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Eine Geschichte über den eigenen Weg „Der arme Brahmane“

by Marion Schwarzat

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"Nur eine Geschichte"- zum Entspannen, Besinnen, Anregen oder Einschlafen. Die Geschichte vom armen Brahmanen, seinem Ochsen und dem Glauben an sich selbst, den eigenen Weg und dem Überwinden von Grenzen.

Transkription

Herzlich willkommen.

Schön,

Dass du da bist.

Mein Name ist Marion und ich möchte mit dir heute eine Geschichte teilen.

Vielleicht hörst du dir diese Geschichte als Einschlafgeschichte im Bett vor dem Einschlafen an.

Vielleicht möchtest du dir zwischendurch eine Pause gönnen und entspannst mit dieser Geschichte.

Auf dem Weg zu mehr Gelassenheit und zu mehr Entspannung brauchen wir manchmal eine Pause,

Eine Pause des Denkens,

Eine Pause des Tuns.

Und da kann diese liebgewonnene Tradition aus Kindertagen,

Wo wir es geliebt haben im gemütlichen Bett zu liegen,

Eingekuschelt und Geschichten zu lauschen,

Dich ein Stück weit begleiten.

Und so mache es dir jetzt ganz gemütlich.

Vielleicht im Bett,

Vielleicht auf dem Sofa,

Vielleicht in deinem Lieblingssessel.

Wenn du vielleicht mit der Geschichte einschlummern möchtest,

Dann achte darauf,

Dass du sie in den Schlafmodus stellst und dich nicht mehr bewegen musst.

Schließe ganz sanft deine Augen,

Entspanne deinen Körper und lausche der Geschichte.

Die Geschichte ist aus dem frühen Buddhismus und handelt von einem Brahmanen und einem Kalb.

Einst bekam ein armer Brahmane ein Kalb.

Er war entzückt über das kleine Wesen.

Er liebte seine sanften Augen und seine ungelenke holperige Art.

Er fütterte das kleine Kalb gut und überschüttete es mit Zuneigung und Fürsorge.

Und das kleine Öchslein liebte den Mann ebenfalls.

Und es wuchs und wuchs und wuchs,

Bis es ein riesiger,

Kräftiger Ochse war.

Und doch,

So groß er auch war,

Blieb er dennoch sanft.

Wenn der Brahmane etwas befahl,

Tat er es,

Auch die schwersten Arbeiten.

Mit gutem Willen zog er die Baumstämme aus den Feldern und schleppte Felsblöcke.

Der Brahmane hatte so großen Gefallen an dem Ochsen,

Dass er ihn Große Freude nannte.

Eines Tages dachte Große Freude bei sich,

Mein Meister,

Der Brahmane,

Ist arm,

Und hier bin ich,

Ein großer,

Starker Ochse.

Ich sollte meine Stärke einsetzen,

Um ihm zu helfen.

Ich möchte all die Güte zurückzahlen,

Die er mir erwiesen hat.

So ging Große Freude an das offene Fenster der Lehmhütte des Brahmanen,

Steckte vorsichtig seinen riesigen,

Gehörnten Kopf durch den verwitterten Fensterrahmen.

Dort saß der Brahmane an einem verbogenen Holztisch und besserte die zerfledderten Seiten eines Buches aus.

Da sagte der gutmütige Ochse,

Lieber Meister,

Ich möchte dir die Jahre der Güte vergelten,

Die du mir erwiesen hast.

Ich habe einen Plan.

Bitte hör zu.

Erstaunt unterbrach der Brahmane seine Arbeit und hörte zu.

Morgen am Markttakt,

Sagte Große Freude,

Wenn du ins Dorf gehst,

Halte Ausschau nach einem wohlhabenden Kaufmann.

Wette mit ihm um tausend Silberstücke,

Dass du einen Ochsen hast,

Der hundert randvoll mit Felsen,

Steinen und Kies beladene Karren ziehen kann.

Was,

Rief der Brahmane aus,

Als er seine Stimme wiederfand,

So einen Ochsen habe ich?

Ja,

Sagte Große Freude,

In der Tat,

Dieser Ochse bin ich.

Warte,

Mein Freund,

Sagte der Brahmane,

Noch niemals hat je ein Ochse eine solche Last gezogen.

Vertraue mir,

Sagte der Ochse,

Habe ich dich je im Stich gelassen?

Nein,

Sagte der Brahmane nachdenklich,

Das hast du noch nie.

Also dann,

Fuhr Große Freude fort,

Mache dir keine Sorgen,

Wir werden die Wette gewinnen,

Du hast mein Wort.

Schließlich stimmte der Brahmane zu.

Am nächsten Tag,

Als die Sonne aufging,

Band sich der arme Brahmane die ausgetretenen Sandalen um und machte sich auf den Weg in die Stadt.

Auf dem schon wimmelnden Markt schlängelte er sich durch die Stände auf der Suche nach einem guten Handel.

Er fand ein Stück weißen Stoff und einige Bogen dicken Papiers,

Das er für einen kleinen Sack Reis bekam.

Er erstand ebenfalls eine Handvoll Mais für Große Freude.

Als die Sonne höher stieg und der Tag sehr heiß wurde,

Verließ er schleunigst den lauten Bazar.

Er betrat eine kleine Teestube,

Wo die Kaufleute und Bauern sich versammelten,

Um sich während der Mittagshitze zu erfrischen.

Er setzte sich an einen Tisch.

Dann nahm er seinen Mut zusammen und rief dem reichen Kaufmann zu,

Der gerade durch die Tür kam.

Mein Freund,

Willst du dich zu mir gesellen?

Warum nicht,

Sagte der Kaufmann und setzte sich zu dem Brahmanen an den Tisch.

Nach dem Austausch von Freundlichkeiten,

Einigen Süßwaren und etwas Tee,

Holte der Brahmane Tiefatem und verkündete,

Ich habe einen Ochsen.

So,

Antwortete der reiche Kaufmann und leckte sich den letzten Krümelgebäck vom Finger.

Ich habe viele Ochsen,

Und wenn ich dir was sagen darf,

Sie haben mich viel gekostet.

Ja,

Sagte der Brahmane,

Aber weißt du,

Mein Ochse ist stark.

Abba,

Sagte der Kaufmann,

Was sonst noch?

Liegt es nicht in der Natur eines Ochsen stark zu sein?

Natürlich,

Stotterte der arme Brahmane,

Natürlich,

Aber nicht so stark wie meiner.

Ha,

Schnaubte der Kaufmann und nippte an seinem Tee.

Der Brahmane fuhr fort.

Also,

Dieser Ochse von mir ist so stark,

Dass er hundertrandvoll mit Felsblöcken,

Steinen und kiesbeladene Karren ziehen kann.

Unmöglich,

Lachte der Kaufmann,

Ich will dir was sagen,

Kein Ochse,

So stark er auch ist,

Kann eine solche Last ziehen.

Schließlich,

Fügte er vertraulich hinzu,

Ist dies eine Welt der Maße und Gewichte.

Ein Ochse ist schließlich auch nur ein Ochse,

Wie alles hat er seine notwendigen Grenzen.

Nein,

Mein Freund,

Das kann nicht sein.

Es kann aber doch,

Bestand der Brahmane darauf.

Es kann nicht,

Widersprach der Kaufmann.

Lass uns wetten,

Sagte der Brahmane.

Wenn du wünschst,

Sagte der Kaufmann.

Eintausend Silberstücke,

Schlug der Brahmane vor.

Ausgezeichnet,

Sagte der Kaufmann.

Eintausend Silberstücke,

Das gilt.

Also,

Wann sollen wir diesen deinen großartigen Ochsen testen?

Morgen,

Fragte der Brahmane.

Morgen,

Auf dem Platz.

Wir wollen uns treffen,

Bevor die Sonne über den Bäumen steht.

Du bringst deinen großen Ochsen und ich werde zusehen,

Dass die beladenen Karren bereitstehen.

Bis dann,

Mein Freund.

Guten Tag.

Und damit erhob sich der Kaufmann und ging lächelnd aus dem Laden.

Schon bald war die Neuigkeit in der ganzen Stadt verbreitet.

Eintausend Silberstücke,

Sagten die einen.

Einhundert Karren,

Riefen die anderen.

Ein Ochse,

Lachte der Rest.

Das Geld wechselte die Hände und Wetten wurden abgeschlossen.

Und schließlich erwarteten alle mit Spannung den Morgen.

In jener Nacht warf sich der Brahmane besorgt im Bett hin und her.

Würde er gewinnen?

Würde er verlieren?

Konnte große Freude wirklich so viele beladene Karren ziehen?

Schließlich sprach alles dagegen.

Ach,

Dachte er voller Schrecken.

Auf was für einer großen Dummheit mein Leben doch beruht.

Aber am Morgen wachte er frisch genug mit der aufgehenden Sonne und ging sofort zu großer Freude in den Stall.

Da stand große Freude und erwartete ihn ganz ruhig wie gewöhnlich,

Schwenkte seinen langen Schwanz in der warmen Luft und kaute zufrieden am goldgelben Stroh.

Seine großen dunklen Augen sahen den Brahmanen sanft und mit so einer Spur von Humor im Blick an,

Als ob er sagen wollte,

So,

Heute gilt es also,

Nicht wahr?

Nun,

Mach dir keine Sorgen,

Mein Freund,

Es wird alles gut werden.

Aber heute war der Brahmane zu abgelenkt.

Er stützte seine Arme auf die raue Kante des Ochsenstalls und starrte auf diesen großen,

Zufriedenen Ochsen.

Flocken aus Strohstaub tanzten im warmen Sonnenlicht.

Trotzdem war es kühl im Stall.

Alles schien dort so stabil,

So wie immer zu sein.

Die dicken Lehmwände,

Die Holzeimer,

Das Joch,

Die abgeschlissenen Seile,

Die Bürsten.

Wie wirklich,

Wie fest sie heute alle waren.

Der Brahmane dachte,

Vielleicht war diese Wette,

Vielleicht mein ganzes Leben bisher,

Wer weiß,

Nur ein Traum.

Er schüttelte sich.

Traum oder nicht,

Es gibt Arbeit zu tun,

Verkündete er.

Er nahm eine harte Bürste und beklopfte und bürstete mit aller Kraft die harten Muskeln auf große Freudes Rücken,

Bis aus der glänzenden Haut Wolken von Staub aufstiegen.

So gebürstet und gestriegelt machten sich große Freude und der Brahmane gemeinsam auf,

Über die Felder und die Landstraße,

Hinunter in die Stadt.

Sie kamen an,

Als die Sonne gerade über die Spitze des höchsten Mangobaumes brach.

Auf dem Platz war eine lärmende Menge versammelt und da standen die Karren und warteten.

Der Brahmane war entsetzt.

Noch nie hatte er so viele Karren gesehen.

Was für ein Dummkopf war ich nur,

Dachte er.

Auf den Rat eines Tieres zu hören.

Was habe ich getan?

Ich bin verloren.

Und mit diesem sinkenden Gefühl in der Magengrube trat er vor.

Die Menge teilte sich,

Um den Brahmanen mit großer Freude durchzulassen.

Sie schritten die ganze Karrenreihe ab.

Der Kaufmann wartete auf sie.

Lächelnd stand er neben dem allerersten Karren.

So,

Seid ihr bereit?

Fragte er.

Gewiss,

Natürlich sind wir bereit,

Erwiderte der Brahmane.

Der Kaufmann winkte und zwei Männer traten aus der Menge.

Sie bückten sich und hoben das massive Joch auf große Freude's Schultern.

Sie knüpften die neuen Seile fest.

In letzter Eile wurden Wetten abgeschlossen.

Und tatsächlich riefen einige wenige,

Als sie große Freude erblickten,

Aus.

Der Ochse!

Der Ochse!

Mein Geld auf den Ochsen!

Dann wurde es völlig still.

Es war so still,

Dass man die Vögel in den nahen Bäumen singen hörte.

Es war so still,

Dass man hörte,

Wie der Schwanz von großer Freude sich hin und her bewegte.

Es war so still,

Dass man das Summen der glitzernden Fliegen hörte.

Unbeteiligt schaute große Freude mit sanftem Blick in die gaffene Menge und schaute zu,

Wie die weißen Wolken dahin segelten.

Er schüttelte seinen riesigen Kopf und schnaufte laut aus,

Als ob er sagen wollte,

Was soll all das Getue?

Der Brahmane,

Der fühlte,

Wie alle Augen auf sie beide gerichtet waren,

Stellte sich an große Freude's Seite,

Hob eine Peitsche,

Schlug große Freude scharf auf die Schulter und rief aus,

Los,

Du Biest!

Du elender Lump!

Tu,

Was ich sage!

Zieh diese Karren!

Zeige deine Stärke!

Als große Freude jedoch den Hieb der Peitsche fühlte und der Brahmanen grobe Worte vernahm,

Gingen seine Augen weit auf.

Was ist das?

Dachte er.

Schläge und Flüche?

Aber nicht für diesen Ochsen!

Er stemmte die Hufe fest in die Erde und stand da,

Angewurzelt wie ein Baum.

Trotz all der Rufe und Drohungen rührte er sich nicht von der Stelle,

Nicht einen Zentimeter.

Er versuchte nicht einmal die Karren zu ziehen.

Unter all den Hieben stand er unbeweglich da,

Felsenfest.

Die Menge lachte und johlte,

Die Leute warfen Erdklumpen und Steine,

Sie schrien und kreischten.

Doch große Freude rührte sich nicht.

Ach,

Mein Freund,

Mein Freund!

Stieß der reiche Kaufmann hervor,

Während ihm die Lachtränen übers Gesicht liefen.

Du hattest gewiss Recht,

Das ist wirklich ein Ochse!

Als das Gestoße und Geschrei endlich aufhörte,

Die Menge sich verlaufen hatte und der Kaufmann,

Der sich noch die nassen Augen wischte,

Ausbezahlt war,

Mehr Glück beim nächsten Mal,

Spaßte er.

Erst dann ließ große Freude sich endlich losmachen und schweigend nach Hause führen.

Dort angekommen verbarg der Bramane den Kopf in seinen Armen und schluchzte,

Und schluchzte vor Scham und Kummer.

Da kam große Freude wieder zum Fenster und sprach deutlich zu ihm.

Warum weinst du,

Mein Freund?

Zwischen unterbrochenen Atemzügen stieß der Bramane verbittert hervor.

Wie fragst du so etwas,

Du undankbares Geschöpf?

Was du mir gesagt hast,

Habe ich getan,

Aber gegen all deine Beteuerungen habe ich alles verloren,

Und alles nur wegen dir.

Nicht nur,

Dass der reiche Kaufmann und die ganze Stadt mich ausgelacht haben.

Du allein bist schuld daran.

Doch große Freude sagte traurig,

Habe ich dich im Stich gelassen?

Lass mich dich etwas fragen.

Habe ich je einen deiner Zäune umgestoßen oder einen Krug zerschlagen oder einen Pflug zerbrochen?

Nein,

Sagte der Bramane und hob den Kopf,

Das hast du nie.

Habe ich dann vielleicht jemals eines deiner Kinder getreten oder verletzt?

Nein,

Sagte der Bramane wieder,

Nie.

Habe ich dann vielleicht Dreck in die sauberen Stellen deiner Wohnung geschleppt oder vor einen geweihten Schrein?

Nein,

Wiederholte der Bramane zum dritten Mal,

So etwas hast du nie getan.

Du bist mir immer eine große Freude gewesen.

Warum dann,

Fragte der Ochse große Freude,

Hast du mich geschlagen und mich Lump und Biest genannt?

War das denn die Belohnung,

Die ich verdiene,

Der ich doch nur hart für dich arbeiten wollte?

Der Bramane wischte sich die Augen und setzte sich auf.

Schweigend sah er den Ochsen an und schämte sich angesichts der Wahrheit seiner Worte.

Du hast recht,

Sagte er schließlich,

Ich war ja derjenige,

Der dich verraten hat,

Es tut mir leid.

Da du nun so empfindest,

Lass es uns noch einmal versuchen,

Aber diesmal musst du 2000 Silberstücke wetten.

Mein Freund,

Rief der Bramane,

Ich tue mein Bestes,

Es soll so geschehen,

Wie du sagst.

Und ich werde auch mein Bestes geben,

Sagte der Ochse,

Denn wenn du mich nicht im Stich lässt,

Werde ich dich gewiss auch nicht im Stich lassen.

Am nächsten Tag lief der Bramane in die Stadt und ging wieder in die Teestube.

Der Kaufmann saß friedlich vor seinem Tee und aß Süßigkeiten.

Darf ich mich dazu gesellen,

Fragte der Bramane.

Nur zu gerne,

Sagte der Kaufmann fröhlich.

Hast du mir nicht große Freude gebracht?

Lass uns noch einmal wetten,

Sagte der Bramane.

Was,

Rief der Kaufmann erstaunt aus,

Weißt du nicht,

Mein Freund,

Wann du geschlagen bist?

Komm,

Sagte der Bramane,

Eine letzte Wette.

Auf den Ochsen und die Karren,

Wie zuvor,

Doch diesmal lass uns 2000 Silberstücke wetten.

Also wirklich,

Dachte der Kaufmann bei sich,

Dummköpfe wie dieser wachsen nicht auf jedem Baum.

Schließlich,

Sagte er achselzuckend,

Wie könnte ich Nein sagen?

Also,

Die Wette gilt,

Fragte der Bramane.

Wenn du wünschst,

Sagte der Kaufmann lächelnd.

Ja,

Ich wünsche es,

Sagte der Bramane voller Freude.

Morgen auf dem Platz,

Um dieselbe Zeit wie zuvor.

Morgen,

Mein Freund.

Er wünschte dem Kaufmann einen guten Tag und ging.

Am nächsten Morgen striegelte und bürstete und putzte der Bramane große Freude noch einmal.

Dann führte er seinen mächtigen Ochsen wieder ins Stadtzentrum.

Die Menge hatte sich in Erwartung einigen Spaßes versammelt.

Aber als große Freude zu den Karren geführt wurde und voller Begeisterung seinen großen,

Gehörten Kopf in die Luft warf,

Da glitzerte das Sonnenlicht plötzlich wie Feuer auf ihm und von seinem glänzenden Rücken ging eine pulsierende Kraft aus.

Sein Schwanz schien den Himmel zu peitschen wie ein Drachenschweif und seine weit geschwungenen Hörner zerrissen die Wolken.

Jedes Haar auf seinem glänzend-rotbraunen Fell richtete sich auf und knisterte elektrisch.

Die Kraft von tausend Atemströmen kam aus ihm und pulsierte durch die wogende Menge,

Strömte von seinen schweren Hufen in die dunkle Erde und von seinem gebogenen Schwanz in die helle Morgenluft.

Die Menge starrte.

Was für ein Ochse,

Riefen sie,

Vielleicht wird er es schaffen.

Wieder wurde ihm das schwere Joch aufgelegt,

Wieder die dicken neun Seile festgebunden.

Dann stellte sich der Bramane seinem Ochsen an die Seite und hing eine Blumengerlande um große Freudes kraftvollen Nacken,

Klopfte ihm auf die Riesenschulter und sagte ruhig,

Jetzt ist es Zeit,

Mein mächtiger Freund,

Jetzt ist der Augenblick gekommen,

Mein großherziger Ochse,

Also ziehe,

Mein Bruder,

Ziehe meine große Freude und lass die ganze Welt deine edle Stärke sehen.

Bei diesen freundlichen,

Mutmachenden Worten stemmte große Freude glücklich seine Hufe in die warme Erde und machte die Beine steif,

Bis sie so feststanden wie uralte Bäume.

Dann zog er und zog und zog und strengte und spannte jeden Muskel und Nerv an,

Bis langsam,

Allmählich die Räder sich zu drehen begannen.

Sie bewegen sich,

Sie bewegen sich,

Rief die erstaunte Menge.

Die Karren bewegen sich.

Immer schneller rollten die Karren,

Während große Freude zog und zog und zog.

Der reiche Kaufmann riss die Augen weit auf,

Sein Kiefer klappte ungläubig herunter,

Die Silbermünzen glitten ihm aus den Fingern und in den Staub.

Das war unmöglich,

Das konnte nicht sein.

Doch die Menge schrie,

Er hat's geschafft,

Der Ochse hat gewonnen.

Große Freude wurde immer schneller und zog die Karren einmal rund um den Marktplatz und zu den Toren der Stadt hinaus.

Es rollte und rollte und rollte.

Er umkreiste den Ort und zog alle hundert beladenen Karren wieder durch die Tore und bis auf den Marktplatz zurück.

Alle Leute folgten ihm lachend und johlend,

Schlugen sich gegenseitig auf den Rücken und warfen ihre Hemden in die Luft.

Denn nie,

Noch nie hatten sie so etwas Ausgefallenes und Wunderbares gesehen.

Der reiche Kaufmann sammelte seine Münzen wieder ein und lief mit und natürlich auch der arme Bramane.

Dieser würdevolle Ochse mit seiner Selbstachtung und Stärke hatte ihnen an jenem Tag wirklich allen große,

Große Freude gebracht.

Nun sagen manche,

Es muss eine ziemlich kleine Stadt gewesen sein,

Dass sie so einen Aufruhr um einen Ochsen und ein paar Karren veranstaltete.

Andere und vermutlich Weisere dagegen sagen,

Dass es immer von Bedeutung ist,

Wenn irgendjemand,

Mensch oder Tier uns zeigt,

Dass es,

Wenn wir unseren eigenen Weg finden und mit dem Herzen wirklich dabei sind,

Keine Grenzen gibt.

Was glaubt ihr?

4.7 (141)

Neueste Bewertungen

Regina

April 13, 2025

Die Geschichte war schön (zumindest der Teil, den ich mitbekommen habe). Ich bin gut eingeschlafen und werde mir diese erneut anhören. Du hast eine sehr angenehme Stimme!

Nicole

April 8, 2024

Mut machend

Kerstin

July 12, 2023

Eine sehr schöne Geschichte! Vielen Dank dafür :)

Heike

March 25, 2023

Wunderschöne Geschichte, und sehr schön vorgetragen! Vielen Dank dafür!

Jakobus

January 3, 2023

Was für eine wunderschöne Geschichte! Danke, danke, danke. 🙏❤

Wikki

November 12, 2022

Eine angenehme Stimme...ich höre dem Sinn der Geschichte gerne zu. Danke

Adrienne

November 6, 2022

Mal etwas anderes, sehr schön! Danke!

Kaan

September 12, 2022

Großartige Geschichte

Tanja

September 5, 2022

Sehr schön

Elisabeth

August 14, 2022

Wunderschön 💞Danke 🫂

© 2026 Marion Schwarzat. All rights reserved. All copyright in this work remains with the original creator. No part of this material may be reproduced, distributed, or transmitted in any form or by any means, without the prior written permission of the copyright owner.

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