
Diese Wahrheiten über Beziehung können Dein Leben verändern2
Manche Dinge in Beziehungen passieren – einfach, weil sie passieren müssen. Ganz gleich, wie sehr wir uns anstrengen, wie tief wir fühlen oder wie viel wir schon reflektiert haben: Bestimmte Dynamiken sind unvermeidlich. Nicht, weil wir etwas falsch machen. Sondern weil Beziehung einem eigenen inneren Bauplan folgt. Sie ist ein System. Ein lebendiges Ökosystem mit Gesetzmäßigkeiten, die wirken – ob wir sie verstehen oder nicht, ob wir sie ignorieren oder ihnen folgen. Und wenn in diesem System das Gleichgewicht kippt, merken wir das sofort. Dann knirscht’s. Dann wird’s eng. Oder still. Oder explosiv. In dieser zweiten Folge meiner Serie über Beziehungswahrheiten geht es genau darum: um Mechanismen, die sich durchsetzen – besonders dann, wenn wir nicht hinschauen. Wenn wir in alten Mustern landen. Oder anfangen, uns selbst nicht mehr wiederzuerkennen. Ich teile in dieser Folge fünf weitere Wahrheiten mit Dir, die ich immer wieder in meiner Arbeit mit Klient:innen erlebe.
Transkription
Es gibt ja so Dinge in Beziehungen,
Die passieren einfach,
Weil sie passieren müssen.
Ganz egal,
Wie sehr wir uns anstrengen,
Wie tief wir fühlen oder wie viel wir schon reflektiert und versucht haben,
Bestimmte Dynamiken sind unvermeidlich.
Nicht,
Weil wir etwas falsch machen,
Sondern weil Beziehung einem eigenen inneren Bauplan folgt.
Beziehung ist ein System,
Ein lebendiges Ökosystem mit Gesetzmäßigkeiten,
Die wirken,
Und zwar ob wir sie verstehen oder nicht,
Ob wir sie ignorieren oder ihnen folgen.
Und wenn in diesem Ökosystem Beziehung das Gleichgewicht kippt,
Dann merken wir das sofort,
Dann knirscht es richtig,
Dann wird es eng oder still oder auch explosiv.
Das hier ist die zweite Folge meiner Podcast-Serie über Beziehungswahrheiten,
Die dein Leben verändern können.
Ich teile in dieser Folge fünf weitere Wahrheiten mit dir,
Die sich so als Essenz aus der Arbeit mit Klientinnen und Klienten herauskristallisiert haben.
Sie klingen nicht immer bequem,
Aber sie wirken.
Und sie können dir helfen,
Beziehungen mit anderen Augen zu sehen.
Diese Folge ist also sowas wie eine Einladung,
Deine Beziehung nicht nur als einen Zustand zu begreifen,
Sondern als ein dynamisches,
Lebendiges,
Atmendes System.
Leben lieben lassen – der Podcast zum Thema Persönlichkeit,
Beziehung und Selbstliebe.
Von und mit Claudia Bechert-Möckel.
Hallo und herzlich willkommen bei Leben lieben lassen.
Deinem Podcast für emotionales Wachstum,
Persönliche Entwicklung und echte Verbundenheit mit dir und anderen.
Jede Woche gibt es hier in diesem Podcast neue Impulse für dich,
Für dein Leben und deine Beziehungen.
Und ich bin Claudia Bechert-Möckel,
Persönlichkeits- und Beziehungscoach.
Ich unterstütze Menschen dabei,
Sich selbst und andere besser zu verstehen,
Um gelingende Beziehungen zu führen.
Und heute,
Ich freue mich sehr,
Teil 2 meiner Serie zu den Wahrheiten über Beziehung,
Die dein Leben verändern können,
Was du schon immer über Beziehung wissen wolltest und dir nie jemand beigebracht hat.
Und das sind so ganz kompakt meine Erfahrungen und Learnings aus der Arbeit mit hunderten Klientinnen und Klienten und natürlich auch von vielen Jahren eigener Erforschung in Sachen Beziehung und Selbstbeziehung.
Denn was mich antreibt,
Schon seit sehr,
Sehr langer Zeit,
Eigentlich schon immer,
Ist zu verstehen,
Auf welchen Prinzipien Beziehungen eigentlich basieren,
Was da so die Gesetzmäßigkeiten sind,
Die dahinter stecken und wie das Ganze miteinander funktionieren kann.
Ja,
Und das alles möchte ich mit dir teilen und dich einladen zu lauschen und dich inspirieren zu lassen.
Ich freue mich von ganzem Herzen,
Wenn du etwas davon für dich mitnimmst in dein Leben und es damit natürlich auch in die Welt trägst.
Denn das ist glaube ich,
Um was es geht.
Es wird Kreise ziehen.
Wie ein Stein,
Den du ins Wasser wirfst und es wird eine Wirkung haben,
Die über dein eigenes Leben hinausgeht.
Hör gerne auch nochmal in Teil 1 dieser Serie zu den Beziehungswahrheiten hinein,
Das ist die Folge 300 vom letzten Sonntag.
Diese einzelnen Teile dieser Podcast-Serie stehen auch für sich allein,
Aber am Ende sind natürlich alle Wahrheiten miteinander verbunden.
Los geht's.
Gleich.
Ja,
Die Beziehungswahrheiten 1 bis 5,
Die gab's ja schon in der letzten Folge,
Also starten wir heute mit Wahrheit Nummer 6.
Du kannst niemanden ändern,
Aber das heißt nicht,
Dass du machtlos bist.
Ich glaube,
Fast jeder von uns kennt diesen Gedanken,
Wenn er doch nur etwas einfühlsamer wäre,
Wenn sie sich doch ein bisschen mehr öffnen würde,
Wenn er doch sehen könnte,
Was mich da verletzt,
Wenn sie endlich aufhören könnte,
So zu reagieren.
Wir wünschen uns Veränderung,
Im Anderen,
Natürlich,
Aus Liebe,
Aus Frust,
Aus Helflosigkeit und auch,
Weil wir spüren,
So wie es ist,
Gefällt es mir nicht oder es tut mir ziemlich weh.
Aber die bittere Wahrheit,
Und du hast sie natürlich auch schon gehört,
Ist die,
Wir können niemanden verändern.
Nicht mit Druck,
Nicht mit Bitten,
Nicht mit Betteln,
Wir können einen Tanz aufführen oder Ballette,
Es wird nichts ändern.
Veränderung ist etwas,
Das von innen kommt oder eben nicht.
Und je mehr du versuchst,
Deinen Partner,
Deine Partnerin zu verändern,
Desto mehr geht die Verbindung verloren.
Denn wenn da jemand spürt,
Ich bin nicht richtig,
Ich bin nicht genug,
So wie ich bin,
Reicht es nicht,
Dann fühlt sich dieser Mensch natürlich alles andere als geliebt.
Und nach etwas passiert.
Dein Wunsch nach Veränderung,
Beziehungsweise der Druck,
Der dabei entsteht,
Wird paradoxerweise oft sogar zum Hemmschuh genau dieser gewünschten Veränderung.
Psychologisch nennt man das Reaktanz,
Blindwiderstand,
Das Gefühl,
Sich gegen den Druck wehren zu müssen.
Etwas wollen zu sollen,
Erzeugt nämlich Abwehr,
Kennst du ganz bestimmt auch.
Wenn wir das also machen,
Wenn wir fordern,
Bitten,
Drängeln,
Geht der andere innerlich auf Abstand,
Auf Rückzug.
Es ist,
Habe ich letztens schon beschrieben,
Als würdest du versuchen,
Eine Tür aufzudrücken und drinnen stemmt sich jemand mit aller Kraft dagegen.
Nicht mal unbedingt,
Weil er dich verletzen will,
Sondern weil dieser Mensch nicht das Gefühl von Freiwilligkeit hat,
Sondern sich eben gedrängt fühlt.
Und das erzeugt Abwehr.
Ich erlebe es an meinen Beratungen ziemlich oft,
Wie verzweifelt Menschen sein können,
Wenn sie an dieser Grenze stehen.
Wenn sie nämlich merken,
Boah,
Ich hab alles versucht,
Gespräche,
Verständnis,
Erklärung,
Geduld,
Aber es ändert sich einfach nichts.
Und ich verliere mich langsam selbst.
Ein Klient hat mal zu mir gesagt,
Ich hab zehn Jahre lang gewartet,
Dass sie mit mir auf Augenhöhe spricht,
Mich nicht immer behandelt wie ein kleiner Junge.
Jetzt weiß ich,
Das war nicht Geduld,
Was ich da hatte,
Das war so eine Art falsche Hoffnung.
Also Hoffnung in Verkleidung.
Aber verstehen wir uns nicht falsch,
Natürlich gibt es Dinge,
Die in einer Beziehung nicht dauerhaft tragbar sind.
Wenn die eigenen Werte und Bedürfnisse gar nicht gelebt werden können,
Wenn es Lieblosigkeit,
Einseitigkeit,
Respektlosigkeit oder emotionale Kälte gibt,
Wiederkehrende Kränkungen,
Da darf man nichts davon schönreden.
Aber du weißt es,
Es gibt auch so einen Bereich dazwischen,
Die Grauzone,
Wo wir hoffen,
Dass es besser wird,
Auch immer wieder versuchen,
Den anderen dazu zu bringen und gleichzeitig spüren,
Ich muss mich entscheiden,
Wie ich damit umgehe.
Was will ich mittragen und wo setze ich eine Grenze?
Wo ist genug bemüht?
Was ist verhandelbar und was ist mein ganz persönliches Nein?
Sich solche Fragen mal zu stellen,
Das ist keine Trennung,
Das ist eine Rückverbindung mit sich selbst.
Das macht man nicht gegen den anderen,
Das macht man für sich.
Und es ist ein ganz großes Geschenk,
Es ist nämlich die Akzeptanz,
Den anderen so sein zu lassen,
Wie er oder auch sie ist.
Ohne sich dabei selbst zu verlieren oder ohne immer dagegen anzukämpfen.
Oder,
Um es mit den Worten von Byron Katie zu sagen,
Du weißt es sicher,
Die Erfinderin der wunderbaren Methode de Burg,
Jedenfalls hat sie gesagt,
Lieben heißt nicht,
Den anderen zu verändern.
Lieben heißt,
Den anderen zu lassen und selbst klar zu bleiben.
Und genau das ist so schwer für uns.
In einer aberwitzigen Hoffnung zu bleiben und dabei zu leiden,
Ist viel einfacher als sich zu entscheiden und zu handeln,
Aus sich selbst heraus.
Aber genau hier ist nämlich der einzige Einfluss,
Den wir haben.
Und manchmal bewirkt das genau die Bewegung beim anderen,
Auf die wir so,
So lange gehofft haben.
Wenn alles zwischen euch gesagt ist,
Was dir wichtig ist,
Was du dir wünschst und warum und was dir das alles bedeutet,
Und es wird immer noch abgetan,
Umgelenkt,
Ignoriert oder vielleicht sogar bagatellisiert,
Dann ist das ja eine Aussage an sich.
Na klar tut die weh,
Auf jeden Fall.
Aber wenn du nicht mehr dagegen ankämpfst,
Wenn du die Realität so annimmst,
Wie sie jetzt gerade ist,
Wenn du den Scheinwerfer deiner Aufmerksamkeit nicht mehr nur darauf lenkst,
Dass es anders sein sollte,
Dass von deinem Beziehungsmensch irgendwie das kommt,
Auf das du doch so sehnlichst wartest,
Wenn du also aufhörst,
Am Gras zu ziehen,
Dass es wächst,
Und dich endlich darauf fokussierst,
Das,
Was dir wichtig ist,
Selbst in dein Leben zu holen,
Dann sendest du ein ganz entscheidendes Signal.
Ich bin mir wichtig und ich bin wertvoll,
Auch unabhängig davon,
Wie du dich zu mir verhältst.
Und genau das,
Dieser Fokuswechsel,
Kann dafür sorgen,
Dass dein Partner,
Deine Partnerin,
Sich wieder auf dich zubewegt.
Und zwar aus Freiwilligkeit und nicht,
Weil du Druck gemacht hast.
Ich habe das schon sehr oft erlebt.
Jahrelang hat sie sich auf die Beziehung fokussiert,
Hat dem alles untergeordnet,
Immer um seine Aufmerksamkeit gebettelt.
Manchmal hat sie geweint,
Manchmal hat sie gemeckert.
Sie hat versucht es auszuhalten,
Dass sie in seinem Leben immer die zweite oder dritte Wahl war.
Alles war ihm wichtiger als die Beziehung.
Seine Freunde,
Seine Arbeit,
Sein Sport.
Für ihn war sie einfach da,
Wie ein Möbelstück,
Hat sie gesagt.
Er war sich viel zu sicher,
Dass er das Allerwichtigste für sie war.
Wie sie sich fühlte,
Hing immer davon ab,
Wie viel Aufmerksamkeit von ihm kam.
Meistens fühlte sie sich nicht gesehen,
Klein und ungeliebt.
Sie wollte immer mehr Nähe,
Klar,
Es gab ja zu wenig,
Er wollte immer mehr Abstand,
Denn er fühlte sich bedrängt.
Und so kam es,
Dass sie sich immer einseitig um die Nähe in der Beziehung kümmerte.
Er musste gar nichts tun,
Sich nicht um sie bemühen,
Sie war ja immer schon da,
Immer verfügbar,
Immer mit der Aufmerksamkeit bei ihm.
Es war zum Verzweifeln.
Bis zu dem Punkt,
An dem sie verstanden hat,
Dass sie emotional total abhängig war und sie beschloss sich ihr eigenes Leben zurückzuholen.
Und es fing damit an,
Dass sie eigenen Interessen wieder nachging.
Die hatte sie nämlich völlig weggelassen.
Sie hat sich wieder mehr Zeit für ihre Freunde genommen und sich immer mehr unabhängig gemacht.
Davon,
Was von ihm kam oder nicht.
Klar war sie immer noch traurig,
Aber sie konnte jetzt ganz anders damit umgehen.
Und kurioserweise erwachte da sein Interesse ganz neu.
Er fing nämlich wieder an,
Sich für sie zu interessieren,
Weil sie nicht die ganze Zeit verfügbar war.
Und dann lernte sie jemand anderen kennen,
Scheinbar ganz zufällig,
Und dann drehte sich die Dynamik der Beziehung regelrecht um.
Jetzt war er es nämlich,
Der sie auf gar keinen Fall verlieren wollte.
Alles Mögliche hat er unternommen,
Um sie zurückzugewinnen,
Und doch,
Es war zu spät.
Sie wollte nämlich nicht mehr zurück,
Weil sie gemerkt hatte,
Dass sie sich selbst verloren hatte.
Und sie schwor sich an dem Punkt,
Dass das nie wieder passieren würde.
Nie wieder würde sie sich für eine Beziehung aufgeben.
Natürlich,
Das ist ein krasses Beispiel,
Aber es zeigt sehr gut,
Wo unser wirklicher Einfluss liegt.
Und er ist meist ganz so anders,
Als wir es gedacht hätten.
Beziehung bedeutet Wechselwirkung,
Wie wir uns verhalten,
Wirkt auf den anderen oder die andere und umgekehrt.
Und unser Verhalten kommt von unserer inneren Haltung,
Und genau dort liegt unser Einfluss.
Und hier kommen ein paar Impulse für deine Beziehung.
Wenn du dich vielleicht gerade beim Gedanken ertappst,
Wenn er oder sie nur endlich dies oder jenes machen würde,
Dann würde es mir besser gehen.
Dann mach doch mal eine kleine Pause und frag dich stattdessen,
Was brauche ich,
Was ist mein Bedürfnis,
Ganz unabhängig davon,
Ob sich etwas ändert,
Und wie kann ich mir etwas selbst davon in mein Leben holen?
Und vielleicht kannst du das auch mal aussprechen,
Ohne Forderung,
Ohne Druck,
Einfach so ganz ehrlich.
Ich merke,
Dass ich die ganze Zeit versuche,
Dich zu irgendwas zu bringen.
Mehr Liebe,
Mehr Aufmerksamkeit,
Mehr Engagement,
Du weißt ja,
Was mir wichtig ist.
Und ich merke,
Dass du das irgendwie nicht so sehr willst,
Wie ich.
Ich renne dir damit hinterher,
Und ich rücke dir auf die Pelle,
Und das nervt uns beide.
Und deshalb habe ich beschlossen,
Nicht mehr zu betteln,
Nicht mehr zu kritisieren oder zu meckern oder zu warten,
Dass irgendwas passiert.
Ich werde damit aufhören.
Und ich will herausfinden,
Wie ich mich selbst um das kümmern kann,
Was mir wichtig ist.
Das ist keine Kapitulation oder Resignation,
Das ist Klarheit über das,
Was in deiner Macht liegt.
Und manchmal ist es wirklich der Anfang von etwas Neuem.
Es gibt da einen Moment in jeder Beziehung,
Der mehr verändern kann als jedes klärende Gespräch,
Jede Argumentenschlacht,
Jede perfekte Geste und jede romantische Überraschung.
Der Moment,
In dem sich einer traut,
Sich wirklich zu zeigen.
Nicht in einer Rolle,
Nicht als ein Bild,
Das nach außen dargestellt wird,
Sondern als der Mensch,
Der sie oder er ist,
Mit all seiner Unsicherheit,
Der Sehnsucht,
Der ganzen Angst.
Und das geht,
Indem sie oder er seine innersten Gefühle und Gedanken mitteilt.
Ich weiß schon,
Verletzlichkeit,
Das klingt irgendwie komisch,
Weich,
Vielleicht auch sogar schwach.
Aber Verletzlichkeit ist das Gegenteil davon.
Verletzlichkeit ist ein sich öffnen.
Und es ist Mut in seiner reinsten Form.
Denn es ist ja so,
Wenn wir uns zeigen,
Mit dem,
Was uns bewegt,
Was uns beschäftigt,
Was uns Angst macht oder welche Gefühle wir haben,
Wenn wir das also teilen,
Ohne zu wissen,
Ob wir damit angenommen werden,
Gehen wir ein emotionales Risiko ein,
Wir machen uns angreifbar,
Eben verletzlich.
Doch ohne genau diesen Schritt bleibt jede Beziehung oberflächlich.
Sicher vielleicht,
Aber leer.
Denn dann wissen wir ja gar nicht,
Mit welcher Art Mensch wir es wirklich beim anderen zu tun haben und umgekehrt natürlich auch.
Wir leben dann mit einem Menschen oder sind mit diesem Menschen zusammen,
Aber wir kennen ihn gar nicht richtig.
Weil wir nichts von seiner Innenwelt wissen.
Wir können uns ja dann nur an dem orientieren,
Was nach außen gezeigt oder gesagt wird.
Also die Worte oder das Verhalten,
Das wir sehen.
Etwas anderes haben wir nicht.
Und das bedeutet auch,
Die Interpretations- und Missverständnisrate wird riesengroß.
Ein Beispiel.
Menschen haben ja ganz unterschiedliche Ausdrucksformen für ihren emotionalen Stress,
Ihren Inneren oder ihre Verlustangst.
Also wenn sie sich irgendwie innerlich bedroht fühlen.
Es gibt Menschen zum Beispiel,
Die werden laut,
Hart,
Vorwurfsvoll und kritisch,
Obwohl sie innen leiden.
Das sieht man aber im Außen nicht.
Denn ihre ganze Angst,
Ihr Schamgefühl,
Ihre Kleinheitsgefühle versuchen sie im Moment des Streits in den Griff zu kriegen,
Indem sie in eine Kampf- und Abwehrhaltung gehen.
So nach dem Motto,
Angriff ist die beste Verteidigung.
Und andere Menschen schotten sich in Konflikten nach außen regelrecht ab,
Sie machen zu.
Dicht.
Innere Immigration,
Um sich zu schützen.
Aber das weiß ja niemand.
Von außen sieht das nämlich so aus,
Als wäre es ihnen egal.
Als würden sie drüberstehen,
Alles an sich abhören lassen oder einen sogar ignorieren.
Man kommt nicht mehr ran.
Jetzt stellt ihr mal zwei solche Menschen vor,
Die in einem Konflikt stecken bleiben.
Beide leiden,
Beide sind verletzt,
Beide haben Angst,
Aber das zeigen sie nicht.
Und sie machen etwas völlig unterschiedliches mit ihrer Angst.
Angriff und Rückzug.
Aber beide wollen verstanden werden.
Aber so,
Wie sie in ihren Schutzpanzern stecken,
Können sie das nicht.
Denn so werden beide füreinander zur Bedrohung,
Eben mit Angriff und Rückzug.
Da entsteht ein Teufelskreis,
Eine Patsituation,
Aus der man nur rauskommt,
Wenn man die eigene Schutzstrategie runterfährt,
Also den Schutzpanzer auszieht,
Und den anderen sehen lässt,
Was hinter der Fassade wirklich passiert,
Wie es sich also innen drinnen anfühlt.
Und das ist so eine der wichtigsten Aufgaben in meiner Arbeit mit Paaren,
Hinter diese Schutz- und Abwehrstrategien zu schauen.
Dahin,
Wo man sehen kann,
Wie es jedem von beiden innerlich geht.
Und wenn das gelingt,
Wenn Menschen aufhören,
Sich hinter Schuldzuweisungen,
Argumenten oder Ironie oder Ignoranz zu verstecken und stattdessen sagen,
Ich bin gerade überfordert.
Oder ich habe Angst,
Dich zu verlieren.
Da gibt es so einen magischen Moment,
Da kann aus so einem harten Konflikt plötzlich eine echte Nähe entstehen,
So eine Berührbarkeit,
Weil sich jemand traut,
Echt zu sein.
Ohne Maske,
Ohne Rüstung.
Und ehrlich,
Das weiß ich auch selbst,
Das ist das Schwerste überhaupt,
Weil wir uns da nackig machen,
Emotional,
Und weil wir keine Sicherheit haben,
Dass es gut gehen wird.
Eine Klientin hat mir unter Tränen gesagt,
Ich bin immer so stark,
Aber innerlich sehne ich mich danach,
Dass ich auch mal schwach sein darf.
Und als sie das sagte,
War ihr Partner zum ersten Mal wirklich bei ihr,
Weil sie ihm da eine Seite gezeigt hatte,
Die er hinter ihrer Schutzfassade sonst nie sehen konnte.
Und er ging nicht mehr so stark in Abwehr,
Sondern mehr in Verbindung,
Weil er sich einfühlen konnte.
Er konnte sie sehen,
Wie sie wirklich,
Wirklich ist,
Verletzlichkeit berührt,
Weil sie uns an unsere eigene erinnert,
Weil wir dann ein Mitgefühl bekommen.
Und das überbrückt die Distanz,
Die entsteht,
Wenn wir nur noch funktionieren oder wenn wir uns mit unseren Schutzpanzern ein Kampfduell liefern.
Die wunderbare Brené Brown,
Über die ich hier schon viel gesprochen habe und die über Verletzlichkeit geforscht hat,
Sagt dazu,
Verletzlichkeit ist die Geburtsstätte von Liebe,
Zugehörigkeit,
Freude,
Mut,
Empathie und Kreativität.
Und sie hat Recht,
Ohne Verletzlichkeit gibt es keine wirkliche Verbindung,
Nur Strategien.
Und natürlich,
Das muss dir keine Angst machen,
Verletzlich sein zu können bedeutet nicht,
Man muss sich ständig und immerzu vor jedem Entblößen emotional,
Es bedeutet einfach ehrlich zu sein mit dem,
Was in uns lebt und zwar auch dann,
Wenn es nicht perfekt ist und wenn es wehtut.
Trau dich ruhig mal,
Es kann Wunder bewirken und der erste Schritt dazu ist,
Seine eigenen inneren Gefühlen und seinen eigenen inneren Konflikten begegnen zu können,
Denn erst dann können wir sie erteilen.
Und hier sind die Impulse für deine Beziehung.
Vielleicht möchtest du mal was teilen,
Was du sonst zurückhältst?
Etwas,
Das du fühlst,
Aber selten oder nie sagst,
Weil du nicht weißt,
Wie es ankommen wird,
Weil es dir Angst macht.
Das kann ein Gedanke sein,
Eine Sorge,
Eine Sehnsucht,
Auch ein Schuldgefühl.
Zum Beispiel,
Ich bin manchmal so unsicher,
Ob ich dir wirklich genüge und ich merke,
Wie sehr ich mir wünsche,
Dass du mir das zeigst.
Es braucht sehr viel Mut,
So zu sprechen,
Aber dieser Mut ist der Anfang von echter Nähe.
Oder ein anderer Vorschlag,
Wenn du das nächste Mal hartkritisch oder fordernd bist oder anders herum,
Wenn du dich nach innen verkriechst und dich abschottest,
Deiner Partnerin deinem Partner gegenüber.
Frag dich doch mal,
Wie fühle ich mich gerade in mir drin,
Wenn ich mich so verhalte?
Was ist in diesem Moment meine größte Angst?
Oder wofür schäme ich mich gerade?
Vielleicht ist es auch ein Schuldgefühl,
Das ich abwehren will?
Wenn du das erkundest in dir drin,
Dann wirst du auf etwas stoßen.
Deine innere Wahrheit nämlich.
Der Grund,
Warum du dich jetzt gerade so verhältst im Kampf- oder Abwehrmodus.
Das ist schon mal sehr viel.
Und dann ist der nächste mutige Schritt,
Diese Wahrheit auszusprechen.
Die Wahrheit ist,
Ich habe Schuldgefühle,
Weil etwas dran ist an dem,
Was du sagst.
Ich bin lieber unterwegs als hier zu Hause,
Weil ich Angst vor diesen Beziehungsgesprächen habe,
Die du so gerne willst.
Deshalb mache ich lieber dicht,
Dann merkst du das nicht.
Das kann eine richtige Offenbarung sein,
Ich verspreche es dir,
Und es geht natürlich auch für den Einstieg viel leichter.
Einfach indem du das Gefühl benennst und deine Gedanken.
Zum Beispiel,
Ich habe gerade Angst,
Weil ich denke,
Dass ich dir nicht gewachsen bin.
Oder?
Ich fühle mich klein,
Wenn ich nicht die richtigen Worte finde und dann verstehst du mich vielleicht nicht.
Deshalb sage ich lieber nichts.
Es gibt zahllose Beispiele.
Niemand weiß,
Was in deiner Innenwelt los ist.
Deswegen kann dich auch niemand verstehen,
Wenn du es nicht mitteilst.
Du bist der einzige Mensch,
Der in dir drin zu Hause ist.
Wenn wir verstanden werden wollen,
Ist es wichtig uns auszudrücken mit dem,
Was da in uns los ist.
Und dabei müssen wir uns unserer größten Angst stellen.
Der Angst vor Ablehnung.
Aber hinter dieser Mauer aus Angst wartet die Chance auf echte Begegnung und Verbundenheit,
Echtes Gesehen und Angenommenwerden.
Und ich bin ziemlich oft dabei,
Wenn das passiert,
Und deswegen kann ich dir sagen,
Es gibt keine Sicherheit dafür,
Aber ich glaube,
Dass unser Mut sehr,
Sehr häufig belohnt wird.
Beziehungswahrheit Nummer 8.
Liebe allein reicht nicht.
Beziehung ist eine Entscheidung.
Dieses Bild habe ich schon ziemlich oft beschrieben in diesem Podcast.
Beziehung ist wie eine Pflanze,
Ein lebendiges Wesen.
Sie braucht Licht,
Raum,
Wasser und sie braucht Pflege.
Nicht nur einmal,
Sondern immer wieder.
Von beiden Seiten.
Sie wächst nicht einfach,
Weil sie einmal gepflanzt wurde.
Sie braucht Nahrung,
Sonnenlicht,
Aufmerksamkeit und sie zeigt uns eigentlich ganz genau,
Was sie braucht,
Wenn wir hinschauen.
Und Liebe ist natürlich ein ganz wunderbarer Anfang und ein Startkapital.
Liebe macht ja,
Dass wir so ein Pflänzchen pflanzen.
Liebe erschafft Beziehung.
Aber sie reicht halt nicht,
Um eine Beziehung langfristig zu tragen.
Denn Liebe ist ein Gefühl und Gefühle können schwanken.
Was bleibt,
Wenn der Alltag kommt?
Wenn die Konflikte anfangen?
Wenn Verletzungen entstehen?
Widerstände?
Was bleibt,
Ist die Entscheidung,
Das Commitment.
Ich will das,
Auch wenn es jetzt gerade schwierig ist.
Ich bin bereit,
Etwas dafür zu tun.
Ich weiß,
Das klingt unromantisch,
Aber es ist eine der tiefsten Wahrheiten,
Die ich aus meiner Arbeit mit Paaren gelernt habe.
Die Liebe stirbt,
Wenn sich niemand darum kümmert.
Denk an die Pflanze.
Das Sonnenlicht,
Das diese Pflanze braucht,
Das ist unsere Aufmerksamkeit.
Ich schaue hin.
Ich freue mich am Wachsen.
Es ist mir wichtig.
Und der Boden,
In dem die Pflanze wächst,
Das ist eine innere Positionierung zu der Beziehung.
Ein Ja,
Das will ich.
Das mit dir.
Ich will uns.
Und deshalb hat es auch eine bestimmte Priorität für mich,
Die man merken kann.
Das ist der Boden.
Und die Nährstoffe sind emotionale und körperliche Nähe,
Natürlich auch Zeit zu zweit,
Kommunikation,
Gemeinsame Ziele,
Geteilte Erfahrungen,
Unsere Liebe auch zu zeigen,
So dass sie auch ankommt,
So dass sich der oder die andere auch gemeint fühlt.
Und eine bewusste Wahl,
Auch dann zu bleiben,
Wenn es mal schwer wird.
Ein sicherer Mensch sein zu wollen.
Und Verantwortung zu nehmen.
Ich weiß,
Dieses altmodische Wort,
Nicht jeder will es gerne hören.
Aber ja,
Genau so ist es.
Verantwortung für dich,
Für die Beziehung und auch für den anderen Menschen,
Zu dem du dich ja bekennst,
Auf den du dich beziehst.
Deswegen heißt es ja Beziehung.
Und vielleicht nickst du jetzt in Gedanken mit dem Kopf und denkst,
Ja klar,
Schon hundertmal gehört.
Aber glaub mir,
Ich begegne immer wieder Paaren in meiner Arbeit,
Die in einer Art Funktionsmodus gefangen sind und sich um alles kümmern,
Nur nicht um ihre Beziehung.
Sie rotieren den ganzen Tag und sie gehen einfach davon aus,
Dass die Beziehung ja da ist und sie verlassen sich darauf.
Partnerinnen oder Partner wissen ja,
Dass sie geliebt sind.
Ich bin ja da.
Ich habe ja sogar unterschrieben.
Wirklich.
Zeit für die Beziehung haben wir gerade nicht.
Machen wir später.
Jetzt ist der Alltag wichtiger.
Die Karriere,
Die Familie,
Verstehe ich alles.
Aber wohin wird es langfristig führen?
Wir fahren zweimal im Jahr in den Urlaub und dann wird es ganz toll.
Dann ist Zeit für die große Liebe.
Spoiler-Alarm,
Bis dahin habt ihr euch möglicherweise schon aus den Augen verloren.
Ein Paar,
Das ich lange begleiten durfte,
Sagte am Ende unserer Arbeit,
Früher dachten wir immer,
Liebe sei genug.
Heute wissen wir,
Die Liebe war immer da,
Aber ohne richtige Entscheidungen für das gelebte Miteinander hätten wir sie fast verloren.
Wir haben sie gar nicht mehr gelebt.
Und ehrlich,
Ich mag das Wort Beziehungsarbeit auch nicht.
Es klingt sehr anstrengend,
Nach einem Seminar und nach hartem Durchbeißen,
Aber so ist es gar nicht gemeint.
Es sind die kleinen unspektakulären Gesten im Alltag.
Ein Gespräch am Abend,
Das Zuhören am Handy,
Ein kleines Signal,
Die Umarmung beim Nachhausekommen.
Oder so kleine Beziehungsinseln im Alltag,
Gerade dann,
Wenn man wenig Zeit hat.
Ein echtes Gespräch,
Auch wenn es nur 15 Minuten sind,
Bevor die Kinder abgeholt werden müssen.
Oder der Beziehungstag,
Den ich liebe und den viele meiner Klienten übernommen haben und den ich auch selbst in meiner Beziehung liebe.
Das ist jetzt nicht ein ganzer Tag,
Aber ein Nachmittag in der Woche,
Den beide regelmäßig freischaufeln,
Um einfach mal nur zusammen zu sein.
Keine Einkäufe,
Keine Pflichten,
Keine Aufgaben,
Aber vielleicht spazieren gehen,
Einen Stadtbummel machen,
Ein Wein trinken oder auch zusammen Sport oder einfach nur reden,
Was immer ihr mögt.
Es geht nicht um einen Eventcharakter,
Es geht ums Zusammensein.
Miteinander,
Nicht nebeneinander her.
Viele glauben,
Und das ist doch so ein bisschen Hollywood-Romantik,
Liebe müsste sich immer leicht anfühlen,
So wie eine locker fluffige Wolke,
In der man schwebt.
Aber wie jedes lebendige Wesen braucht sie eben Aufmerksamkeit und eine klare Absicht.
Und natürlich musst du nicht 24-7 um die Beziehungen herum kreisen und manchmal brauchst du auch einfach Pausen,
Aber nie Gleichgültigkeit.
Und hier sind die Impulse für deine Beziehung.
Frag dich doch heute mal,
Was tue ich im Alltag ganz konkret,
Um meine Beziehung lebendig zu halten?
Und was wünsche ich mir vom anderen?
Manchmal sind es nicht die großen Events oder tiefgründigen Gespräche,
Sondern die kleinen Zeichen,
Die zählen.
Eine nette Begrüßung,
Ein liebevoller Zettel am Frühstückstisch,
Ein paar Minuten echter Aufmerksamkeit und Interesse mitten im Trubel des Tages,
Eine kleine Überraschung oder eben so ein Beziehungstag,
Der eigentlich ein Beziehungsnachmittag ist.
Und vielleicht hast du ja Lust,
Deinem Lieblingsmenschen einfach auch mal zu sagen,
Hey,
Lass uns doch heute einfach mal was miteinander machen,
Irgendwas,
Was wir früher gerne gemacht haben.
So eine Unterbrechung,
Der immer gleichen Muster,
So ein kleiner Satz kann etwas zum Leuchten bringen,
Das vielleicht längst im Schatten liegt.
Beziehungswahrheit Nummer 9.
Beziehung ist keine Einbahnstraße,
Du kannst sie nicht alleine machen.
Egal wie sehr du dich bemühst,
Wie viel Liebe du gibst und wie viele Bücher du liest oder Podcasts hörst oder wie sehr du dich zurücknimmst,
Du kannst eine Beziehung nicht alleine machen und auch nicht alleine retten.
Eine Beziehung lebt von mindestens zwei Menschen,
Die sich einbringen,
Zuhören,
Sich zeigen.
Sie lebt von Geben und Nehmen,
Von Reaktion und Resonanz.
Manchmal erlebe ich in meinen Beratungen,
Wie verzweifelt Menschen daran festhalten,
Das Ruder in der Beziehung allein herumreißen zu wollen.
Sie arbeiten an sich,
An der Kommunikation,
An ihrem inneren Kind und trotzdem bleibt der andere stumm,
Abwesend,
Gleichgültig.
Und irgendwann kommt diese leise,
Bittere Erkenntnis,
Ich kann es gar nicht alleine schaffen.
Beziehung bedeutet Wechselwirkung,
Im Gelingen genauso wie im Misslingen.
Es braucht zwei dafür,
Zwei,
Die da sind,
Die fühlen,
Denken und sich zumuten.
Und auch zwei,
Die bereit sind,
Verantwortung zu übernehmen.
Für das,
Was sie tun,
Für das,
Was sie nicht tun und für das,
Was zwischen ihnen geschieht.
Es ist ein bisschen wie ein Miteinander tanzen.
Wenn einer sich bewegt,
Entsteht erst dann ein gemeinsamer Rhythmus,
Wenn der andere sich mitbewegt,
Sonst tanzt du für dich allein.
Und es ist vielleicht auch schön,
Aber es ist eben keine Beziehung.
Ein Client sagte einmal nach einer langen Sitzung,
Ich habe gedacht,
Wenn ich mich nur genug bemühe,
Kriegen wir das wieder hin,
Aber jetzt sehe ich,
Mein Partner tanzt überhaupt nicht mehr mit mir.
Und es war kein Vorwurf,
Es war ein stilles Abschied nehmen von einer Illusion,
Es allein schaffen zu können.
So eine Erkenntnis tut richtig weh,
Aber sie befreit auch,
Denn sie bringt uns raus aus der Selbstüberforderung und hinein in die Klarheit.
Beziehung ist kein Solo,
Es ist ein Duett,
Jedenfalls in einer Zweierbeziehung und wenn der andere nicht mehr mitsingt,
Kannst du noch so laut deine Melodie spielen,
Sie verhallt wie ein Echo.
Mir sagen Menschen dann,
Ich will um die Beziehung kämpfen,
Ich will sie retten,
Aber was,
Wenn der andere emotional längst schon woanders unterwegs ist,
Dann gibt es nichts mehr zu retten.
Wenn jemand innerlich schon ausgecheckt hat,
Auch wenn er körperlich noch da ist,
Dann ist dieses Ringen oft ein einsamer Kampf gegen Windmühlen,
Ein Versuch,
Etwas zu halten,
Das längst nicht mehr gemeinsam getragen wird.
Ein unmögliches Unterfangen,
Als ist es noch nicht Anerkennen einer Wahrheit,
Die längst schon da ist.
Denn so sind wir Menschen,
Solange wir etwas tun,
Haben wir die Hoffnung auf Verbesserung.
Und dass es so ist,
Ist nicht die Schuld eines Einzelnen,
Es ist das Wesen von Beziehung,
Sie entsteht nur in Wechselwirkung,
Ohne Resonanz kein Klang,
Ohne gegenüber keine Verbindung.
Und es ist vielleicht eine der schmerzlichsten Erkenntnisse,
Aber auch eine der heilsamsten.
Du kannst niemanden zwingen zu bleiben,
Du kannst nur jemanden einladen,
Und irgendwann wirst du loslassen,
Wenn die Einladung nicht mehr angenommen wird.
Und hier kommen die Impulse für deine Beziehung.
Frag dich doch mal ganz ehrlich,
Wo versuche ich vielleicht etwas allein aufrecht zu erhalten,
Das eigentlich von beiden getragen werden müsste?
Habe ich ein echtes Gegenüber,
Das in meine Richtung schaut,
Zugewandt ist?
Ziehen wir zusammen an einem Strang oder ist das eher eine Sache im Alleingang?
Oder andersrum,
Was genau tue ich aktiv für diese Beziehung oder für ihre Verbesserung?
Beziehungswahrheit Nummer 10.
Ein Paar,
Das nicht miteinander spricht,
Verlernt sich kennen.
Man kann im gleichen Haus wohnen,
Jeden Tag nebeneinander aufwachen,
Mahlzeiten teilen,
Urlaube planen und trotzdem keine wirkliche Beziehung zueinander haben.
Vielleicht gab es die noch nie.
Denn das eine ist eine Struktur,
Ein gemeinsames Leben,
Das wir aufgebaut haben.
Und vielleicht auch ein Wohlwollen,
Eine Art Freundschaft.
Und das ist auch gut so.
Das andere aber ist ein inneres Band,
Eine innere Verbundenheit,
Emotional.
Und die spürt man durch Interesse,
Durch Anteilnahme,
Durch Worte,
Durch Gefühle.
Etwas,
Das von innen kommt.
Beziehung heißt eben nicht nur gemeinsam funktionieren.
Beziehung heißt,
Ich sehe dich,
Ich interessiere mich für dich,
Ich möchte,
Dass es dir gut geht.
Es ist dieses zugewandte Interesse daran,
Wer der andere heute ist.
Nicht,
Wer er oder sie gestern war und wer wir hoffen,
Dass er oder sie morgen sein wird.
Denn wir alle verändern uns ja jeden Tag ein kleines bisschen.
Das Leben macht etwas mit uns und manchmal mehr,
Als uns selbst bewusst ist.
Und wenn wir da nicht im Austausch bleiben,
Wenn wir da nicht regelmäßig innerlich in Kontakt bleiben,
Wenn wir aufhören zu fragen,
Zu erzählen,
Auch von uns selbst zuzuhören,
Eben dieses echte Interesse,
Von dem ich so oft spreche,
Daran,
Wer der Mensch,
Der da mit uns ist,
Jetzt gerade in seinem Inneren ist,
Dann verlieren wir diesen inneren Faden zueinander.
Und glaub mir,
Das passiert nicht plötzlich.
Es ist ein stilles sich-verkennen-lernen,
Ein sich-verlieren im scheinbar gut strukturierten Alltag.
Paare,
Die nicht miteinander sprechen,
Werden irgendwann zu Mitbewohnern in einer gemeinsamen Vergangenheit,
Aber ohne echte Gegenwart.
Denn die gemeinsame Struktur,
In der man lebt,
Das Zuhause,
Die Umstände,
Nur das ist eine Folge der Beziehung.
Und sie gibt uns eine Art Pseudosicherheit.
Aber es passiert gar nicht selten,
Dass Menschen Lichtjahre voneinander entfernt sind,
Obwohl sie in einem Bett miteinander schlafen.
Das nennt man Entfremdung.
Und manche können das auch gar nicht anders oder noch nicht anders,
Weil sie emotionale Verbundenheit nicht wirklich zulassen können.
Dann haben sie vielleicht in ihrer Prägung Vermeidungsstrategien gelernt,
Weil sie Nähe als gefährlich erlebt haben.
Was sehr,
Sehr häufig ist,
Menschen,
Die sich noch lieben,
Aber sich nicht mehr erreichen.
Die zwar zusammenleben,
Aber sich nicht mehr berühren,
Auch innerlich nicht.
Und oft braucht es gar keine großen Therapiesitzungen,
Keine tiefgreifenden Aufarbeitungen.
Manchmal genügt die Entscheidung,
Sich wirklich wieder zuzuwenden und wieder neugierig zu werden.
Wieder zu fragen,
Was bewegt dich,
Was erlebst du,
Was bedeutet dir das?
Was ist das,
Was dich gerade am meisten beschäftigt?
Es klingt so einfach und so logisch und doch ist es eine Wahrheit,
Die vielen gar nicht klar zu sein scheint.
Ist man nicht mehr miteinander in einem echten Austausch,
Beginnt ein schleichender Prozess der Entfremdung.
Mit verschluckten Gedanken,
Einer unausgesprochenen Frage,
Einem nicht geteilten Gefühl.
Und irgendwann sitzen sich zwei Menschen gegenüber,
Die sich nicht mehr kennen.
Manchmal fragt mich jemand in einer Sitzung,
Was bedeutet es,
Wenn meine Partnerin,
Mein Partner sich so und so verhält?
Ich bin da ganz unsicher.
Und dann sage ich,
Hast du sie oder ihn schon mal gefragt?
Und dann höre ich häufig ein Nein und ich frage,
Was hindert dich?
Ja,
Ich habe Angst vor dem,
Was er oder sie sagen wird.
Erkennst du den Abwehrmechanismus?
Besser nicht fragen,
Dann kann nämlich nichts passieren.
Oh doch,
Denn all das,
Was da ist,
Aber keinen Raum findet,
Wird zwischen euch stehen und wird irgendwann wie ein Berg aus unsortiertem Müll den ganzen Raum zwischen euch füllen und echte Verbindung verhindern.
Und ja,
Es ist wahr,
Wenn wir uns ehrlich interessieren,
Dann ist es wichtig,
Dass wir auch die Antwort hören wollen,
Dass wir bereit sind,
Sie hören zu wollen.
Und das ist genau das,
Vor dem wir diese furchtbare Angst haben.
Und deshalb verstecken sich Menschen in Rollen und Funktionen,
In ihrer Beziehung und in Strukturen.
Es war erst diese Tage,
Da hat eine Klientin das so formuliert.
Ich habe gedacht,
Ich kenne sie.
Aber irgendwann habe ich gemerkt,
Ich kenne nur die Version,
Die ich mir vor zehn Jahren von ihr gemacht habe,
Als wir zusammengekommen sind.
Dieses innere Bild,
Daran habe ich stoisch festgehalten und sie gar nicht mehr richtig gesehen.
Sich immer wieder neu kennenzulernen,
Das ist ein Geschenk und auch ein Risiko.
Denn vielleicht zeigt er andere Seiten,
Die wir nicht erwartet haben.
Und vielleicht verändert sich da etwas.
Aber genau das ist ja die Beziehung,
Ein lebendiger Prozess.
Kein ewiges so ist es und so bleibt es,
Sondern ein ständiges sich wieder aufeinander beziehen.
Und hier kommt der Impuls für deine Beziehung.
Frag deinen Beziehungsmenschen doch mal,
Was beschäftigt dich gerade wirklich?
Oder von was wünschst du dir mehr in unserer Beziehung?
Oder wenn du es pragmatischer magst,
Auf einer Skala von 0 bis 10,
Wenn 10 unterirdisch schlecht ist und 10 so toll,
Wie du dir Beziehungen nur vorstellen kannst,
Wo fühlst du dich gerade mit uns und unserer Beziehung?
Und was bräuchtest du,
Um dich etwas besser zu fühlen?
Was fehlt dir?
Und dann teil das doch mal von dir selbst mit.
Ich weiß sehr genau,
Das ist ein empfindsames,
Sensibles Gelände.
Man kann da etwas zu hören bekommen,
Was einem nicht gefällt,
Was einen verunsichert.
Aber das kann auch der Anfang werden eines ganz wunderbaren Gesprächs,
Und zwar eines echten Gesprächs und allein,
Dass man das macht,
Verbindet.
Und dann hör mal zu,
Trau dich,
Mit offenem Herzen,
Ohne sofort etwas abzuwehren oder eine Lösung parat zu haben.
Wir alle lieben es,
Wenn sich wirklich jemand echt interessiert für das,
Was wir sagen wollen.
Zuhören und echtes Interesse ist ein riesen Geschenk und es ist ganz wunderbar,
Um eine Verbindung wieder aufzunehmen.
Und hier habe ich noch eine kleine Übung für dich mitgebracht.
Schließ mal deine Augen,
Natürlich nur,
Wenn es gerade geht,
Und stell dir ein Band aus Licht vor,
Das zwischen dir und deiner Partnerin oder deinem Partner verläuft.
Dieses Band aus Licht,
Das ist das Symbol für eure emotionale Verbindung.
Kannst du sie sehen oder spüren?
Wie empfindest oder siehst du das,
Dieses Band,
Sein Leuchten?
Ist es stark oder schwach,
Brüchig oder stabil?
Nimm es einfach wahr,
Ohne es zu bewerten oder verändern zu wollen.
Und wenn es nicht so ist,
Wie du es dir wünschst,
Dann frag dich doch mal,
Was passieren müsste,
Damit es stärker wird,
Sicherer,
Leuchtender.
Ich bin gespannt,
Was du dabei herausfindest.
Ich wünsche dir tiefe Erfahrungen,
Alles Liebe,
Deine Claudia.
Treffen Sie Ihren Lehrer
Ähnliche Meditationen
Trusted by 35 million people. It's free.

Get the app
