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Ist Dein Selbstbild Kleiner Als Dein Leben?

by Jan von Wille

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Vielleicht kennst du diese Sätze: „So bin ich eben.“ „Das passt nicht zu mir.“ „Das kann ich nicht.“ Aber was, wenn dein Selbstbild viel kleiner ist als das, was in deinem Leben tatsächlich möglich wäre? In dieser Folge geht es darum, wie vertraute Muster irgendwann zu Identität werden – und wie wir wieder mehr Wahlfreiheit gewinnen können. Nicht indem wir ständig an uns arbeiten, sondern indem wir neugierig werden auf das, was uns zieht, überrascht und lebendig macht. Was von dir kennst du vielleicht noch gar nicht? Und was könnte entstehen, wenn du nicht schon vorher festlegst, wer du bist?

Transkription

Ich weiß nicht,

Wie es dir mit Kafka ging.

Ich bin ihm zum ersten Mal in der Schule begegnet und sagen wir mal so,

Es war keine Liebe auf den ersten Blick.

Da schreibt einer Geschichten,

In denen Menschen morgens als Käfer aufwachen und plötzlich in irgendwelchen Gerichtssälen stehen,

Und wir saßen mit 17 Jahren davor und sollten herausfinden,

Was der Autor uns damit sagen wollte.

Ich wusste es nicht.

Ich wollte eigentlich nur,

Dass er damit aufhört.

Heute bin ich 63 und muss sagen,

Ich verstehe den Mann leider immer besser.

Denn irgendwann gerätst du selbst in Situationen,

In denen du denkst,

Moment mal,

Gestern war mein Leben doch noch einigermaßen übersichtlich,

Und heute stehe ich hier offenbar als Käfer vor Gericht.

Und vor ein paar Tagen bin ich wieder auf einen dieser kleinen Kafka-Texte gestoßen.

Er heißt »Der Aufbruch«.

Die Geschichte ist schnell erzählt.

Ein Mann will fort,

Er lässt sein Pferd holen,

Macht sich bereit und sein Diener fragt ihn,

Wohin er eigentlich will.

Und seine Antwort läuft im Grunde immer wieder nur auf diesen einen Satz hinaus.

Weg von hier.

Das ist das Ziel.

Weg von hier!

Und da bin ich hängen geblieben,

Weil ich dachte,

Ui,

Die Richtung kenne ich.

Also nicht mit Pferd und Diener,

Das Budget meiner persönlichen Entwicklung hat gewisse Grenzen,

Aber dieses,

Ich will weg von der Art,

Wie ich bisher gelebt habe.

Weniger funktionieren oder kontrollieren wollen,

Nicht immer wieder in denselben alten Mustern landen.

Also ja,

Weg von hier.

Wir geben dem heute natürlich schönere Namen.

Persönliche Entwicklung,

Heilung,

Nervensystemregulierung,

Innere Arbeit,

Das klingt würdevoller als möglichst schnell nicht mehr der sein,

Der ich gerade bin.

Und manchmal ist Weggehen ja auch genau richtig.

Wenn das Haus brennt,

Würde ich auch nicht erstmal eine Atemübung machen,

Sondern da gibt's nur eins,

Sofort raus.

Aber wenn das Haus nicht brennt,

Wird's interessanter.

Denn weg von hier ist noch keine eigene Richtung.

Und da steckt für mich ziemlich Wichtiges drin.

Solange ich hauptsächlich von etwas weg will,

Bestimmt das,

Wovon ich weg will,

Noch immer meinen Weg.

Ich bin vielleicht auf dem Weg davon weg,

Aber noch lange nicht auf dem Weg zu mir.

Das ist wirklich eine ziemlich gute Frage für Veränderung überhaupt.

Gehe ich gerade wirklich irgendwo hin oder versuche ich hauptsächlich von etwas wegzukommen?

Vielleicht kannst du da ja mal selbst bei dir grad schauen.

Wenn Du an Deine eigene Entwicklung denkst,

Wie viel davon ist eigentlich weg von?

Weg von der Angst,

Weg von alten Mustern,

Von dem,

Was weh tut oder dich immer wieder einschränkt.

Und wie klar ist dein Hinzu?

Gibt es etwas,

Das dich zieht,

Eine Sehnsucht,

Etwas,

Worauf du wirklich Lust hast?

Bei dem du merkst,

Da werd ich lebendig.

Vielleicht wissen wir ziemlich genau,

Was wir nicht mehr wollen,

Aber viel zu wenig darüber,

Wonach wir uns eigentlich sehnen.

Und genau da fängt es an.

Also nicht sofort mit einer großen Frage,

Was will ich eigentlich mit meinem Leben?

Da bekomme ich ja schon beim Aussprechen leichte Erschöpfungserscheinungen.

Vielleicht reicht erst mal,

Was macht mich neugierig?

Wo merke ich plötzlich .

.

.

Da würde ich gern mal hin,

Das würde ich gern ausprobieren.

Oder auch etwas hintergründiger,

Das passt eigentlich überhaupt nicht zu mir.

Interessant.

Denn diesen Satz kenn ich ganz gut,

So bin ich einfach nicht.

Musik zum Beispiel.

Wenn es um Kunst ging.

Also da war bei mir immer klar,

Mit den Bildern,

Mit dem Malerei,

Das kriege ich gut hin.

Pastellkreide,

Acryl und so weiter,

Da bin ich sofort im Flow.

Aber Musik machen ist für mich viel schwerer.

Und jetzt habe ich für die Rauhnächte plötzlich angefangen,

Eigene Musikstücke zu entwickeln.

Und zu komponieren.

Zwölf Stücke sind draus geworden und Ich find gar nicht so schlecht.

Oder tanzen,

Ich war früher wirklich nicht der große Tänzer.

Aber dann kam Körperarbeit und irgendwann Trance-Dance und dann hab ich gemerkt,

Mensch,

Das geht ja doch.

Und genau solche Sätze finde ich inzwischen spannend.

Das bin ich nicht oder das mach ich nicht.

Ja,

Vielleicht.

Aber vielleicht hast du es auch noch nicht ausprobiert.

Und das finde ich so interessant,

Denn vieles halten wir eigentlich für unsere Persönlichkeit,

Obwohl sie eigentlich nur beschreiben,

Was wir oder wie wir bisher gelebt haben.

Ich bin nicht so,

Das kann ich nicht,

Das passt nicht zu mir,

Es klingt immer so,

So endgültig,

Fast wie notariell beglaubigt.

Dabei heißt es manchmal einfach nur.

Bis jetzt war das nicht Teil meines Lebens.

Wer bin ich,

Ist so ne große und auch theoretische Frage.

Viel spannender finde ich diese hier.

Was von mir kenn ich noch nicht.

Kafka steigt aufs Pferd und will weg von hier.

Und mich interessiert inzwischen vielmehr,

Wohin würde ich reiten,

Wenn ich nicht mehr auf der Flucht vor etwas wäre?

Genau da.

Mag ich das Bild einer Landkarte.

Auf einer fertigen Karte sieht hinterher alles logisch aus.

Hier ist der Weg,

Da die Kreuzung,

Da der Ort,

An dem man angekommen ist,

Aber man vergisst beim Blick auf die fertige Karte leicht,

Dass der Weg vorher noch gar nicht da war.

Bei einigen wichtigen Dingen in meinem Leben war es jedenfalls so.

Ich bin nicht einer Karte gefolgt.

Die Karte ist entstanden,

Weil ich gegangen bin.

Freiheit bekommt damit nochmal eine etwas andere Bedeutung.

Freiheit heißt für mich nicht unbedingt,

Dass ich irgendwann keine Angst mehr habe,

Weil meine Muster gelöst sind und mein Nervensystem reguliert.

Freiheit kann viel unspektakulärer anfangen.

Zum Beispiel,

Ich habe wieder mehr als nur eine bestimmte Möglichkeit.

Ich kann merken,

Dass ich mich in einem Gespräch gerade zurückziehen will,

Und diesmal bleibe ich aber Einfach mal länger dabei.

Ich kann alles alleine machen oder jemanden um Hilfe bitten.

Ich kann sagen,

Das bin ich nicht,

Oder ich sage,

Hm,

Vielleicht doch.

Wenn ich nur eine Möglichkeit habe,

Läuft im Grunde das alte Programm.

Sobald ich zwei oder drei Möglichkeiten sehe,

Kann ich wählen.

Und dann wird das Leben plötzlich wieder weiter.

Vielleicht kommt dabei auch nicht immer was weltbewegendes heraus.

Ich probiere was aus und denke hinterher,

Naja.

Beizt auch Quatsch,

Auch gut.

Und manchmal passiert eben doch etwas.

Ein anderes Gespräch.

Eine neue Seite an mir oder einfach ein sauguter Nachmittag.

Auch das ist Leben.

Und damit bin ich wieder bei Kafka.

In seiner Geschichte sagt der Mann immer nur Weg von hier.

Und ich finde,

Für einen Anfang reicht das auch völlig.

Manchmal müssen wir überhaupt erst merken,

Ah,

Also hier möchte ich nicht bleiben.

So möchte ich nicht weiterarbeiten oder mit mir umgehen.

Diese Rolle ist mir zu eng geworden.

Aber dann kommt irgendwann die zweite Frage.

Was wird möglich,

Wenn ich losgehe?

Vielleicht wäre es sogar schade,

Sofort eine fertige Antwort zu haben.

Denn dann zeichne ich auf die neue Landkarte wahrscheinlich nur das,

Was ich sowieso schon kenne.

Beim Schreiben von meinem neuen Buch ist mir deshalb auch dieser Buchtitel gekommen,

Ich hatte mich vermisst,

Denn Ich habe irgendwann gemerkt,

Dieses Buch ist eigentlich meine eigene Landkarte.

Viele Linien darauf konnte ich erst sehen,

Nachdem ich sie gegangen bin.

Und daraus entstand dann eine noch andere Idee.

Was wäre es,

Wenn wir uns mal für eine Weile nicht die nächste,

Bessere Version von uns ausdenken?

Also nicht vorher schon innerlich festlegen,

Am Ende möchte ich mutiger sein oder entspannter.

Innerlich vermutlich noch frisch gestrichen,

Sondern wenn ein Teil der Landkarte einfach leer bleiben darf.

Wir schauen,

Was wir unterwegs finden.

Und aus genau diesem Gedanken ist AWAKE lebendiger entstanden.

Eine gemeinsame Entdeckungsreise von Oktober bis Dezember.

Und tatsächlich gibt es dafür eine Landgarde,

Eine ziemlich große sogar,

Nur sie ist an entscheidenden Stellen noch leer,

Absichtlich.

Denn ich kann dir nicht einzeichnen,

Was du entdecken wirst.

Ich kann Landschaften anbieten,

Fragen,

Kleine Experimente,

Meditationen.

Also einiges,

Was wir ausprobieren können,

Aber deine Route kenne ich natürlich nicht.

Und genau das ist der Punkt.

Am Ende gehen wir dann zusammen durch die Rauhnächte.

Also,

Das wird wirklich ein spannendes Projekt,

Bei dem wir nicht anstrengend irgendwelche Erkenntnisse farblich sortieren.

Zentral wird diese eine Frage.

Wo in meinem Leben halte ich etwas für festgelegt,

Das vielleicht nur vertraut ist.

Kafka lässt seinen Mann aufbrechen.

Keine Ahnung.

Weg von hier!

Und vielleicht reicht weg von hier tatsächlich für den ersten Schritt.

Und für den Nächsten brauch ich noch gar kein Ziel.

Da reicht etwas anderes.

Neu-Ikia,

Urazintho.

Auf das?

Was hinter der nächsten Kurve liegt.

Und auf den Menschen,

Der ich dort vielleicht sein werde.

Ja,

Und jetzt zum Schluss möchte ich dir die kleine Geschichte vorlesen,

Mit der alles angefangen hat.

Ich befahl,

Mein Pferd aus dem Stall zu holen.

Der Diener verstand mich nicht.

Ich ging selbst in den Stall,

Sattelte mein Pferd und bestieg es.

In der Ferne hörte ich eine Trompete blasen.

Ich fragte ihn,

Was das bedeute.

Er wusste nicht.

Und hatte nichts gehört.

Beim Thore hielt er mich auf und fragte,

Wohin reitest du,

Herr?

Ich weiß es nicht,

Sagte ich,

Nur weg von hier,

Immerfort weg von hier.

Nur so kann ich mein Ziel erreichen.

»Du kennst also dein Ziel?

« fragte er.

Ja,

Antwortete ich.

Ich sagte es doch,

Weg von hier!

Das ist mein Ziegel.

Du hast keinen S-Vorrat mit",

Sagte er.

Ich brauche keinen,

Sagte ich.

Die Reise ist so lang.

Dass ich verhungern muss,

Wenn ich auf dem Weg nichts bekomme.

Kein Essvorrat kann mich retten.

Es ist ja zum Glück so.

Eine wahrhaft ungeheure Reise.

Neueste Bewertungen

Daniel

September 17, 2026

Grossartig 🙏🏼

Catrin

September 17, 2026

Awakened many good thoughts and ideas 🔆

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