
Das Wilde In Uns Neu Entdecken
In der Zeit des Kolonialismus war man fasziniert von allem Fremden und „Wilden“ – man holte wilde Tiere in Zoos und stellte sogar Menschen im Zirkus zur Schau. Das Wilde wurde stets als Gegenpart zur Zivilisation und Kultur gesehen. Doch so sehr ich Kultiviertheit schätze: Haben wir das Wilde dabei nicht fälschlicherweise komplett aus unserem eigenen Leben verbannt? In dieser Episode geht es darum, die eigene wilde Seite wiederzuentdecken. Wir sind nicht nur angepasst und formelhaft, sondern im Inneren auch ungestüm, erdverbunden und lebendig. Es geht darum, wieder auf die eigenen inneren Impulse zu horchen, aus zwanghaften Mustern und Gewohnheiten auszubrechen und die unbändige Kraft der Natur auch in sich selbst zu spüren. Ein Impuls, dem eigenen Herzklopfen Raum zu geben und zu erkennen: Der Löwe schlummert auch in dir.
Transkription
Zeit des Kolonialismus war man fasziniert von anderen fremden Völkern,
Sitten und Gebräuchen.
Man war fasziniert von dem Wilden,
So nannte man sie Menschen,
Aber auch die Tiere.
Man holte sich Tiger und Löwe in die Stadt,
Zoos und Tiergärten entstanden.
Man ging entlang und staunte,
Erschrak,
Sah solche Tiere zum Teil zum ersten Mal.
Aber man holte sich auch Menschen,
Menschen aus Afrika.
Und sperrte sie in Käfige ein,
Um das gleiche zu tun wie mit Tiger und Löwe,
Sie zu begaffen.
Man holte sie in den Zirkus,
Man fuhr rum,
Um die Wilden zu sehen.
Das Wilde wurde immer als Antagonist zur Kultur gesehen.
Kultur,
Das war Europa.
Das war,
Wenn man es mal wirklich konzentriert auf die großen Staaten,
Das war England oder das britische Empire.
Das war Kultur.
Die anderen Länder haben das sicherlich ähnlich für sich gesehen.
Das war gut und das andere war wild.
Und so hat man das voneinander getrennt.
Aber das ist eigentlich nicht richtig.
Wir haben alle das Wilde in uns.
Wir haben es verkultiviert.
Und ich schätze Kultur sehr und Kultiviertheit auch.
Gar keine Frage.
Aber das heißt ja nicht,
Dass wir das Wilde aus unserem Leben bannen,
Dass wir es nur projizieren auf andere Menschen,
Die irgendwie anders leben.
Sondern.
.
.
Wir sind selbst auch Wilde.
Wilde Menschen.
Die wilde sind.
Ungestüm.
Unmittelbar.
Erdverbunden.
Impulsiv.
Lebendig.
Und nicht nur so eingesperrt und eingestarrt sozusagen in einer Höflichkeit und einer Formelhaftigkeit.
Wie wir sie Gott sei Dank nicht mehr haben.
Aber.
.
.
Zumindest in der Ober- und Mittelschicht war es ja lange Zeit so.
Sicherlich bis zum Zweiten Weltkrieg.
Und danach verflachte das natürlich,
Weil die Zeit sich geändert hat.
Und Gerade,
Ja,
Gerade auch im Christentum.
Das sind Wilde,
Wieder zu entdecken.
Wir mussten ja immer irgendwie artig und nett sein.
Wild zu sein?
Ein wilder Haufen,
Ein wildes Kind zu sein,
War einfach nur anstrengend für die Eltern.
Aber es gehört zu uns dazu.
Nicht nur die Menschen in Afrika sind wild und die Löwen sind wild und ungezähmt.
Sondern wir sind auch wild.
Wir haben auch das Wilde in uns.
Und das zu entdecken.
Dass du auch wild bist.
Deinen Impulsen zu horchen.
Welche Impulse sind da,
Die du spürst,
Die du wahrnimmst?
Wohin drängt es dich?
Wohin will es dich verführen vielleicht?
Du musst nicht allem folgen.
Du solltest vielleicht auch nicht allem folgen.
Aber du darfst es spüren,
Dein pochendes Herz.
Dein ungestümes Wesen vielleicht,
Das in dir ist.
Auch das.
Oder auch die Grenzen des Gewöhnlichen zu überschreiten,
Die Grenzen des Kultivierten manchmal zu überschreiten,
Um anderes zu tun,
Schräge Dinge zu tun.
Einfach aus der Lust der Variation,
Aus der Lust aus den Formen auszubrechen und zu schauen,
Wie ist es eigentlich und zu entdecken,
Ist das gut,
Ist das besser,
Ist das schlechter.
Lasse ich es wieder.
Ohne sich zu schämen.
Es ist einfach für sich zu tun.
Ich hörte mal von einem Mann,
Der in einer Therapie mitgemacht hat und erzählte,
Er hätte von seinem Therapeuten folgenden Auftrag bekommen.
Dieser Mann litt wahrscheinlich unter Zwanghaftigkeit.
Deswegen ist auch diese Übung zu verstehen.
Also dieser Mann bekam die Anweisung,
Er sollte sich auf die Toilette umgedreht setzen.
Mit dem Bein zur Wand sozusagen.
Das wäre schon etwas,
Eine kleine Form der Wildheit,
Aus der Zwanghaftigkeit auszubrechen,
In die Variation zu gehen.
Eine Möglichkeit,
Wild zu sein.
Oder die Verbundenheit mit der Natur,
Mit der Kraft der Natur,
Mit der unbändigen Kraft dieser Natur zu spüren.
Nicht nur fromm über die Natur zu meditieren,
Wie schön die Blumen sind.
Das ist auch wunderbar.
Aber es geht auch um diese Power,
Um diese Kraft.
Um den Donner.
Und das Gewitter.
Und das Röhren,
Das Bären,
All das,
Was wir mit Wild in Verbindung bringen.
In sich zu entdecken,
Auf deine Art und dort,
Wo du es erfährst und erlebst.
Entdecke das Wilde wieder.
Du darfst kultiviert sein,
Du sollst auch kultiviert sein,
Weil es eine schöne Form ist.
Aber das wilde.
.
.
Das braucht es auch.
Nicht nur im Zoo,
Nicht nur in der nächsten Doku,
Im ZDF oder ARD oder wo auch immer,
Sondern in dir schlummert der Löwe.
In dir schlummert der Panther und der Bär.
Wir kommen alle aus diesem Bereich,
Wir kommen alle aus dem Wald.
Viel Segen!
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