
Der Traum des Bettlers | Einschlaf-märchen & Meditation
Eine entspannende Abendroutine (geführte Meditation mit Tagesreflexion) und eine Geschichte zum Einschlafen aus der Mongolei Ein junger Bettler träumt, er wäre König und Herrscher der Mongolei. Alle seine Wünsche gehen in Erfüllung. Doch, kann jemand wirklich wunschlos glücklich sein? Die Abendroutine vorne weg enthält eine Meditation, Dankbarkeit-Praxis und Tages-Reflexion zur feierlichen Verabschiedung des Tages. Meine mit Musik und Klängen untermalten Einschlaf-Geschichten sind für Kinder und Erwachsene geeignet - einfach für alle, die mit sanfter Stimme und friedlichen Hintergrundtönen freundlich und liebevoll in den Schlaf begleitet werden möchten.
Transkription
Der Traum des Bettlers.
Eine Geschichte aus der Mongolei.
Mach es dir in deinem Bett richtig schön gemütlich.
Rückel dich nochmal ein wenig zurecht.
Wenn du möchtest,
Dann kannst du dich auch nochmal recken und strecken.
Atme dabei tief ein und aus.
Und dann finde Ruhe.
Schließe deine Augen.
Und komme an.
Beobachte deinen Atem.
Das sanfte Ein- und Ausströmen deiner Atemluft.
Spüre,
Wie sich dein Oberkörper bei jedem Atemzug ausdehnt.
Und lasse dich bei jedem Ausatmen noch ein bisschen mehr.
In die Matratze sinken.
Ganz schwer,
Gemütlich,
Entspannt.
Wenn du möchtest,
Dann lege doch nochmal eine Hand auf dein Herz.
Spüre dich,
Deinen Atem,
Deinen Herzschlag.
Das bist du am Ende dieses einzigartigen Tages.
Schenke deinem Körper einen Gedanken der Wertschätzung.
Dafür,
Dass er so wunderbar funktioniert.
Und dann nimm nochmal einen tieferen Atemzug.
Lege deine Hand wieder neben dich.
Und spüre,
Wie eine Decke der Entspannung sich ganz sanft über dir ausbreitet.
Und ganz nebenbei kannst du nochmal die Bilder des Tages betrachten,
Vor deinem inneren Auge vorbeiziehen lassen.
In der nächsten Minute.
Wie hat der Tag heute begonnen?
Was ist passiert?
Was hast du heute erlebt?
Dann schau doch nochmal,
Was heute besonders schön war,
Besonders angenehm,
Was dich vielleicht besonders berührt hat und wofür du besonders dankbar bist.
Lasse die Bilder der Dankbarkeit und des heutigen Tages sich auflösen.
Und stell dir vor,
Du reist durch eine wunderschöne Abendlandschaft.
Vielleicht mit dem Zug oder mit einem anderen Gefährt deiner Wahl.
Blickst ganz entspannt nach draußen und siehst,
Wie die Welt an dir vorbeifährt.
Ganz ruhig und gleichmäßig.
Es ist alles da.
Auch morgen noch.
Für dich gibt es nichts weiter zu tun,
Als zu entspannen.
Und nach und nach einfach einzuschlafen.
Nebenbei lese ich dir eine Geschichte vor,
Von einem Bettler und dessen Traum.
Eine Geschichte,
Die sich vor langer,
Langer Zeit in einem fernen,
Fernen Land zugetragen hat.
Wohlig gebettet auf einer rosaweichen Wolke war der junge Bettler seinem harten Lager entwichen und schwebte über allem Irdischen wie ein junger Gott.
Nun war er jeder Sorge enthoben,
Denn seine Wünsche waren fortan dem Schicksal Befehl.
Er wünschte sich,
Der Kaiser Asiens und der Beherrscher aller Mongolen zu sein.
So schaute er von oben hinab und suchte den Palast des jungen Bushangis Khan,
Des glücklichsten aller Kaiser.
Als er ihn endlich gefunden hatte,
Gefiel es ihm,
Sich zu wünschen,
Dort unten an den Stufen des Glückes zu sitzen.
Also saß der junge Bettler in seine Lumpen gehüllt auf der Treppe des Palasts und streckte nach alter Gewohnheit seine Hand aus,
Um zu betteln.
Man achtete nicht auf ihn.
Eine Schar der schönsten jungen Männer mit den längsten und seidigsten Zöpfen des Mongolenreichs in goldgestickten Drachengewändern umlagerte das Tor und wartete auf die Wahl der schönen Thronerbin Nukada.
Endlich erschien sie,
Schön wie die Ranke eines Tempelgewächses,
Mit einem kleinen Seidenball,
Den sie dem Auserwählten zuwerfen sollte.
Die stolze Nukada aber mochte keinen von diesen geschmückten Affen und warf den Ball ins Leere.
Er fiel wie durch Zufall in die Hand des Bettlers.
Ein Wehklagen an,
Aber der Ball war gefallen und der kaiserliche Spruch war besiegelt.
Man umhängte den Bettelsmann mit prächtigen Kleidern und gab ihm die kaiserliche Tochter Nukada zur Frau.
Einige Tage nach diesem Ereignis starb der Kaiser Wushangis Khan aus Kummer über all dieses Ungemach.
Und wirklich wurde nun der Bettler Kaiser von Asien und der Herrscher über alle Mongolen.
Wehe dem,
Der wunschlos ist,
Sagte der weise Lao Tse.
Der Bettler aber besaß alles,
Er hatte keine Wünsche mehr und er wurde unglücklich.
Draußen vor dem Tor aber stand das Wort Glück in großen goldenen Lettern geschrieben.
Darum hieß es nun nach außen hin,
Das Gesicht wahren.
Aber das wunschlose Leben im Überfluss wurde immer unerträglicher und der Bettler beschloss zu fliehen.
Als er sich nun eines Nachts heimlich davon machen wollte,
Um sich diesem scheinbaren Glück zu entwinden,
Wurde er entdeckt und es gab einen heftigen Kampf.
Mit übermenschlichen Kräften riss sich unser Bettler los und machte einen tollkühnen Sprung durch die Wölbung eines Fensters ins Freie.
Unten im Schatten der Mauer wurde er am Arm gepackt und gewaltig geschüttelt.
Der Bettler erwachte aus seinem Traum.
»Ans Betteln,
Du Faulenzer!
« hörte er die Stimme seines Vaters,
Des alten Bettlers,
Der ihn unsanft von seinem harten Maisstrohlager zog,
Auf dem er geschlafen hatte wie auf Wolkenkissen.
Der junge Bettler murrte nicht.
Er ging leichten Schrittes zur Hütte hinaus an die Bettlerarbeit.
Und er freute sich,
Dass er nicht der Kaiser Asiens und der Herrscher über alle Mongolen war.
Und wenn er nicht gestorben ist,
So lebt er heute,
Glücklich und zufrieden.
Und dir wünsche ich eine gute Nacht und schöne Träume.
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