
Zuviel? Reize, Empathie und Hochsensibilität
by Ingo Komenda
Lieber Hörer und Hörerinnen, in diesem Vortrag vertiefe ich das Thema "Reize, Empathie und Hochsensibilität". Ich versuche zu erklären, wie Reizüberflutung entsteht und wie wir anders mit Reizen umgehen können. Herzlichen Dank, euer Ingo.
Transkription
So,
Hallo und herzlich willkommen,
Mein Name ist Ingo Kommender,
Ich bin Diplom-Psychologe in der Praxis Kommender in Seefeld bei München und ja,
Ich möchte heute ein bisschen tiefer nochmal in das Thema Hochsensibilität,
Empathie und Reizüberflutung einsteigen.
Das ist ja sowohl im psychologischen Sektor als auch im spirituellen Sektor eine sehr,
Sehr wichtige Sache.
Überhaupt ist es ja so,
Dass Reize ja gefühlt und wahrscheinlich auch realerweise in den letzten Jahren gestiegen sind.
Es gibt viel mehr Reize,
Viel kürzere Reize,
Alleine durch die ganze Digitalisierung,
Die Handys,
Die E-Mails,
Die WhatsApps und wie sie alle heißen und Facebooks und Twitters,
Da geht es ja immer um kürzere Reize,
Die in einer kürzeren Zeit dargeboten werden.
Und das ist natürlich etwas,
Was erstmal für unser Gehirn gar nicht so angenehm immer ist.
Das heißt,
Viele Reize,
Viele Informationseinheiten,
Die auch nicht unbedingt zusammengehören,
Sind auf jeden Fall immer wieder eine Herausforderung für unser Gehirn,
Sie lösen eine Orientierungsreaktion aus,
Das heißt,
Unser ganzes System muss sich wieder auf diese neue Information einstellen.
Genau,
Also das ist das eine,
Dann natürlich irgendwo gerade in den Großstädten,
Ich wohne jetzt hier in der Nähe von München,
Das heißt,
Das Verkehrsaufkommen und der ganze Zuzug von den Zugrunden,
Ich werde das nie können,
Ist natürlich auch sehr deutlich und hier ist immer auch eine gewisse Hektik,
Eine Hektik,
Die einfach auch ein Stück weit mitschwingt,
So in der Atmosphäre von dieser Stadt oder auch hier auf dem Land und gut,
Der Hochsensible hat ja im Prinzip,
Aus welchen Gründen auch immer,
Gelernt,
Die Reizschwelle niedriger zu setzen und damit eben mehr Reize zu empfangen und damit tendenziell eben auch sein Bewusstsein zu überladen.
Ein nicht hochsensibler Mensch,
Ein,
Wollen wir mal sagen,
Normal empathischer Mensch,
Der hat halt auch eine Lage,
Ist in der Lage,
In Flow-Zustände zu kommen,
Auch mal entspannt zu sein,
Auch mal Sachen rauszublenden,
Sich auf etwas zu konzentrieren,
Ohne eben abgelenkt zu werden,
Wenn eben der Hochsensible oder der Empath eben dann auch viel schneller abgelenkt wird,
Viel schneller auch den Faden verliert und insgesamt eben das Bewusstsein deutlich stärker belastet ist,
Weil eben bestimmte Reize gar nicht aussortiert werden,
Die normalerweise vom Unbewussten beziehungsweise in meiner Theorie auch vom Strukturbewussten ausgesondert werden.
Da das Bewusstsein aber leider nun mal nicht so leistungsfähig ist,
Also mit seinen 170 Bit pro Sekunde,
Kommt es ziemlich schnell an Grenzen,
Das sind so 5 bis 9 Informationseinheiten,
Ist beim Hochsensiblen tendenziell oft einfach so das Gefühl von Überforderung da.
Im Gegensatz dazu hat das Unbewusste verarbeitet 3 Terabyte pro Sekunde,
Das sind die recht großen Pestplatten,
Die wir haben und das heißt,
Ich habe das mal aus Spaß umgerechnet,
Das braucht tatsächlich,
Bräuchte das Bewusstsein 5 Monate,
Um eine Sekunde zu verarbeiten,
Die das Unbewusste verarbeitet.
Ja,
Das ist also ein unglaubliches Missverhältnis,
Genau und das ist natürlich der Grund,
Warum Menschen,
So wie ich,
Eben auch viel mit dem Unbewussten arbeiten,
Weil das Unbewusste uns natürlich dabei auch helfen kann,
Eben auch bestimmte Dinge neu zu adjustieren,
Neu zu verarbeiten.
Gut.
Hochsensibilität ist natürlich das Erleben,
Dass man sensibel ist für die Atmosphären anderer Menschen,
Was die so ausstrahlen,
Wir nehmen das auf,
Wir Hochsensible,
Wir können über die Neurozeption,
Also die Wahrnehmung des Anderen,
Über die Spiegelneuronen eben auch mit dem Anderen mitfühlen,
Das ist eigentlich ja auch eine Empathie,
Die sehr sehr wichtig ist.
Also die Empathie,
Die uns gleichschaltet,
Ist auch evolutionär wahnsinnig wichtig,
Dass wenn wir gleichgeschaltet sind,
Dass wir zum Beispiel auch das Gefühl haben,
Wo ist eine Gefahr.
Und wenn ich wahrnehme,
Ich komme in einen Raum und da ist eine angespannte Atmosphäre,
Ist es natürlich total wichtig,
Dass ich mich sofort eben auch in eine höhere Vigilanz begebe,
Also in eine höhere Wachsamkeit,
Das ist an sich was ganz Tolles,
Weil ich dann eben viel schneller über meine persönliche Erfahrung hinaus unbewusst mich in einen Zustand versetze,
Besser mit der Umwelt umzugehen.
Und das ist in unserem Steinzeitgehirn mit Sicherheit eine gute Sache und auch in der Steinzeit mit Sicherheit eine gute Sache,
Aber leider ist es ja so,
Dass aufgrund der hohen und der vielen Reize,
Dass wir dann eben so sehr sehr schnell überreizt sein können.
Da kommen natürlich noch ein paar Sachen hinzu,
Menschen,
Die im Laufe ihres Lebens eine spirituelle Krise erlebt haben,
Erleben eben auch diese Überforderung,
Die kommt einerseits vom Unbewussten,
Das heißt das Unbewusste,
Das Fass des Unbewussten ist voll,
Das was das Unbewusste sozusagen gespeichert hat,
Sollte vom Bewusstsein verarbeitet werden.
Wenn das eben nicht der Fall ist,
Dann hat man irgendwann das Gefühl,
Auch von unten kommen zu viele Reize ans Bewusstsein.
Gleichzeitig kommen von außen dann viele Reize ans Bewusstsein und dann hat man eben oft das Problem,
Dass das Bewusstsein selber kaum noch Verarbeitungskapazität hat,
So ein bisschen wie in so einem RAM,
Also beim Computer.
Genau,
Also das heißt von außen kommen Reize,
Aus dem Unbewussten,
Aus dem somatischen Unbewussten kommen Reize,
Aus dem familiären Unbewussten kommen Reize und das Ganze kann eben zusammen einfach sehr schnell dazu führen,
Dass das Fass voll ist und eben das Bewusstsein viel mehr verarbeiten müsste,
Als es tatsächlich tut.
Und dann kommt eben das Gefühl,
So alles ist zu viel,
Zum Rückzug,
Leider eben auch zu dem Gefühl von Angst und dem Wunsch nach Kontrolle,
Das Ganze zu kontrollieren,
Diese Angst zu kontrollieren und dann kommen viele Gedanken und diese Gedanken helfen leider auch nicht so wirklich und dann kommt mehr Kontrolle,
Der Wunsch nach mehr Kontrolle und mehr Kontrolle führt wieder zu mehr Belastung und wieder zu mehr Angst,
Das ist also,
Wenn man Pech hat,
Tatsächlich ein kleiner Teufelskreis,
Den man tatsächlich auch aber durchbrechen kann.
Und diese unterschiedlichen Sachen,
Diese unterschiedlichen Faktoren führen eben dann dazu,
Dass man sich zurückgezogen hat,
Dass man vielleicht aufgrund einer Verletzung aus der Kindheit,
Viele Hochsensible haben eben eine Zentralverletzung,
Die so geschätzt im Alter von sechs Jahren drumherum,
Also fünf bis sieben,
Passiert,
Das ist so auch die Zeit,
Wo die Sinne sich nochmal besonders ausdifferenzieren und aber auch gleichzeitig so die Anbindung an die anderen passiert,
Wenn in diesem Zeitraum eine sehr starke Verletzung passiert,
Glaube ich persönlich,
Dass eben auch schneller Hochsensibilität entsteht,
Diese Verletzung ist oft nicht verarbeitet,
Das heißt wir haben also einerseits die Verletzung,
Andererseits haben wir eben auch die dadurch niedriger gesetzte Reizschwelle und oft eben und das spielt auch eine sehr große Rolle,
Eben die familiären Bedingungen.
Hochsensible kommen oft aus einem emotional entweder schnell kittenden Elternhaus oder oft auch,
Wenn die Eltern emotional zurückgehalten sind,
Also entweder wenn sie schnell kippen in den Gefühlen,
Wenn die Situation in der Familie schnell kippt oder eben wenn Emotionen eh wenig ausgesprochen werden,
Dann entwickelt der Hochsensible einfach Strategien mehr,
Schneller zu fühlen,
Wie entwickelt sich das Ganze hier oder werde ich geliebt und dann gibt es eben noch als letztes den Faktor des Symptomträgers,
Also viele Hochsensible,
Sie werden auch in die Familie geboren mit einer Absicht,
Mit einer unbewussten Absicht,
Zum Beispiel heile die Familie oder harmonisiere die Familie oder kümmere dich darum,
Dass es uns gut geht und das ist oft auch eine sehr starke Belastung für einen Menschen auf jeden Fall.
Ja genau,
Also das ist erstmal so der Überblick.
Jetzt habe ich eher so das Schwierige genannt,
Aber der Hochsensible ist natürlich auch jemand,
Der sehr sehr gut andere Menschen unterstützen kann,
Der sehr sehr schnell eben auch mit dem anderen mitfühlen kann und sich oft eben darüber auch definiert.
Das ist gut und schlecht sozusagen,
Also dass es sozusagen bringt Leid und kann aber auch sehr hilfreich sein,
Weil es eben natürlich auch irgendwo zur Identifikation oder Identitätsfindung auch dazugehört.
Also ich bin jemand,
Der gut mitfühlen kann,
Ich bin jemand,
Der sich gut auf den anderen einschwingen kann,
Ich habe eine gute Intuition.
Das sind alles Dinge,
Die der Hochsensible durchaus von sich sagen kann.
Aber der Preis ist vergleichsweise hoch.
Jetzt ist es so,
Dass ich wenige Hochsensible kenne,
Die eigentlich diese Vorteile auch wirklich aufgeben wollen würden.
Die sagen würden,
Hey,
Ich würde mich ja gar nicht wiedererkennen,
Ich wäre mir fremd.
Und das wäre so ein Wunsch an dich,
Dass du dich mal hinsetzt und dir mal überlegst,
Okay,
Welche Vorteile ziehe ich denn für mich aus meiner Hochsensibilität?
Welche Identifikation bringt mir meine Hochsensibilität oder meine Empathie?
Was haben andere davon,
Dass ich empathisch bin?
Das sind so Dinge,
Die sind sehr,
Sehr wichtig,
Weil das heißt ja,
Wenn man das ändern will,
Die Hochsensibilität,
Dann hieße das ja auch ein bisschen,
Diese Vorteile aufzugeben.
Und die meisten wollen das gar nicht.
Also ist das Ziel,
Sozusagen viel mehr resilienter zu werden,
Also stärker zu werden,
Eigene Methoden zu finden,
Mit den Reizen besser umzugehen,
Genau,
Weniger leidvoll sozusagen und gleichzeitig eben zu verstehen,
Dass die Empathie eher so etwas ist wie eine Linse.
Also wenn das Licht zu hell wird,
Dann geht ja die Pupille zu,
Damit sie nicht geblendet wird.
Und wenn es dunkel ist,
Dann geht die Pupille auf,
Damit mehr Licht reinkommt.
Und ein bisschen so wäre es bei einem gesunden Menschen mit der Empathie auch.
Also wenn da jemand kommt,
Der tut mir nicht gut,
Der ist gleißend,
Der ist hell,
Dann mache ich halt eben diese Linse zu,
Die Pupille zu,
Die Empathie mehr zu.
Wenn ich sozusagen in Verbindung mit Menschen bin,
Die so wie ich funken,
Die empathisch sind,
Die harmonisch sind,
Die auf Harmonie und Gemeinsamkeit setzen,
Dann kann ich eben auch das wieder weiter öffnen.
InsightTimer hat mich jetzt gebeten,
Ein Programm auch zu entwickeln zu diesem Thema Hochsensibilität.
Das wird ein 10-Tages-Programm sein,
Das eben diese einzelnen Faktoren auch tiefer beleuchtet,
Auch inklusive Übungen und Überlegungen auch,
Einerseits zur Entlastung des Unbewussten,
Andererseits eben zur neuen Adjustierung der Reizschwelle und eben zur besseren Differenzierung,
Was ist meins und was gehört den anderen.
Genau,
Und darauf freue ich mich eben auch sehr in diesem Kontext.
Und da werden wir auch tiefer in all diese Themen einsteigen,
Denn es bedarf schon ein bisschen der Arbeit.
Hochsensibilität ist natürlich auch etwas Erlerntes.
Das heißt,
Die Neurologie hat sich ja darauf eingestellt.
Und um etwas Neurologisches umzustellen,
Braucht man ein bisschen Zeit.
Vielleicht als Letztes noch,
Weil ich bin ja hier auf InsightTimer,
Ist natürlich das Thema Achtsamkeit.
Also im Rahmen des Rückzugs suchen ja viele dann eben auch Hilfe in der Achtsamkeit.
Und das ist für den Hochsensiblen ein sehr zweischneidiges Schwert.
Denn höhere Achtsamkeit heißt ja eigentlich noch mehr,
Das Kleine oder den Moment wahrzunehmen.
Und das ist also tatsächlich ganz,
Ganz wichtig.
So ist dann nicht Achtsamkeit als Praxis zu haben,
Wenn man hochsensibel ist,
Oder zumindest auch schließlich,
Sondern gleichzeitig eben auch eine,
Wo man in die somatische Erfahrung geht,
Wo man in den Körper geht,
Wo man wieder tiefer in sich selber ruhen kann.
Das sind also Sachen,
Die ich auch in dem Programm bearbeiten werde.
Natürlich ist Achtsamkeit auch was ganz Wunderbares,
Auch was sehr Hilfreiches.
Aber eben zu viel Achtsamkeit vor allem als Ausgleich für das innere Leid,
Für den Ausgleich des inneren Leids,
Ist unter Umständen tatsächlich den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.
Und auch da werde ich versuchen,
Noch ergänzende Übungen zu zeigen,
Wie eben den Hypnodrift,
Die dabei helfen können,
Das Ganze besser in ein Gleichgewicht oder in eine neue Ordnung zu bringen.
Weil darum wird es bei dem Programm gehen,
Eine Readjustierung des Systems,
Das ganze System in eine neue Ordnung zu bringen und dann eben zu schauen,
Dass Leid weniger ist,
Dass wir Systeme finden,
Wie wir sozusagen auch mal Reizreduktion betreiben,
Aber gleichzeitig eben auch nicht mehr so verletzlich sind,
Wenn wir in die Welt hinausgehen.
Also das ist so die Zielsetzung des kommenden Programms.
Und ich würde mich natürlich freuen,
Wenn wir uns dann bald wiedersehen,
Bald wieder hören oder lesen,
Weil ich werde dann natürlich auch im Klassenraum sein und dann immer mal wieder für Fragen und Antworten zur Verfügung stehen.
Okay,
Erst einmal ganz herzlichen Dank,
Euer Ingo.
Ich wünsche euch einfach einen schönen Tag und hoffentlich bis bald.
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