dann war es in allen Religionen so,
Dass gerade Menschen,
Die auch Meditationserfahrung haben oder Menschen,
Die sehr spirituell sind,
Sehr religiös sind,
Trotzdem auch schlimme Dinge getan haben.
Beispielsweise war es bei bestimmten Kreuzzugspredigern so.
Und man fragt sich natürlich,
Wie kann das kommen,
Dass jemand,
Der so viel,
Wie wir sagen würden,
Achtsamkeit übt,
Trotzdem ganz schlimme Dinge tut.
Da ist vielleicht eine Warnung oder ein Gedanke von Ken Wilber ganz richtig,
Dass er sagt,
Das,
Was du unterbewusst in dir trägst,
Die blinden Flecken,
Die du hast oder das,
Was dich triggert,
Also alles,
Was dich aggressiv macht,
Wütend macht,
Extrem traurig macht,
Das ist dir oft nicht bewusst und das erkennst du in der Achtsamkeit auch äußerst selten oder gar nicht.
Und die Schattenarbeit,
Die er vorschlägt,
Ist,
Dass man mal ganz bewusst alle Ereignisse oder alles,
Was einen an anderen stört oder alles,
Auch was wir anderen vorwerfen,
Mal anfangen bei uns zu suchen und darüber nachzudenken.
Aber das ist ein bewusster Prozess,
Das ist also eher ein psychoanalytischer Prozess,
Das hat nichts mit Stille,
Atmen und Meditation zu tun,
Sondern ein ganz bewusstes Angehen von all den Dingen,
Die uns beschäftigen,
Also die Schatten,
Die dunklen Seiten,
Die in uns liegen.
Das finde ich wirklich wichtig,
Dass wir das auch wissen,
Dass Achtsamkeit eben nicht das Allheilmittel für alles ist,
Sondern dass Achtsamkeit eben eine Richtung uns ermöglicht,
Nämlich das Leben im Augenblick und das Leben in Fülle,
Aber eben nicht auch sozusagen unsere Seele oder unsere Psyche komplett heilen kann.
Das wird so in der Form nicht stattfinden.
Aber das Schöne ist eben,
Achtsamkeit ist ein Training,
Ist eine Übung fürs echte Leben,
Fürs Rausgehen,
Um etwas zu tun,
So wie du es gerade so schön gesagt hast.
Ja,
Ich sehe schon,
Wir könnten,
Glaube ich,
Noch Stunden weiterreden über die Achtsamkeit.
Wir wollen für jetzt,
Für den Moment so langsam mal zum Ende kommen.
Wir haben auch diesmal wieder eine praktische Übung fürs Ende mitgebracht und zu der kommen wir jetzt.
Na wunderbar.
Dann darfst du,
Liebe Zuhörerin und lieber Zuhörer,
Dir einen noch gemütlicheren Platz suchen,
Außer du liegst eh schon in den Kissen oder sonst irgendwo auf dem Sofa.
Such dir einen Platz,
Wo du gut sitzen kannst und wo du dich sicher und geborgen fühlst.
Und auch hier musst du ja nur meine Stimme in diesem Fall hören können,
Um die Übung gut mitzumachen.
Wir haben in der ganzen Podcast-Folge sehr viel über Achtsamkeit gesprochen und über Achtsamkeitsübungen.
Und genau eine solche Achtsamkeitsübung wollen wir nun gemeinsam mit dir machen.
Dafür sitzt du an einem Ort,
An dem du gut sitzen kannst.
Das meint ein Ort,
An dem du dich geborgen fühlst und ein Ort,
An dem du eher aufrecht sitzen kannst.
Denn im Zentrum jeder Achtsamkeitsübung steht die Atmung.
Und zum Atmen ist es sehr sinnvoll,
Wenn deine Wirbelsäule eher aufgerichtet ist und du richtig angenehm einatmen und ausatmen kannst.
Vielleicht spürst du noch einmal nach,
Was deine Füße und Beine gerade machen.
Die sollten eher nicht abgeknickt sein und auf keinen Fall dir eher Verspannungen oder Schmerzen bereiten.
Und deine Hände legst du mit der Handfläche nach unten auf deinen Oberschenkeln ab.
Oder wenn du willst,
Legst du die Hände ineinander und legst sie in deinen Schoß.
Und tatsächlich entdeckst du nun die Stille,
Die Ruhe nach all den Worten,
Die du gehört hast.
Und vielleicht erinnerst du dich daran,
Dass es in der Achtsamkeit nicht darum geht,
Dass du etwas tun musst oder etwas erleben sollst.
Die Zeit,
In der du jetzt diese Übung machst,
Ist eine geschenkte Zeit,
Eine freie Zeit.
Und nimm einmal bewusst wahr,
Diese Freiheit,
Nichts zu tun.
Und nun richtest du deine Aufmerksamkeit auf deine Atmung.
Du spürst beim Einatmen,
Wie die Luft von deiner Nasenspitze über den Hals Richtung Brust und Bauch strömt.
Und verfolge einmal diesen Weg der Atemluft von der Nase bis in deinen Bauchraum.
Und es kann sein,
Dass sich schon während des Beobachtens dein Atemrhythmus ändert.
Das muss aber nicht so sein.
Aktiv veränderst du nichts.
Du beobachtest,
Wie du atmest.
Und während du deinen Atem beobachtest,
Kann es sein,
Dass viele Gedanken kommen.
Es können Gedanken sein an zukünftige Ereignisse,
Deine Pläne,
Wünsche,
Hoffnungen.
Es können Gedanken aus der Vergangenheit sein,
Erinnerungen,
Erlebnisse.
Und wenn du merkst,
Dass du an einem solchen Gedanken hängen bleibst,
Es fühlt sich an wie ein Tagtraum,
Dann kehrst du mit deiner Aufmerksamkeit zur Atmung zurück und verfolgst wieder den Weg der Luft von der Nasenspitze zum Bauchraum.
Und nun beobachte einmal den Weg der Luft beim Ausatmen vom Bauchraum über die Brust,
Über den Hals bis zur Nase.
Auch hier veränderst du nichts.
Du beobachtest das Ausatmen.
Und wenn du dabei ein Gefühl wahrnimmst,
Vielleicht Müdigkeit,
Vielleicht Vorfreude,
Was auch immer du an Gefühlen entdeckst,
Lass dieses Gefühl da sein.
Jetzt hier darfst du genau so sein,
Wie du bist.
Und du beobachtest dein Ausatmen.
Und beim nächsten Ausatmen sprichst du innerlich zu dir das eine Wort.
Jetzt,
Beim Ausatmen.
Jetzt,
Jetzt,
In deinem eigenen Rhythmus,
Beim Ausatmen.
Jetzt.
Und noch einmal jetzt.
Mit diesem Gefühl da zu sein,
Da zu sein,
Wie du genau jetzt bist,
Kehrst du zurück in deinen Alltag,
In deinen Raum.
Und dafür schlägst du die Augen auf und du bewegst dich,
Deine Fingerspitzen,
Deine Zehenspitzen.
Und wenn du willst,
Dann streckst du dich oder gähnst und kommst wieder bei dir zu Hause an.
Das war eine schöne beruhigende Übung,
Um im Moment anzukommen.
Ja,
Und wir sind am Ende angekommen unserer Achtsamkeitsfolge.
Wir hoffen,
Dir hat es gefallen.
Du konntest dir einige schöne Impulse mitnehmen.
Und wir wünschen dir,
Dass du dir in deinen Alltag demnächst viele Achtsamkeits-Tupfen integrieren kannst und hören uns,
Wenn du magst,
Zu unserer nächsten Folge.
Das Thema unserer nächsten Folge wird Achtsamurlauben sein.
Wie wir gerade dann im Urlaub,
Wenn wir uns besonders viel vornehmen wollen,
Nicht in Stress geraten und vor allem nicht der Fier auf Missing Out erliegen.
Wir freuen uns.
Bis zum nächsten Mal.
Bis zum nächsten Mal und danke fürs Zuhören.
Treffen Sie Ihren Lehrer
