57:20

Tyron Rickets - von der Kunst ein erfülltes Leben zu führen

by Yousef Hammoudah

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Ein Gespräch mit Tyron Ricketts, aufgenommen im Rahmen meiner Recherchen zu meinem Buch "Die Sieben Säulen des Seins" und jetzt als Episode des Podcasts "The Beautiful Mind" verfügbar. Nach 1,5 Jahren Pause geht es endlich weiter – nicht, weil ich untätig war, sondern weil viel passiert ist: Ich bin zum zweiten Mal Vater geworden, habe mein zweites Buch geschrieben und eine neue berufliche Herausforderung als Direktor von Fotografiska Berlin übernommen. In "Die Sieben Säulen des Seins" teile ich Strategien und Methoden, die mir helfen, auch in intensiven Zeiten den Moment zu genießen. In dieser Episode spreche ich mit Tyron Ricketts, der als leidenschaftlicher Surfer und Experte für Lebensmissionen perfekt zur sechsten Säule meines Buches passt: der eigenen Lebensmission. Ein inspirierender Austausch, der dazu ermutigt, die eigene Welle zu reiten und dabei die Balance zu finden.

Transkription

Nicht hungern,

Nicht dürsten,

Keinen Schmerz leiden und wenn man die nächsten paar Tage davon ausgehen kann,

Dass es auch so bleibt,

Dann kann man sich selbst mit den Göttern Glück messen.

Bei meinem letzten Coaching mit einer Ex-Freundin von mir,

Die Psychologin ist,

Katharina Katerba,

Die mich halt auch persönlich ganz gut kannte,

Die hat mir dann die Frage gestellt,

Wie willst du denn eigentlich leben?

Wie soll denn für dich so ein normaler Dienstag aussehen?

Wie soll denn für dich so ein normaler Samstag aussehen?

Und als ich mir diese ganz banale Frage gestellt habe,

Ist mir klar geworden,

Ich will vielleicht lieber an einem Dienstag morgens mit meinen Jungs boxen gehen oder an einem Samstag vielleicht wandern gehen,

Als dienstags und samstags über meine E-Mails zu hängen oder in irgendeinem Meeting zu sein.

Herzlich Willkommen zur Episode 4 von The Beautiful Mind.

Es hat etwas gedauert,

Genau genommen ca.

1,

5 Jahre,

Bis es hier endlich mit dem The Beautiful Mind Podcast weitergeht,

Aber das liegt nicht daran,

Dass wir faul waren,

Sondern nein,

Im Gegenteil,

Es gab jede Menge zu tun.

In der Zeit seit dem letzten Podcast habe ich einen neuen Job angefangen,

Und zwar als Direktor eines neuen zeitgenössischen Museums für Fotografie,

Kunst und Kultur in Berlin.

Konkret geht es um Fotografiska,

Das ist eine der interessantesten beruflichen Herausforderungen meiner inzwischen fast 30-jährigen Laufbahn,

Und wer mich kennt,

Der weiß,

Wenn ich etwas mache,

Dann mache ich es mit Herz und Seele und fokussiere mich voll und ganz.

In den Monaten vor dem Beginn dieser neuen Aufgabe bin ich nicht nur zum zweiten Mal Vater geworden,

Meine Tochter ist nun fast 2,

5 Jahre alt,

Sondern habe auch dieses zweite Buch geschrieben,

Um das es hier ja auch geht,

Und zwar die sieben Säulen des Seins von der Kunst ein erfülltes Leben zu führen,

Und all die Erkenntnisse,

Strategien,

Methoden und Übungen,

Die ich in diesem Buch zusammengefasst habe,

Die helfen mir auch jetzt und die haben mir auch damals geholfen,

Bei dem ganzen Wahnsinn immer auf der Welle zu bleiben und den Ritt durch das Ungewisse voll und ganz genießen zu können.

Das bringt mich jetzt gleich in zweierlei Hinsicht endlich auch auf den Gast dieser Podcast Episode,

Nämlich zu Tyron Ricketts.

Er ist nicht nur ein sehr begeisterter und inzwischen auch ziemlich guter Surfer,

Das zum Thema Wellenreiten,

Sondern auch ein sehr kompetenter Mensch,

Wenn es um die Arbeit an der eigenen Lebensmission geht.

Und genau für diesen Teil meines Buches,

Also der sechsten Säule des Seins,

Der eigenen Lebensmission,

Habe ich ihn interviewt.

Dieses Interview erscheint hier nun mit etwas Verspätung in Podcast-Form,

Das habe ich auch so im Buch versprochen und versuche jetzt nach viel zu langer Zeit,

Dieses Versprechen einzulösen und in den nächsten Monaten werde ich die Reihe der Interviews aus der Entwicklung dieses Buches fortsetzen.

Da sind einige wirklich tolle Gespräche und Persönlichkeiten dabei,

Die ich euch auf keinen Fall vorenthalten möchte.

Mit Tyron geht es nun los und die anderen Gespräche,

Die alle noch in Rohform auf meiner Festplatte liegen,

Werden folgen,

Unter anderem mit tollen Menschen wie der großartigen Musikerin Elif,

Dem Sportschirurgen und holistischen Orthopäden Puri Taheri,

Dem Modeschöpfer und DJ-Superstar Inan Badman sowie der Professorin Dr.

Judith Mangelsdorf,

Gründerin und Leiterin des Instituts für positive Psychologie in Berlin.

Jetzt habt ihr also schon mal einen kleinen Überblick zur aktuellen Lage und einen Ausblick und nun lasst uns über Tyron sprechen.

Tyron Ricketts ist einer meiner ältesten und engsten Freunde und eine unglaublich vielschichtige intelligente und charismatische Persönlichkeit.

Wer ihn noch nicht kennt,

Der wird ihn heute bei diesem sehr intimen und tiefgehenden Gespräch sehr gut kennenlernen können.

Er wurde 1973 in Österreich geboren,

Steht seit 25 Jahren vor und hinter der Kamera.

Er ist eine der bedeutenden Persönlichkeiten in der deutschen Medienlandschaft und Gründer sowie Geschäftsführer von Pentertainment,

Seiner Produktionsfirma.

Seine vielseitige Karriere begann mit der Produktion und Moderation der Hip-Hop-Sendung World Cup auf Viva TV in den 90er Jahren und mit Projekten wie dem preisgekrönten Film Afrodeutsch auf dem Sundance Festival unter anderem und seinen charterfolgreichen Musikprojekt Mellowback und Weltenreiter verband er frühzeitig Entertainment mit politischen Botschaften.

Vielleicht kennt ihr ihn auch als Schauspieler,

Da hat er in bekannten Filmen wie Bunte Hunde und Connecticut mitgespielt sowie in zahlreichen Serienproduktionen wie Soko Leipzig,

Dogs of Berlin und Sam ein Sachser.

Mit über 70 Einträgen bei IMDb zählt er zu den erfolgreichsten schwarzen Schauspielern Deutschlands und darüber hinaus engagiert er sich aktiv für die deutsche Bundesregierung in der Realisierung von Integrationsprogrammen wie Respekt 2010 und Heimat Almania.

Nach einem vierjährigen Aufenthalt in den USA,

Wo er Einblick in das internationale Filmgeschäft gewann und für Harry Belafonte Social Media Strategien gegen Rassismus entwickelte,

Kehrte Tyron 2017 nach Deutschland zurück.

Von Berlin aus produziert er Filme und Serien mit Fokus auf People of Color für den globalen Markt.

Als Vorreiter für Diversität in der Branche gründete Tyron seine eigene Produktionsfirma Pantertainment,

Die POC-Narrative in den Fokus rückt und international erfolgreich realisiert.

Mit seinem Schaffen als Produzent,

Autor und Schauspieler zeichnete er sich für das erste deutsche Disney-Plus-Original Sam ein Sachse verantwortlich.

Neben seiner Tätigkeit vor und hinter der Kamera setzte er sich aktiv für mehr Diversität in deutschen Film- und Fernsehproduktionen ein.

Seine außergewöhnliche Leistung wurde erst vor zwei Wochen mit dem wichtigsten aller deutschen Medienpreise,

Dem Grimme-Preis,

Gewürdigt.

Und zwar für Sam ein Sachse.

Tyron ist eine inspirierende Persönlichkeit und ein Botschafter für den Wandel in der deutschen Medienlandschaft und umso glücklicher bin ich natürlich,

Ihn hier zu haben als Gast bei The Beautiful Mind.

Tyron,

Schön,

Dass du dabei bist,

Vielen Dank,

Dass du dir die Zeit nimmst.

Na klar.

Ich möchte dich heute interviewen,

Um ein bisschen von dir zu lernen und die erste Frage,

Die ich dir stellen möchte,

Ist,

Was bedeutet für dich,

Ein erfülltes Leben zu leben?

Wie sieht das aus?

Ich glaube,

Meine Beschreibung von einem erfüllten Leben beinhaltet,

Gesund zu sein.

So wie Epicur sagt,

Nicht hungern,

Nicht dürsten,

Keinen Schmerz leiden und wenn man die nächsten paar Tage davon ausgehen kann,

Dass es auch so bleibt,

Dann kann man sich selbst mit den Göttern im Glück messen,

Hat er gesagt.

Dann ist mir wichtig,

Dass ich Zeit und Raum habe für Liebe und Freundschaften und mir ist wichtig,

Dass ich mich kreativ ausdrücken kann,

Dass ich meiner Mission Raum und Energie geben kann und der folgen kann,

Dass ich das Gefühl habe,

Auch in der Zeit,

In der ich hier bin,

Eine Selbstwirksamkeit zu haben und Freizeit,

Also für den ersten Abschnitt,

Also Gesundheit,

Ist mir auch wichtig,

Dass ich Zeit habe für mich,

Dass ich nicht fremdbestimmt bin,

Sondern dass ich selbst entscheiden kann,

Wie ich meine Zeit einteile,

Wann ich arbeiten möchte und wann ich relaxen will oder reisen will oder surfen will.

Gibt es irgendwas in diesen verschiedenen Elementen,

Die du gerade erwähnt hast,

Die für dich eine besonders wichtige Rolle spielen,

Die relevanter sind als andere?

Finden die alle auf derselben Ebene statt?

Was so das Gefühl zum Liebesleben angeht,

Da musste ich eine Zeit lang üben und lernen.

Das hat bei mir ein bisschen länger gedauert,

Bis ich das so richtig hinbekomme,

Weil ich da leider nicht so einen guten Blueprint hatte aus meiner Kindheit.

Den musste ich erstmal verlernen und dann wieder neu lernen.

Jetzt bin ich mittlerweile 48 Jahre alt und habe das Gefühl,

Dass ich es jetzt langsam verstanden habe.

Also da bin ich vielleicht nicht der Richtige,

Um Tipps zu geben.

Aber was das andere angeht,

Ich glaube,

Das Wichtigste ist,

Aus meiner Perspektive eben wirklich selbst Kontrolle darüber zu haben,

Wie man seine Zeit einteilen kann,

Weil ich glaube,

Das ist eine wichtige Grundvoraussetzung dafür,

Um ja auch deinen eigenen Rhythmus zu finden und deine eigene Einteilung machen zu können.

Wenn dir immer ein anderer sagt,

Du musst dann und dann im Büro sein oder du musst so und so viel machen oder das sind die Ziele,

Die du erreichen musst,

Dann bleibt dir ja nur selbst ganz wenig Zeit,

Dir den Rest einzuteilen.

Das musst du dann irgendwie drumherum squeezen.

Und wir leben ja auch in einer Gesellschaft,

Wo Leistung und ja auch Erfolg und auch dann so eine monetäre Darstellung davon ist ja hier sehr viel wichtiger als in anderen Ländern.

Also wenn man viel reist,

Dann sieht man Länder,

Wo die Menschen sehr viel mehr Fokus drauf legen,

Irgendwie gemütlich zusammenzusitzen oder irgendwie sich einen Sonnenuntergang anzugucken.

Das haben wir hier ein bisschen verloren und darum glaube ich,

Ist es gerade in so Gesellschaften wie der unseren ja wichtig,

Dass man eben nicht fremdgesteuert ist.

Wie weit bist du von dieser Idee eines perfekten,

Erfüllten Lebens entfernt?

Also wenn wir davon ausgehen,

Dass es ja nie perfekt gibt und wenn wir wissen,

Dass die Zeit wie ein Fluss ist und nicht stehen bleibt,

Also man ist ja auch nie hundertprozentig gesund,

Man kann ja immer nur einen gewissen Prozentsatz erreichen,

Aber so im Querschnitt würde ich schon sagen,

Dass ich eigentlich so seit ich Mitte,

Ende 20 bin,

So einen ganz guten Flow habe,

Was diese Aufteilung angeht.

Also jetzt in älteren Jahren zunehmend eben auch im privaten Bereich,

Aber was so die Balance angeht zwischen Arbeit,

Relaxen und Spaß zu haben an der Arbeit und das zu machen,

Was mir wirklich Spaß macht,

Das hatte ich eigentlich schon relativ früh raus,

Finde ich,

Und bringe das jetzt so langsam zur Meisterschaft.

Also ja,

Ich bin eigentlich ganz zufrieden,

Wie es gerade läuft.

Das freut mich sehr für dich.

Ich kriege das ja auch schon eine ganze Zeit lang mit und finde auch,

Dass du dich in den letzten Jahren zu einer sehr ausgeglichenen Seele entwickelt hast,

Was ich sehr bewundernswert finde,

Weil davon gibt es hier nicht viele.

Wann warst du das letzte Mal so richtig down,

Leer,

Traurig,

Schwer,

Das Gegenteil von erfüllt?

Das letzte Mal,

Wo ich mich so gefühlt habe,

War tatsächlich nicht in einer Zeit,

Wo ich so viel zu tun hatte.

Ich habe jetzt die letzten eineinhalb Jahre auch viel mehr zu tun als sonst,

Weil ich produziere gerade eine große Serie für Disney Plus.

Da bin ich Creator,

Autor,

Executive Producer und spiele mit.

Und das ist schon eine ganze Menge und ich wusste vorher nicht,

Wie viel Arbeit das ist.

Dann gibt es parallel dazu noch andere,

Ein bisschen Lobbyarbeit,

Ein bisschen Politik und ab und zu noch mal ein paar Moderationsjobs oder Schauspieljobs.

Also ich habe jetzt gerade schon richtig viel zu tun und es ist mir auch ein bisschen zu viel,

Aber es bringt mich nicht aus dem Gleichgewicht.

Ich meckere zwar manchmal,

Aber ich bin trotzdem nicht aus dem Gleichgewicht.

Das letzte Mal,

Wo ich richtig aus dem Gleichgewicht war,

War in einer Situation,

Wo es sich gegenteilig dazu verhalten hat.

Und zwar war ich da in New York.

Das war so das letzte halbe Jahr meiner fünf Jahre,

Die ich in den Vereinigten Staaten verbracht habe.

Und im letzten halben Jahr war mein Arbeitsvisum ausgelaufen in New York und ich hatte einfach unheimlich viel Zeit,

Aber keine Möglichkeit,

Für mich diese Zeit in so eine Selbstwirksamkeit umzuwandeln,

Weil ich durfte nicht arbeiten,

Durfte kein Geld verdienen,

Also rein steuerlich gesehen.

Und der Tag war einfach unendlich lang und ich hatte schon alles fotografiert,

Was man fotografieren kann in New York und ich habe auch Sport gemacht und so,

Aber ich hatte einfach keine Chance,

Meine Ideen in was Handfestes umzuwandeln.

Und das hat mich richtig in so eine kleine Depression gestürzt.

Ich habe dann gemerkt,

Wie ich unglücklich geworden bin und keine Lust mehr hatte aufzustehen.

Da war ich überhaupt nicht glücklich und sehr aus meiner Mitte raus.

Und wie ist es dir gelungen,

Aus diesem Loch wieder herauszukommen?

Ich bin umgezogen.

Also ich wusste,

Entweder ich muss schauen,

Dass ich in der Situation,

In der ich mich damals befand,

Wieder selbstwirksam werde.

Das hätte aber nur funktioniert,

Indem ich entweder ein neues Arbeitsvisum beantragt hätte oder eben eine Greencard beantragt.

Aber da war mir und meiner damaligen Freundin schon klar,

Dass wir eigentlich wieder gerne zurück nach Deutschland kommen wollen.

Und das haben wir dann auch gemacht.

Und dann war ich in relativ kurzer Zeit wieder in einem Umfeld,

Das mir auch erlaubt hat,

Dass aus meinen Talenten und aus dem,

Was ich gerne machen möchte,

Dass die auch auf einen dementsprechenden Nährboden gefallen sind,

Dass daraus auch was entstehen kann.

Würdest du also sagen,

Dass die berufliche Neuorientierung in einem eher beheimateten,

Bekannten Umfeld es für dich leichter gemacht hat,

Aus dieser emotionalen Tiefe herauszukommen?

Nein,

Es ist gar nicht so sehr das Beheimatete.

Sondern das wäre ja in den Vereinigten Staaten auch möglich gewesen,

Aber ich hatte nicht die Legal Requirements dazu.

Aber ich glaube schon,

Und das hat sich bei mir auch relativ früh schon bewahrheitet,

Dass du den Talenten,

Die du hast,

Und den Wünschen,

Die du hast,

Du musst denen auch das richtige Umfeld geben,

Damit die erfolgreich werden können.

Also wenn ich in Aachen geblieben wäre,

Wo ich mein Abitur gemacht habe,

Dann wäre es mir sicherlich schwerer gefallen,

Dann zu Beginn meines Berufes,

Ich habe Grafikdesign studiert,

Ging nur bedingt in Aachen,

Das ging dann besser in Köln,

Und auch die Arbeit in diesem Feld,

Da wäre Aachen auch nicht das Richtige gewesen.

Das Gleiche gilt für meine Hobbys,

Die ich damals hatte.

Ich war so stark beeinflusst von der Hip-Hop-Kultur,

Da war Aachen nicht das richtige Pflaster.

Wir haben zwar trotzdem eine eigene Band gehabt und haben Auftritte gemacht,

Aber das ist nicht auf fruchtbaren Boden gefallen.

Als ich dann nach dem Abitur nach Frankfurt gezogen bin,

Wo Hip-Hop halt zu dem Zeitpunkt groß war,

Gab es viel mehr Spielraum aus meinen Talenten,

Was zu machen.

Gleiches gilt dann für das Film- und Fernsehbusiness,

Wo Köln mehr Sinn gemacht hat.

Also mir war immer klar,

Dass um das machen zu können,

Was ich machen will,

Muss ich auch in einem Umfeld sein,

Das das unterstützt.

Und ich habe mich auch nie gescheut,

Dann diese Schritte zu gehen,

Auch wenn das anfänglich erst mal unbequem ist und man sich dann wieder neu reinfuchsen muss in so eine neue Situation.

Würdest du sagen,

Dass dein inneres Wertesystem im Einklang stehen muss zu dem Umfeld,

In dem du dich befindest,

Damit du erfolgreich sein kannst?

Ja und nein.

Also ich glaube,

Man kann,

Gerade wenn man frei arbeitet,

So wie ich,

Kann man in unterschiedlichen Umfeldern ja trotzdem seine eigene Geschichte schreiben.

Das geht nicht,

Wenn man in festen Strukturen arbeitet,

Aber wenn man sowieso eigene Strukturen schafft,

Dann geht das auch in Umfeldern,

Die vielleicht nicht diesem eigenen moralischen Kompass entsprechen,

Weil du bist ja nicht gezwungen,

Es so zu machen.

Das gilt aber nicht immer.

Also ich habe gemerkt,

Als ich zum Beispiel in Amerika versucht habe,

Da als Schauspieler Fuß zu fassen,

Habe ich gemerkt,

Dass meine Sichtweise der Welt nicht konform geht,

Wie viele Amerikaner die Welt sehen.

Und da ich hauptsächlich für Rollen angefragt war,

Wo ich hätte einen Amerikaner spielen müssen,

Habe ich einfach so einen inneren Widerstand dagegen verspürt.

Und je mehr ich die Kultur verstanden habe,

Desto weniger konnte ich mich als jemand,

Der in Europa sozialisiert wurde,

Damit identifizieren und habe dann irgendwann für mich gesehen,

Okay,

It's a nice place to visit,

But I wouldn't want to live here much longer.

Das war auch ein Grund,

Warum ich gesagt habe,

Nee,

Da sind mir andere Dinge wichtiger als das,

Was in Amerika möglich ist und geboten wird.

Gab es mal den Moment,

Wo du dich über dich selbst gefragt hast,

Was für Werte dir wichtig sind?

Hast du dir mal aufgeschrieben,

Dir irgendwelche Übungen gemacht,

Um das herauszufinden?

Ich glaube,

Ich hatte solche Situationen öfters,

Wenn ich an einem Punkt war,

Wo das,

Was ich mache,

An so einer Schwelle steht,

Sehr viel erfolgreicher zu werden.

Und das hatte ich schon öfters,

Dass ich Dinge gemacht habe,

Die wurden dann irgendwann sehr erfolgreich.

Und dann kommt man ja an den Punkt,

Will man wachsen und diese Opportunität eben noch ausbauen?

Und an diesem Punkt habe ich mir oft die Frage gestellt,

Und da haben wir ja auch schon öfters drüber geredet,

Will ich das eigentlich?

Weil,

Wenn es wächst,

Bedeutet es für mich mehr Verantwortung,

Es bedeutet im Zweifelsfall mehr Arbeit,

Es bedeutet damit,

Oder zumindestens ist das meine Angst,

Weniger Freiheit.

Und da kommt bei mir tatsächlich immer wieder der Punkt,

Wo ich mich dann frage,

Will ich das denn überhaupt?

Und da haben wir schon Gespräche drüber geführt,

Ich habe aber auch schon das eine oder andere Coaching gemacht dazu und bei meinem letzten Coaching mit einer Ex-Freundin von mir,

Die Psychologin ist,

Katharina Katerba,

Die mich halt auch persönlich ganz gut kannte,

Die hat mir dann die Frage gestellt,

Wie willst du denn eigentlich leben?

Wie soll denn für dich so ein normaler Dienstag aussehen?

Wie soll denn für dich so ein normaler Samstag aussehen?

Und als ich mir diese ganz banale Frage gestellt habe,

Ist mir klar geworden,

Ich will vielleicht lieber an einem Dienstag morgens mit meinen Jungs boxen gehen oder an einem Samstag vielleicht wandern gehen,

Als dienstags und samstags über meinen E-Mails zu hängen oder in irgendeinem Meeting zu sein.

Und das hat mir dann geholfen,

Eine Entscheidung zu treffen,

Die eher in die kleinere Richtung geht,

Also lieber independent bleiben,

Lieber das machen,

Was ich wirklich machen will,

Da mein ganzes Herzblut reinzustecken und nicht zu sehr von äußeren Zwängen oder von äußeren,

Ja,

Zwängen passt schon,

Die man sich dann aufgeheizt hat definieren zu lassen.

Ich finde die Klarheit darüber,

Was du brauchst,

Um erfüllt zu sein,

Sehr bewundernswert.

Das ist,

Wie schon gerade eben gesagt,

Nicht sehr weit verbreitet.

Ich persönlich würde mich auch zu den Menschen zählen,

Die,

Wenn sie eine Möglichkeit bekommen,

Erfolgreich zu sein,

Da sehr stark rein investieren und dann auch bereit sind,

Viele Opfer zu machen,

Um dann irgendwann festzustellen,

Dass die Erfüllung nie in der Perfektion einer einzigen Sache liegt.

Also wenn man jetzt im Beruf besonders erfolgreich ist,

Dann ist die Wahrscheinlichkeit,

Dass man dann ein erfülltes Leben führt,

Eher klein,

Wenn man die anderen Bereiche eines Lebens nicht so verstanden hat für sich,

Wenn man keine liebestiftenden Beziehungen pflegt.

Dann ist man erfolgreich auf dem Papier im Hinblick auf seinen Job,

Aber nicht wirklich im Sinne des erfüllten Lebens.

Und wenn man dann besonders viel Sport macht und dabei dann beruflich nicht weiterkommt,

Genauso.

Oder wenn man sich in irgendwelche Beziehungen flüchtet,

Die dann irgendwann mal auch alles einnehmen.

Aber zurück zu der Frage,

Was denn der Teil des Berufes,

Der dich glücklich macht oder der dich erfüllt,

Was den denn ausmacht?

Was bedeutet denn für dich beruflicher Erfolg?

Also ich wollte erst noch mal kurz was dazu sagen,

Was du eben gesagt hast.

Die Frage ist halt wirklich,

Wie definiert man Erfolg?

Darum wird es ja auch in deinem Buch ein bisschen gehen.

Für mich ist halt ganz klar Erfolg nicht nur beruflicher Erfolg,

Weil dann bleibt halt viel auf der Strecke und das macht mich dann unglücklich.

Gerade in meinem Beruf ist das schwierig,

Weil ich sehe mich ja ein bisschen als,

Wenn ich so einen zusammenfassenden Begriff wählen müsste,

Sehe ich mich ein bisschen als Change Agent.

Und das versuche ich durch unterschiedlichste Formen von Storytelling.

Ob das jetzt als Moderator von einer eigenen Sendung ist,

Die ich selbst produziere oder als Rapper oder als Schauspieler oder als Autor oder als Produzent,

Erzähle ich ja immer Geschichten und bei meinen Geschichten ist es mir wichtig,

Dass die auch immer auf die eine oder andere Weise transformatorische Prozesse in unserer Gesellschaft auch antreiben.

Ich habe als schwarzer deutscher Mann Rassismus und Ungerechtigkeit,

Diskriminierung kennengelernt und versuche eben durch meine Geschichten da teilweise positive Vorbilder zu geben,

Wie man es besser machen kann,

Teilweise vielleicht den Finger in die Wunde zu legen,

Wie man es nicht mehr machen soll.

Und das ist ja immer ein kreativer Prozess.

Und um kreativ zu sein,

Brauche ich eine gewisse Freiheit.

Da brauche ich eine gewisse freie Zeit zur Verfügung,

Weil ich kann Kreativität nicht erzwingen.

Ich kann nicht sagen,

Ich setze mich um 10 Uhr morgens hin und schreibe.

Es gibt Menschen,

Die können das,

Aber ich brauche einfach ein bisschen Müßiggang.

Und wenn ich den habe,

Dann küsst mich die Muse dann auch von allein.

Nicht immer,

Aber definitiv tut sie es nicht,

Wenn ich die ganze Zeit gestresst bin.

Das geht nicht.

Um konkret auf deine Frage zu antworten,

Beruflicher Erfolg ist für mich wirklich,

Selbstwirksam zu sein,

Also das zu machen,

Was ich machen möchte,

Damit einen größtmöglichen Input zu schaffen,

Im Idealfall nicht nur für mich,

Sondern auch für andere Menschen und für die Gesellschaft und das mit einem überschaubaren Maß an Arbeit und trotzdem dabei so viel Geld zu verdienen,

Dass ich mir die Freiheiten gönnen kann,

Die ich brauche.

Also auch wieder eine schöne Balance,

Der Luxus der Freiheit,

Verschiedene Lebensbereiche in so einen Zustand der Wirksamkeit zu bringen,

Der Schönheit,

Der Entspannung,

Des Genusses.

Womit wir bei einem ganz spannenden Punkt wären,

Nämlich dem in diesem Spannungsfeld von der eigenen Vision von uns selbst und dem Moment,

In dem viele von uns stecken bleiben,

Weil sie immer nur fest hängen in dieser Idee,

Morgen wird dann alles gut,

Morgen kommt dann der Job,

Morgen fängt dann der Urlaub an,

Morgen ist das Gehalt besser.

Oft ist es so,

Dass wir dabei ganz vergessen,

Dass wir ständig in so einem Morgen-Dogma hängen und dabei das Jetzt oft übersehen.

Welche Rolle spielt für dich das Thema Achtsamkeit als Treiber für Entscheidungen,

Die du für dein Leben triffst?

Das ist ganz spannend.

Ich mag die Frage.

Für mich ist irgendwann diese Wenn-Dann-Dynamik,

Die kenne ich auch von früher,

Also wenn ich mal zu Ende studiert habe,

Die hat bei mir irgendwann aufgehört.

Ich glaube zum einen mit zunehmendem Alter,

Also irgendwann merkst du,

Dass dieses Wenn-Dann,

Dass das auch ein bisschen wie die Karotte vor der Nase ist,

Wo man immer hinterher rennt.

Und irgendwann merkst du so,

Warte mal,

Ich war jetzt noch vor kurzem 20,

Jetzt bin ich aber 30,

40,

Dann merkst du,

Wie dieser Wenn-Dann-Gedanke wird halt dann irgendwann auch deutlich,

Dass das auch so eine Illusion ist.

Mich war dann irgendwann klar,

Wenn ich irgendwas will,

Dann ist nicht dann der Zeitpunkt,

Sondern dann ist jetzt der Zeitpunkt,

Das zu machen.

Und das hat mir geholfen,

Vielleicht auch spontane Entscheidungen zu treffen oder auch Risiken einzugehen,

Die man normalerweise vielleicht nicht eingehen würde.

Also zum Beispiel mit Ende 30 nach L.

A.

Zu gehen und sich da die Filmwelt anzugucken,

Klingt erstmal nicht so vielversprechend,

Aber die Chance war da und ich habe dann halt nicht lange gefackelt und die Chance genutzt.

Also das hat sich irgendwann bei mir tatsächlich von alleine verabschiedet,

Was mir vielleicht dabei geholfen hat.

Ich war mit Anfang 20,

Hatte ich eine von der Schulmedizin diagnostizierte Hüftarthrose und dann hieß es,

Ich soll mir schon mal ein künstliches Hüftgelenk aussuchen.

Hatte aber glücklicherweise einen anderen Arzt noch aufgesucht,

Der Schulmedizin mit auch anderen Heilmethoden gemischt hat,

Also in dem Fall auch traditioneller chinesischer Medizin und der hat mich dann zu einem Qigong-Lehrer geschickt,

Alten Chinesen in Köln,

Xiong Choua hieß der und ich habe dann bei dem Tai Chi Qigong gemacht und nicht nur war nach einem Jahr die Hüftarthrose weg,

Die laut Schulmedizin eben nicht heilbar ist,

Sondern ich habe von dem halt auch gelernt,

Es gibt im Leben 50 Prozent aller Dinge,

Die du durch das Aufwenden,

Durch den Einsatz von Energie erreichen kannst,

Aber es gibt eben auch genauso viele Dinge,

Die du nicht erzwingen kannst.

Also er meinte dann zu mir so,

Manchmal muss man warten,

Bis die Frucht vom Baum fällt,

Da kannst du so viel stampfen und gegen den Baumstamm treten,

Wie du willst,

Das passiert einfach nicht.

Das hat meine Sichtweise auf wenn,

Dann auch verändert.

Also mir war klar,

Manchmal muss man einfach sein und die Dinge sein lassen,

Im wahrsten Sinne des Wortes.

Und das hat mir super viel Balance und Mitte gegeben und hat so ein bisschen den Druck auch rausgenommen aus diesem Red Race,

Aus diesem Hamsterrad.

Zusammen mit so ein,

Zwei Erfahrungen noch auch im meditativen Bereich,

Also ich habe zweimal Vipassana Meditation gemacht,

Wo ich mit unglaublichen Erkenntnissen rausgekommen bin,

Auch was meine eigene Getriebenheit angeht,

Weil ich war so Mitte 20,

War ich auch Power,

Vollgas,

Vollgas,

Bis ich dann irgendwann nicht mehr konnte.

Ich erinnere mich,

Ich stand irgendwann im Studio von meiner Band Mellowback und ich hatte parallel halt noch meine Firma Pentertainment,

Wo wir eine Sendung produziert haben,

Wir hatten die erste Modelagentur für schwarze Models und Schauspieler in Deutschland,

Wir hatten Street Teams in ganz Deutschland,

Das war einfach so viel,

Also ich konnte den Hals nicht vollkriegen,

Um diese Möglichkeiten alle auszuschöpfen und war aber dann irgendwann an einem Punkt,

Wo ich so viel zu tun hatte,

Dass mir sogar die Dinge,

Die mir eigentlich Spaß machen,

Eher wehgetan haben.

Ja,

Dann habe ich einfach zwei,

Drei Gänge zurückgeschaltet,

Versuche das jetzt zu dosieren,

Weil auch mir,

Also meine Arbeit,

Aber auch mir,

Meiner Seele und meine Gesundheit das einfach besser tut,

Wenn ich so einen Mittelweg gehe,

50 Prozent Energie,

50 Prozent Dinge sein lassen.

Dazu gehört ja auch eine Menge Geduld,

Die Geduld aufzubringen,

Dinge sein zu lassen,

Zu akzeptieren,

Was meiner Meinung nach ein ganz,

Ganz wichtiger Qualitätsfaktor oder Indikator für Achtsamkeit ist.

Also ja und nein,

Weil wenn du Erfolg eben nicht definierst als Maximale,

Was ich erreichen kann,

Sondern wenn du Erfolg definierst als,

Ich tue was,

Was mir Spaß macht,

Ich verdiene genug,

Um ein gutes Leben zu haben und habe trotzdem noch Zeit für die Menschen,

Die ich liebe,

Dann reicht das ja schon.

Und auch wieder,

Um Epicur zu zitieren,

So nichts genügt dem,

Dem genug zu wenig ist.

Wenn du kein Gefühl dafür hast,

Was für dich gut ist und was für dich genug ist,

Dann bist du ja selbst fast ohne Boden.

Und das war mir relativ früh klar,

Dass mich das einfach nicht glücklich macht.

Und ich habe auch zum Glück so einen eingebauten Indikator,

Dass dann mein Körper mir auch sagt,

Das tut dir nicht gut.

Dann fängt mein Ohr an zu pfeifen oder ich kann nicht gut schlafen oder mir tut irgendwas weh und das macht ja keinen Sinn.

Hast du auch einen eingebauten Indikator für,

Wenn du glücklich bist und erfüllt?

Ich glaube,

Das ist der gleiche.

Wenn ich glücklich und erfüllt bin,

Geht es mir gut.

Es ist mir körperlich gut,

Kann ich gut schlafen,

Habe ich Appetit,

Ist die Verdauung gut.

Unser Körper ist ja nicht getrennt von dem,

Was wir tun oder von dem,

Was wir fühlen und denken.

Es spiegelt das ja oft zurück,

Der manifestiert das.

Das kennt jeder,

Wenn die Schultern verspannt sind,

Das ist oft,

Weil du zu viel Stress hast oder man sagt,

Nicht umsonst,

Das schlägt mir auf den Magen oder es geht mir auf die Nieren oder fällt ein Stein vom Herzen.

Es gibt ja Gründe,

Warum in diesen ganzen Sprichwörtern die Verbindung zwischen Körper und Seele aufgezeigt wird.

Ich glaube,

Wir haben einfach nur verlernt,

Darauf zu hören,

Weil unsere Kultur,

In der wir leben,

Das eben nicht unterstützt.

Und auch nicht die Pharmaindustrie und unsere Medizin,

Die dir nicht sagt,

Lebe ein ausgeglichenes Leben,

Sondern die sagt dir ja,

Oh,

Du hast Sodbrennen,

Nimm das.

Oder,

Oh,

Du kannst nicht schlafen,

Nimm das.

Das ist ja Quatsch.

Das ist ja vorbei an einem richtigen Verständnis,

Was die Balance zwischen Körper,

Geist und Seele angeht.

Was tust du denn regelmäßig oder täglich für ein ausgeglichenes Leben?

Also erstmal mache ich viel Urlaub.

Also ich wirklich,

Und ich sehe das auch als Investition in meinen Erfolg,

Weil ich weiß,

Dass ich das,

Was ich mache,

Besser machen kann,

Wenn ich auch entspannt bin.

Wenn ich diese ausgleichenden Phasen habe zwischen,

Ich habe viel zu tun und ich kann mich aber auch entspannen.

Dann versuche ich regelmäßig Sport zu machen,

Gehe jetzt ungefähr zweimal die Woche boxen,

Im Urlaub gehe ich gerne surfen,

Was mich heilt,

Da viel im Wasser zu sein.

Ich mache jetzt mit meiner Freundin,

Haben wir angefangen,

Yoga zu machen.

Davor habe ich lange Zeit immer wieder Tai-Chi-Qigong gemacht.

Also ich versuche,

Einfach meinen Körper fit zu halten,

Ich versuche,

Nicht zu viele Gifte zu mir zu nehmen.

Also wenn ich irgendwie mal einen Abend mal ein bisschen was trinke,

Das ist okay,

Aber wenn ich das zwei,

Drei Abende mache,

Dann geht es mir auch dann nicht mehr so gut.

Ich versuche mich fernzuhalten von zu harten chemischen Drogen,

Weil ich das nicht gut vertrage.

Mal irgendwie Pilze oder mal so ein Joint,

Das ist total okay,

Aber auch das mache ich halt in Maßen.

Und ich versuche mich von zu viel andauerndem Stress fernzuhalten,

Weil sich das weder gut auf meine Laune,

Noch gut auf meine Gesundheit auswirkt.

Das klingt nach einem sehr,

Sehr ausgeglichenen,

Tollen Programm,

Da kann ich mich sehr gut darin wiederfinden.

Was würdest du denn jemandem sagen,

Der vielleicht nicht so leicht die Möglichkeit hat,

Viel Urlaub zu machen als Einstieg?

Was für Alternativen gibt es denn für die Menschen,

Die das nicht können?

Augen auf bei der Berufswahl.

Also,

Das ist jetzt ernst gemeint.

Ich diskutierte oft mit meiner Freundin und sie sagte,

Ja,

Du hast einfach viel Glück gehabt in deinem Leben,

Dass du das machen kannst,

Was du machst.

Und ich habe sicherlich auch viel Glück gehabt,

Ich glaube aber auch,

Dass ich an manchen Punkten die richtige Entscheidung getroffen habe.

Ich habe damals Design studiert und ich habe mir zwei Dinge gemerkt,

Ein bisschen mehr als zwei,

Aber zwei kommen immer wieder hoch und das eine ist,

Lerne früh zu scheitern.

Das heißt,

Wenn du merkst,

Du bist an einem Projekt und du merkst schon relativ schnell,

Dass dir das keinen Spaß macht oder dass dich das krank macht,

Dann ist das wahrscheinlich nicht das Richtige für dich.

Und im Studium war das bezogen auf,

Wenn du einen Designentwurf hast,

Du merkst,

Okay,

Der ist nicht so richtig geil und auch wenn ich da jetzt noch eine Woche dran rumdoktere,

Wird es halt nicht so richtig geil,

Dann ist es besser,

Das wegzuschmeißen und was Neues anzufangen.

Das war ein Ding,

Lerne früh zu scheitern.

Das zweite Ding war,

Wenn du die Karriereleiter raufkletterst,

Dann achte ab und zu darauf,

An welche Wand diese Leiter gelehnt ist,

Weil es ist sehr,

Sehr schwierig,

Wenn du schon viele Sprossen erklommen hast,

Dann zu sagen,

Ah nee,

Jetzt mache ich ganz was anderes,

Nur weil du dich vielleicht jetzt an den Lebensstandard gewöhnt hast,

Weil du jetzt schon die dritte Gehaltserhöhung bekommen hast.

Trotzdem ist es,

Glaube ich,

Wichtig,

Sich zu fragen,

Ist das eigentlich das,

Was ich wirklich machen will?

Und mir war schon relativ früh klar,

Was ich nicht machen will und ich habe mich relativ früh für die Dinge entschieden,

Die mir wirklich Spaß machen,

Obwohl die vielleicht erst mal nicht so vielversprechend erschienen.

Ich bin aber fest überzeugt davon,

Dass wenn du dich traust,

Das zu tun,

Was dir richtig Spaß macht,

Dass dann auch die Chance,

Dass du in dem,

Was du tust,

Dass du da erfolgreicher bist als andere,

Ist halt viel größer,

Als wenn man sich sein Leben lang durch irgendwas durchquält,

Wo man gar keinen Bock drauf hat.

Da ist man sogar mit viel Anstrengung meistens wahrscheinlich eher mittelmäßig.

Und ja,

Die Entscheidung habe ich früh für mich getroffen,

Hatte vielleicht das Glück,

Eltern zu haben,

Die mir das erlaubt haben.

Die haben gesagt,

Ja,

Mach,

Was du willst,

Aber schau,

Halte dir deine Optionen offen,

Mach trotzdem Abitur,

Studiere trotzdem.

Und eigentlich ziehe ich das durch,

Seit ich so Anfang 20 bin und fahre damit recht gut.

Naja,

So wie du das sagst,

Klingt das ja wie aus einem Playbook.

Mach das,

Was dich glücklich macht und erfüllt und dann wirst du erfolgreich sein,

Um es jetzt mal wirklich so zu verdichten.

Bei vielen Coachings und Gesprächen mit Menschen aus allen Altersgruppen habe ich eine zentrale Erkenntnis gewonnen,

Die größte Herausforderung ist gar nicht das zu machen,

Was man machen will,

Sondern die größte Herausforderung ist herauszufinden,

Was einen glücklich macht.

Wie hast du denn herausgefunden,

Was dir Spaß macht,

Was dein Ding ist?

Gab es da irgendwann mal so einen Moment der Klarheit,

Der Erkenntnis,

Mir macht Filme machen oder Schauspielerei oder Musik Spaß?

Oder kannst du irgendeine Form von Prozess beschreiben,

Der es jedem Menschen ermöglichen würde,

Diese Erkenntnis zu gewinnen?

Wahrscheinlich nicht,

Weil ich hatte das Problem nie.

Vielleicht ist das,

Weil ich 1973 geboren wurde und es noch nicht so viele Möglichkeiten gab wie jetzt.

Auch in der Stadt,

Wo ich auch gewachsen bin,

In Aachen,

Gab es nicht so ein Überangebot von,

Das könnte ich machen,

Dass ich nicht wusste,

Was es ist.

Also ich wusste eigentlich immer,

Wo ich Bock drauf habe.

Das war nicht immer das Gleiche,

Aber sagt ja auch keiner,

Dass man immer das Gleiche machen muss.

Aber ich kann mich nicht an eine Zeit erinnern,

Wo ich nicht gewusst hätte,

Was es ist,

Was ich gerne machen möchte.

Darum weiß ich das nicht,

Nee.

Aber lass uns mal kurz dableiben,

Wenn jetzt mal das,

Wofür du heute stehst,

Nämlich diverse Geschichten zu erzählen in einer Welt,

Die das noch nicht so richtig gelernt hat,

Und zwar auf allen Kanälen,

Mit allen wichtigen globalen Playern,

Die dafür notwendig sind,

Um möglichst viele Menschen zu erreichen,

Dann ist das jetzt nicht unbedingt etwas,

Was jetzt aufgrund des Mangels an Möglichkeiten in Aachen vorhersehbar war.

Das heißt,

Da gab es ja irgendwann mal schon auch so eine Entwicklung,

Die aus dem Jungen,

Der in Aachen aufgewachsen ist,

Dann den Mann gemacht hat,

Der du heute bist.

Was für eine Situation gab es denn,

In der du früh erfolgreich warst,

Oder in der du früh eine Entscheidung getroffen hast,

Die diesen Weg ermöglicht hat?

Als ich wollte,

Ganz als Kind,

Wollte ich Tierpfleger werden,

Im Zoo.

Das war dann später nicht mehr so attraktiv.

Ich habe dann mit 16,

17,

18 habe ich viel gemalt,

Gezeichnet,

Habe so ein bisschen Graffiti gemacht.

Da habe ich mich dafür entschieden,

Dann Design zu studieren,

Habe dann vorm Studium Praktikas gemacht in Werbeagenturen und habe da aber schon gemerkt,

Die tatsächliche Arbeit als Grafikdesigner ist sehr viel weniger kreativ,

Als ich mir das vorgestellt hatte.

Und dann kam dieser Punkt,

Von dem du sprichst,

War eigentlich,

Als Rapmusik in mein Leben gekommen ist.

Und da war die treibende Kraft,

Dass ich zum ersten Mal andere Menschen gesehen habe,

Die so wie ich aussahen und die auch in der Gesellschaft unterprivilegiert waren,

Die aber eine Ausdrucksform gefunden haben,

Die sehr kräftig gewesen ist und die sehr viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat und die auch sehr viel verändern konnte.

Das hat mich total angezogen.

Drum war Rapmusik für mich auf jeden Fall so der Startschuss.

Und ich habe dann auch eine eigene Tanzgruppe gehabt und eine eigene Rapband und habe dann eben diese Rap-Sendung selber gemacht und habe dann gesehen,

Das hat Impact und ich habe gesehen,

Das macht vielen anderen Leuten Mut.

Und das ist natürlich toll,

Wenn du einen Job hast,

Eine Sache machst und du kriegst dann auch noch Feedback von anderen Leuten,

Die dann sagen,

Hey,

Dass ihr das gemacht habt,

Voll super oder Brothers Keepers,

Der Song,

Geil oder Afrodeutsch,

Danke,

Dass das mal jemand gesagt hat.

Das setzt natürlich dann dem Wirken nochmal die Krone auf,

Wenn du merkst,

Du machst das nicht nur für dich,

Sondern auch andere Leute profitieren davon.

Da hatte ich,

Als ich dann in Amerika war,

Nochmal eine sehr,

Sehr spannende Erfahrung,

Die mir das Ganze auf einer physischen Ebene nochmal manifestiert hat.

Ich hatte tatsächlich durch mein Involvement bei Brothers Keepers,

Also das war eine Rapband,

Die sich gegen rechte Gewalt ausgesprochen hat und die deutsche Gesellschaft darauf aufmerksam machen wollte und auch gemacht hat,

Dass Deutschland auf dem rechten Auge blind ist,

Darüber… Sind auch alle wichtigen deutschen schwarzen Rapper oder Rapper of Color dabei gewesen?

Die waren alle dabei,

Also von Sammy Deluxe über Afrobe bis zu Xavier,

Als er noch normal gewesen ist,

Waren alle dabei,

Daniel,

Also kann man ja nachgucken,

Brothers Keepers,

Adriano,

Die letzte Warnung.

Und das hatte damals auch Harry Belafonte gehört,

Also einer meiner ganz großen Helden,

Der auch im Civil Rights Movement dabei war,

Der mit Martin Luther King marschiert,

Der hat seinen Celebrity,

Seine Bekanntheit immer dafür benutzt,

Um auch die Gesellschaft positiv zu beeinflussen.

Und Harry wollte die Macher von Brothers Keepers kennenlernen und darüber habe ich Harry Belafonte und seine Tochter Gina Belafonte kennengelernt,

Die mir dann das Angebot ausgesprochen haben,

Sollte ich mir das Showbusiness in Amerika mal anschauen wollen,

Könnten sie mir dabei helfen,

Würden sie mir dabei helfen.

Passend zu Amerika hören wir die Sirene im Hintergrund.

Und dann war ich halt zweieinhalb Jahre in L.

A.

Und Gina hat immer zu mir gesagt,

Harrys Tochter meinte zu mir,

I want you to start singing,

Ich will,

Dass du mit Singen anfängst.

Und ich war zwar Rapper,

Aber kein Sänger.

Und jedes Mal,

Wenn wir uns wieder getroffen haben,

Hat sie gefragt,

Well,

Have you started singing yet?

Ich so,

No,

Not yet.

So,

Why not?

Und dann irgendwann war es mir unangenehm,

Weil die haben mir ja geholfen,

Da hinzukommen und wenn sie sagt,

I want you to start singing,

Then I need to start singing,

Dann fragte ich sie eben nochmal um die Nummer von ihrer Gesangslehrerin,

Carol D'Andrea hieß die,

Und hab dann mit ihr einen Termin ausgemacht,

Dienstag,

14 Uhr,

Irgendwo in West Hollywood.

Und ich tauchte dann da auf,

In der Vorstellung,

Dass es sie und ich in einem Raum ist und sie bringt mir Singen bei.

Ende des Lieds,

Ich komme in den Raum und es ist so ein Raum mit ungefähr 50 Sitzen und noch acht anderen Sängern und in L.

A.

Sind alle gut,

Unter anderem war der Sohn von Barbara Streisand einer von den Sängern da.

Die Aufgabe war es dann,

Auf die Bühne zu gehen,

Dem Menschen,

Der am Klavier saß,

Die Noten zu geben und vor allen zu singen.

Und ich so,

Das kann ich auf keinen Fall machen,

Hab dann erstmal nur zugeguckt und dann meinte sie,

Ok,

Nächste Woche,

Komm nochmal und jetzt,

Dann bereite ein Lied vor.

Und dann hab ich erstmal gefuscht und hab einen Rap-Song vorbereitet,

Also schön nicht meine Komfortzone erweitert,

Sondern irgendwas gemacht,

Was ich konnte.

Dann hab ich das vorgetragen und dann,

Die Amis sind ja alle so nett,

Naja,

Thank you for sharing,

That was nice,

But next week I want you to sing a song.

Dann war ich jetzt gefangen,

Ich musste jetzt mir irgendwas einfallen lassen,

Hab mir dann ein What a Wonderful World von Louis Armstrong ausgesucht und dachte,

Das wär ein einfaches Lied,

Ist es aber nicht,

Musste dann die Noten besorgen,

Bin dann eine Woche später dahin und es war wirklich so,

Ich hab geübt,

Geübt,

Geübt,

Auf dem Weg dahin hatte ich schon schwitzige Hände,

Ne,

Ich hab richtig Angst gehabt,

In diesen Raum zu gehen,

Vor allen zu singen.

War dann irgendwann dran,

Ging auf die Bühne und es war wirklich so,

So meine Knie haben gezittert,

Die waren weich,

Meine Handflächen waren nass geschwitzt,

Ich hab angefangen zu singen,

Hier war alles zu,

Ich hab den Ton nicht getroffen,

Es war schlimm und sie wieder,

Thank you for sharing,

That was beautiful und dann sagt sie zu mir,

Now I want you to sing the song again,

Aber jetzt will ich,

Dass du von der Bühne runterkommst,

Anfängst das Lied zu singen und zu jedem Einzelnen in den Raum zu gehen,

Die Hand von der Person zu nehmen und es für diese Person zu singen,

Dann dachte ich so,

Jetzt ist alles vorbei,

Jetzt ist richtig game over,

Komm von der Bühne runter,

Fang an zu singen und die Sekunde,

Wo ich die erste Hand genommen hab und für die Person gesungen hab,

Das war wie ein Schalter,

Der umgelegt wurde,

Plötzlich war alles anders,

Ich hab plötzlich den Ton getroffen,

Meine Stimmbänder sind frei geworden,

Ich war von Kraft erfüllt und konnte wirklich singen in dem Moment und das Einzige,

Was sich geändert hat,

War der Fokus,

Warum mache ich das,

Davor war es,

Ich stand auf der Bühne und ich war Ego getrieben,

Angst getrieben,

Hab mir die Frage gestellt,

Bin ich gut genug oder war mir sicher,

Ich bin sicherlich nicht gut genug und das hat mich so eingeengt,

Dass ich nicht schwingen konnte,

Dass ich nicht in meiner Mitte war und als ich das für jemanden anders gesungen hab,

War der Fokus plötzlich,

Ich gebe durch das,

Was ich bin,

Einer anderen Person ein Geschenk und plötzlich war die Energie,

Die da war,

Nicht Angst,

Sondern Liebe und dann ist mir klar geworden,

Okay,

Ego-Energie ist stark,

Aber es ist mehr wie so eine Wildsau,

Die durchs Unterholz robbt und so eine Liebesenergie ist wie so ein Adler,

Der mit ausgebreiteten Schwingen durch die Sonne fliegt und das konnte ich dann super übernehmen in alle Arbeit,

Die ich jetzt mache,

Also gerade wenn ich eben Geschichten erzähle,

Die mehr Räume schaffen für People of Color oder andere marginalisierte Gruppen,

Die jetzt unterprivilegiert sind,

Wenn ich dann weiß,

Okay,

Ich mach's nicht nur für mich,

Sondern ich mach's auch für andere,

Das gibt dem Ding eine ganz andere Strahlkraft und ich bin da nicht nervös,

Ich hab keinen Grund,

Zu stolz zu sein,

Ich hab keinen Grund,

Mich zu schämen,

Ich hab nur einen Grund,

Froh darüber zu sein,

Dass ich als Werkzeug dienen kann für eine größere Sache.

Wenn man das in seiner Arbeit auch noch mit drin hat,

Dann geht's eigentlich fast wie von alleine.

Wow,

Tolle Geschichte.

Vielen Dank dafür.

Du bist eigentlich schon ein super Kandidat für ein Ende,

Aber ich würde gerne noch ein,

Zwei Fragen stellen,

Wenn ich darf,

Weil du hast eine Menge spannender Insights und Perspektive zu teilen.

Wenn du jetzt nochmal so kurz Revue passieren lässt,

Was für dich Erfolg bedeutet,

Dann heißt das ja,

Dass diese Liebe in den Fahrersitz zu bringen und etwas für andere zu tun,

Dass das etwas ist,

Was dich sehr erfüllt,

Gerade für Menschen,

Die genau wie du,

Genau wie ich viel Erfahrung hatten,

Viel Diskriminierungserfahrung gesammelt haben.

Also vielleicht rewind 70er Jahre Aachen oder Anfang 80er Jahre Uppertal,

Für mich war gar nicht so weit entfernt.

Wir laufen so durch die Straßen und erleben,

Dass wir nicht dazugehören,

An vielen,

Viel zu vielen Stellen.

Das prägt uns.

Wir stellen fest,

Dass das etwas ist,

Was uns traurig macht,

Weil wir uns vielleicht ausgegrenzt fühlen,

Weil wir die Sehnsucht entwickeln,

Ein Teil von etwas zu sein,

Von dem wir nie ein Teil sein können,

Weil wir halt einfach anders sind,

Zumindest scheinen.

Und dann sehen wir,

Dass es auch eine andere Welt gibt,

Wo wir ganz normal wären.

Die Welt der Musik zum Beispiel,

Hip-Hop,

Eine schwarze Kultur.

Bis vor fünf Jahren wurde das noch Black Music genannt teilweise.

Und du erkennst darin auf einmal deine Fähigkeit,

Deine Talente und bringst die in diesen Kontext und schaffst damit eine ungeheure Wucht,

Du schaffst einen Impact,

Du schaffst Vorbildtum,

Du schaffst Inspiration,

Du gibst anderen Mut,

Wie du es gerade gesagt hast.

Entwickelst aus dieser eigentlichen Schwäche,

Aus dieser eigentlichen Angst,

Aus dieser Traurigkeit,

Aus dieser Sehnsucht heraus eine unglaubliche Macht.

Wir schauen oft genau dieser Frage auf den Grund,

Wofür stehe ich eigentlich,

Was macht mich denn eigentlich glücklich,

Was ist denn der Job für mich,

Was ist denn meine Berufung?

Daran scheitern viele.

Und die Frage ist,

Ist vielleicht der Punkt,

Weniger zu schauen,

Was glaube ich denn,

Was in der Welt da draußen mein Platz sein könnte,

Im Hinblick auf das,

Was sich gut anhört oder was ich im Internet sehe oder was mir andere empfehlen,

Was mein Vater oder meine Mutter in mir sehen oder sich wünschen würden,

Was ich mache.

Oder was ich auf Netflix sehe.

Versus ich tue etwas,

Was eine Verbindung hat zu den tiefsten Schmerzen,

Zu der Urwunde,

Zu der Dunkelheit,

Die jeder von uns irgendwann mal in seinem Leben erlebt hat oder erleben musste.

Ich glaube,

Der Mensch an sich lernt am meisten,

Wenn der Leidensdruck groß ist.

Oder jedes Lebewesen lernt am meisten,

Wenn der Leidensdruck groß ist,

Weil wir wollen ja nicht leiden.

Habe ich ja am Anfang epikurzitiert,

Nicht hungern,

Nicht dürsten,

Keine Schmerzen leiden.

Und ich glaube schon,

Dass wenn man viele Schmerzen leiden muss oder musste,

Dass das oft ein starker Antrieb dafür sein kann,

Etwas zu verändern.

Ich glaube,

Man muss irgendwann auch diesen Antrieb reflektieren und auch mal innehalten und sich mal fragen,

Warte mal,

Ist dieser Schmerz eigentlich noch so da?

Oder ist es einfach meine Gewohnheit,

Dass ich nach vorne presche?

Weil wir haben ja,

Wenn wir älter werden,

Bekommen wir ja auch andere Tools,

Damit umzugehen.

Also darum ist es,

Glaube ich,

Wichtig,

Sich auch um seine Psyche zu kümmern.

Um dann irgendwann vielleicht diesen Antrieb aus dem Schmerz heraus zu transformieren in einen Antrieb nicht aus dem Mangel heraus,

Sondern aus der Fülle heraus.

Und ich glaube,

Dass das insgesamt gesünder ist,

Weil man dann auch ein besseres Gefühl dafür bekommt,

Auch für die eigenen Grenzen.

Also das vielleicht zu der Frage,

Wie man mit diesem Antrieb durch Schmerz umgehen sollte,

Meiner Meinung nach.

Ob das jetzt auch möglich ist,

Wenn alles toll gewesen ist im Leben,

Dann auch so einen Antrieb zu entwickeln,

Das vermag ich nicht zu sagen,

Weil ich das nicht kenne,

Die Situation.

Aber ich glaube schon,

Dass man,

Wenn man so ein Gefühl hat für sich selbst,

Dass man ein Gefühl dafür entwickeln kann,

Was einem Freude macht.

Also ich hatte lange Zeit,

Ein Mantra von mir war,

Follow your bliss,

Also folge deiner Freude.

Und da gibt es ja jetzt auch so Japanische Aufräumtipps,

Dass du irgendwas in die Hand nehmen musst und du spürst dann,

Ob es dir Freude gibt oder nicht.

Und wenn ja,

Behalte es,

Und wenn nicht,

Schmeiß es weg.

Und ich glaube,

Das kann man vielleicht auch anwenden für Leute,

Bei denen alles gut gewesen ist.

Ich glaube nicht,

Dass es die gibt.

Ich glaube nicht,

Dass es Menschen gibt,

Wenn die ehrlich sind und ein bisschen tiefer in sich reinblicken,

Dass die sagen können,

Alles ist immer gut gewesen.

Das glaube ich nicht.

Aber für Menschen,

Wo es überwiegend positiv gelaufen ist,

Glaube ich,

Gilt trotzdem,

Dass man ein Gespür dafür entwickelt,

Was einem Freude macht,

Und das als inneren Kompass benutzt.

Glaube ich schon,

Dass man dann auch was finden kann,

Was dir Spaß macht,

Worin du gut bist und wo du vielleicht auch dich selbst als Werkzeug sehen kannst,

Einen positiven Beitrag zu bringen,

Für die Welt gleichzeitig aber auch irgendwie genügend zu verdienen,

Um deinen Kühlschrank voll zu machen und dir ab und zu mal eine freie Zeit zu gönnen.

Ich glaube schon,

Dass das möglich sein sollte.

Ich glaube aber,

Man muss ein Gefühl dafür entwickeln,

Was einem wirklich gut tut und was dir Freude macht.

Und das kriegt man nicht,

Wenn man in einem dauergestressten Zustand ist oder fremdgesteuert.

Also dafür muss man sich erstmal selber kennenlernen.

Und darum geht es ja in deinem Buch,

Eben diese Balance zu finden zwischen diesen verschiedenen Bereichen,

Die eben alle einigermaßen ausgeglichen sein müssen,

Um überhaupt ein gesundes Gefühl für dich zu haben.

Und nur daraus,

Glaube ich,

Aus dieser Klarheit kann man dann auch die richtigen Entscheidungen treffen.

Boom.

Lieber Tyron,

Ich möchte mich ganz recht herzlich bei dir bedanken für die Zeit.

Ich finde,

Das war ein extrem aufschlussreich inspirierender 50-Minuten-Roundabout.

Und ich freue mich über jede einzelne davon.

Als allerletzte kleine Kirsche auf der Sahnetorte.

Eine Frage,

Die tausendmal gefragt wurde,

Die ich aber immer wieder spannend finde,

Sie zu stellen,

Nämlich die,

Was würdest du deinem,

Sagen wir mal,

15-Jährigen selbst für einen Tipp geben,

Wenn du dir nochmal begegnen könntest?

Also erstmal vielen Dank für die Einladung.

Es macht mir auch immer wieder Spaß,

Mit dir zu reden.

Egal,

Ob nur rein privat oder Scheiße labern oder hier mit dem Versuch,

Auch ein bisschen was für andere Leute aufs Tablett zu bringen.

Was würde ich meinem 15-Jährigen ich sagen?

Alles wird gut.

Ich weiß nicht,

Wie viel man mit 15 schon versteht,

Um ehrlich zu sein.

Ich glaube,

Auch mit 20 habe ich noch nicht so viel verstanden.

Das ist das Ding.

Ich glaube,

Alles wird gut ist tatsächlich ein extrem guter Tipp,

Weil man sich die ganze Zeit immer nur in so einer Panik befindet.

Boah,

Kriege ich das alles hin?

Bin ich gut genug?

Ich glaube,

Das ist so ein bisschen dieses zentrale Motiv,

Das man damals hat.

Wahrscheinlich schon,

Ja.

Aber ich weiß nicht,

Wie viel dir das bringt.

Das wäre komisch,

Wenn jetzt plötzlich einer aus der Zukunft kommt und sagt,

Alles wird gut.

Was willst du denn machen,

Wenn du 15 bist?

Wenn ich wüsste,

Dass ich das bin und später,

Ja,

Das wird schon sein.

Alles wird gut und mach einfach das,

Was dich glücklich macht und vieles wird sich schon von alleine regeln.

Meine Oma hat immer gesagt,

Bis du heiratest,

Ist alles wieder gut.

Ich habe noch nicht geheiratet,

Also vielleicht kommt das noch.

Aber einfach wirklich ein bisschen Geduld zu haben mit sich selbst und einfach sein Bestes zu geben und auch zu akzeptieren,

Dass das nicht immer gleich gut ist.

Man kann nur sein Bestes geben und das ist halt manchmal auch scheiße so.

Ist auch okay.

Ich finde da einen Satz eigentlich immer sehr treffend,

Der beschreibt,

Ich weiß gar nicht,

Von wem der ist.

Am Ende wird alles gut und wenn es nicht gut ist,

Dann ist es noch nicht das Ende.

In diesem Sinne,

Tyron,

Hau rein,

Vielen Dank,

Dass du dabei warst und auf bald.

Das war es auch schon mit der vierten Episode von The Beautiful Mind mit Tyron Ricketts.

Wie hat es euch gefallen?

Hier werden ja noch einige interessante Inhalte für euch folgen.

Deswegen empfehle ich euch,

Den Podcast zu abonnieren,

Falls ihr das noch nicht gemacht habt.

Ihr könnt mir auch schreiben,

Ihr könnt mir zum Beispiel auf Instagram folgen unter thebeautifulmind-cmc.

CMC steht für Contemporary Mindfulness Culture und dort könnt ihr mir schreiben.

Ihr könnt mir aber auch eine E-Mail schreiben,

Alle Infos dazu findet ihr in den Show Notes.

Wie immer kommen jetzt noch drei Takeaways aus dem Talk mit Tyron.

Meine persönliche Reflexion,

Was ich aus diesem Gespräch mitgenommen habe,

Die habe ich mal zusammengefasst.

Ich fange mal an.

Erstens,

Eine Lebensmission zu finden,

Ist für viele Menschen gar nicht so leicht.

An Tyrons Beispiel erkennt man gut,

Wie die eigene Biografie die großen Herausforderungen früh im Leben und seine Aufgabe mit ins Leben geben.

Diese zu kennen,

Bedeutet die Fähigkeit zu besitzen,

Seine schöpferische Kraft viel gezielter und effektiver einsetzen zu können,

Sodass sich irgendwann Arbeit gar nicht mehr wie Arbeit anfühlt.

Das erfordert natürlich einiges an Klarheit,

An Forschung in der eigenen Biografie und wie man das genau macht,

Um daraus die eigene Lebensmission zu entfalten,

Das erkläre ich in Schritt für Schritt Anleitung in meinem Buch Die Sieben Säulen des Seins.

Zweitens,

Tyron ist ein wunderbares Beispiel dafür,

Dass Aufwand nicht immer gleich Ergebnis ist.

Denn oft erschöpfen wir uns bis zum Burnout,

Weil wir glauben nur dann wirklich etwas wert zu sein.

Doch überhören dabei meist die Signale unseres Körpers,

Unserer Seele,

Unseres Geistes.

Es geht darum,

Ein Leben so zu gestalten,

Dass es lebenswert ist und nicht darum konstant den Wert des eigenen Lebens durch Leistung rechtfertigen zu müssen.

Drittens,

Im besten Fall sollte man versuchen,

Seine eigene Mission mit dem Beruf zu vereinen.

Wie Tyron so schön gesagt hat,

Augen auf bei der Berufswahl.

Tyron setzt sich zum Beispiel für die Repräsentation von Vielfalt in der Gesellschaft in den Medien ein und hat dabei schon sehr,

Sehr viel erreicht.

Manchmal aber ist es auch in Ordnung,

Dass die Mission anders im Leben verankert ist,

Anstatt im Beruf.

Denn die Vermischung von Mission und Beruf kann super schnell auch zu Beanstrengungen und Schädigungen führen.

Dann ist es wichtig,

Trotz des Einsatzes für die Sache auch die eigenen Bedürfnisse,

Die anderen Lebensbereiche,

Die anderen Säulen des Seins im Balance zu halten,

Im Ausgleich zu halten.

Und Tyron macht es wirklich ausgesprochen gut.

Er inspiriert mich und ist immer mein Guru,

Wenn es darum geht,

Mal runter zu kommen,

Eine Pause zu machen und den Urlaub zu genießen.

Das kann keiner so gut wie er.

Das war es auch mit der vierten Episode von The Beautiful Mind.

Ich habe mich sehr gefreut,

Dass ihr bis hierhin zugehört habt.

Vielleicht hören wir uns ja auch schon bald wieder.

Bis dahin,

Viel Freude.

4.9 (12)

Neueste Bewertungen

Gil

April 25, 2025

Ein wunderbares Gespräch, inspirierend, freundlich, tief-sinnig. Danke dafür.

Stephi

February 4, 2025

Danke Yousef und Tyron für dieses Gespräch. Es hat mich sehr berührt, wie die Annahme, dass man irgendwo nicht dazugehört oder dass etwas gerade nicht passt dazu führt, klarer zu sehen, was stattdessen funktioniert. Wir wollen alle immer den direkten Weg zum Glück. Aber der Umweg über das Missempfinden ist oft viel leichter zu gehen. Danke für die Frage über einen ganz normalen Dienstag! Das ist der Tag, der wirklich zählt. ❤️🙏🏻✨

Wolkenschieber

February 2, 2025

Ein sehr angenehmes Gespräch. Wunderbare Einstellung zum Leben, Arbeiten, Sein. Größtenteils entspricht das gerade Gehörte meinen eigenen Gedanken. Da finde ich mich sehr oft wieder. Lediglich der Punkt "Freiheit" bzw "Selbstwirksamkeit" ist meines Erachtens nach komplexer - zumindest, wenn man Kinder hat oder Angehörige über Jahre pflegt. Und das betrifft ja viele Menschen in der Gesellschaft. Die Freiheit, beruflich das zu tun, was einem Spaß macht, wird deutlich enger mit sozialen Verpflichtungen. Wird dadurch die Selbstwirksamkeit geringer? Oder anders: Wie schafft man es trotz dieser sozialen Verpflichtungen, seine Freiheit und Selbstwirksamkeit nicht zu verlieren? Das ist eine wahre Herausforderung. Danke, dass Du den Podcast hier eingestellt hast. 🙏

Martina

February 2, 2025

Mega inspirierend!

Astrid

February 1, 2025

Nah am Sein, am Leben dran sein! Sich selbst erkennen, sich zu reflektieren und Unterschiede zu spüren, es zuzulassen sich selbst auf unterschiedliche Arten kennenzulernen, seine inneren Wesen, dem ich folgen… danke, dass du dieses Interview gemacht und veröffentlich hast. Danke für diesen wertvollen Austausch!

© 2026 Yousef Hammoudah. All rights reserved. All copyright in this work remains with the original creator. No part of this material may be reproduced, distributed, or transmitted in any form or by any means, without the prior written permission of the copyright owner.

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