
Erschöpfter Geist im Wachzustand
by Nadine Primo
Welche Eindrücke prasseln an diesen Tagen als erstes ungefiltert auf mein Gehirn bereits im Halbschlaf ein? Immer wieder diese Dämonen, aus vergangenen Zeiten. Erlebnisse in Form von dunklen Energien, die sich wohl bereits länger angestaut hatten und auf eine passende Gelegenheit warteten, um das Ruder zu übernehmen und in wellenartigen Ausbrüchen Stück für Stück auch das letzte bisschen positiven Vibe zu verschlingen. Mittlerweile habe ich aufgegeben, mich dagegen zu wehren. Warum auch?
Transkription
Heute lese ich mal wieder einen meiner Texte.
Und zwar habe ich mich diesmal für erschöpfter Geist im Wachzustand entschieden.
Der ist im August entstanden,
Diesen Sommer.
Letzten Sommer mittlerweile,
Ist ja schon Januar.
Also,
Los geht's.
Manchmal bin ich mir nicht ganz sicher,
Inwiefern ich eigentlich normal bin.
Normal,
Was ist das schon?
Wer definiert das schon?
Aber vor allem,
Wer stellt sich diese Frage nicht ab und an?
Manche würden sagen,
Oder haben es gesagt,
Dass ich teilweise einfach empfindsamer bin,
Als ich es mir eingestehen will.
Ich denke,
Sie haben recht.
Einsicht ist der erste Weg und so.
Aber jetzt mal im Ernst.
Manchmal gibt es diese Tage,
An denen scheint alles weitaus verrückter und seltsamer als sonst.
Ich würde mich definitiv als extrovertierte und gesellige Person bezeichnen.
Aber manchmal wache ich auf und will am liebsten direkt wieder einschlafen.
Alles ist zu viel.
Die Geräusche zu laut,
Die Straße zu unruhig,
Die Menschen zu fordernd,
Das Wetter zu launisch.
Naja,
Vielleicht kurz die eigene Stimmungslage auf dem Himmel gelenkt.
Die Aufgaben zu zehrend.
Albtraum statt Alltag.
Meistens bleibe ich dann auch einfach zu Hause.
Ein Luxus,
Den sich der ein oder andere Selbstständige leisten kann.
Homeoffice olé.
Wobei,
Zugegeben,
Homeoffice hat sich an solchen Tagen eigentlich auch erledigt.
Zumindest mache ich mir diesbezüglich nichts vor.
Auf dem Bildschirm starren und hoffen,
Dass sich all diese geöffneten Tabs von selbst abarbeiten,
Ist mehr Selbstbetrug,
Als sich einfach eine scheinbar nötige Auszeit zu gönnen und wirklich nichts zu tun.
Aber welche Gedanken überwiegen in solchen Momenten?
Welche Eindrücke prasseln an diesen Tagen als erstes ungefiltert auf mein Gehirn,
Bereits im Halbschlaf ein?
Immer wieder diese Dämonen aus vergangenen Zeiten,
Erlebnisse in Form von dunklen Energien,
Die sich wohl bereits länger angestaut hatten,
Und auf eine passende Gelegenheit warteten,
Um das Ruder zu übernehmen und in wellenartigen Ausbrüchen Stück für Stück auch das letzte bisschen positiven Vibe zu verschlingen.
Und immer dieser Weltschmerz,
An manchen Tagen gefühlt unerträglich.
Mittlerweile habe ich aufgegeben,
Mich dagegen zu wehren.
Warum auch?
Am Ende tut es so ja doch nur noch mehr weh.
Denn Mauern aufrecht zu erhalten,
Erfordert viel Kraft,
Und Verteidigung geht immer mit erhöhter Wachsamkeit einher.
Zehrend.
Aufpassen,
Übersicht behalten,
Unnötige Reize ignorieren,
Fassade aufrecht erhalten,
Maske sitzt,
Aber zwickt.
Ziemlich.
Wer ständig Angst hat,
Etwas zu verlieren,
Hat seine Leichtigkeit bereits verloren.
Aber was genau befürchte ich in solchen Momenten eigentlich zu verlieren?
Mich selbst?
Ja.
Ich denke,
Um was anderes geht es hierbei nicht wirklich.
Schließlich werde ich nicht von heute auf morgen Obdach oder arbeitslos sein,
Und meine Freunde und Familie sind auch weiterhin für mich da.
Zumindest wüsste ich keinen triftigen Grund,
Wieso sich etwas an diesem Zustand innerhalb kürzester Zeit ändern sollte.
Aber dennoch gibt es diese Tage,
An denen ich mich haltlos und verloren fühle.
Als wäre die ganze Welt ein bedrohlicher Strudel und nichts hat wirklich Bestand.
Auf einmal scheint alles so sinnlos und unfair.
Zugegeben,
Aufgeschrieben klingt es wie der typische Gedankenstrudel eines depressiven Menschen,
Nur nicht ganz so verzweifelt.
Denn das Wissen,
Dass auch diese dunkle Episode in spätestens zwei bis drei Tagen vorbei sein wird,
Lässt aus dem Schwarz ein ertragbares Grau werden.
Grau ist weniger gefährlich,
Irgendwie ausdrucksloser,
Weniger extrem.
Am Ende sind es doch immer wieder die gleichen Gedanken,
Und mit dem Wissen kann man sich ja zum Glück bereits im Vorhinein die passenden Antworten oder Mechanismen zurechtlegen,
Um auch hier schnell wieder einen Ausweg zu finden.
Aber zu der Erkenntnis muss man erst einmal kommen.
Mich hat es auf jeden Fall einige Jahre und einige chronische Schmerzzustände,
Als auch schlaflose Nächte gekostet,
Herauszufinden,
Was eigentlich an manchen Tagen mit meinem Geist los ist.
Ja,
Mit meinem Geist.
Ruhelos,
Rastlos,
Dennoch nicht wirklich produktiv.
Im Gegenteil.
Gelähmt würde es wohl eher treffen.
Paradox.
Die Gedanken rasen,
Aber ich komme nicht wirklich voran.
Weder körperlich noch in der Problemlösungsfindung.
Daher bietet es sich doch gerade in solchen Situationen hervorragend an,
Die Dinge einfach mal gut sein zu lassen.
Wo nichts ist,
Kann auch nicht immer was werden.
Also,
Abschalten,
Abhängen,
Aufpöppeln.
Wie das geht?
Ja,
Was tut dir denn gut?
Das kannst du dir wahrscheinlich selbst am besten beantworten.
Natürlich haben nicht alle den Luxus,
Von zu Hause aus zu arbeiten.
Wobei Corona es auf jeden Fall hier und da möglicher gemacht hat.
Oder sich selbstständig für Projekte und demnach auch Deadlines entscheiden zu können.
Aber alle haben die Möglichkeit,
Sich darüber hinaus etwas Gutes zu tun.
Was auch immer das sein mag.
Mir hilft Yoga und Alleinsein,
Lesen oder Malen.
Vielleicht auch einfach nur Musik hören und aus dem Fenster starren.
Wahlweise auch auf dem Bildschirm,
Denn briseln lassen ist so schön passiv.
Passiv sein.
Das ist es wohl,
Was in diesen Momenten am wichtigsten zu sein scheint.
Einfach nichts machen müssen,
Nichts entscheiden sollen,
Niemanden Unterhaltung oder Rechenschaft schuldig sein müssen.
Einfach nur sein.
Seitdem ich ausschließlich mit kreativer Arbeit mein Geld verdiene und daher auf konstanten Output und Inspiration angewiesen bin,
Passiert es öfters,
Dass ich mir Zeit für mich nehme und mich temporär von der Außenwelt disconnekte.
Warum?
Ja,
Wahrscheinlich weil es einfach fordernder und dementsprechender,
Zehrender ist,
Wenn man Dinge selbst erschafft.
Egal ob Film,
Bild,
Text oder Musik.
Viel Output erfordert eben auch viel Input.
Also ist es doch logisch,
Wenn der Geist ab und an nach Urlaub schreit und einfach mal weniger Reize verarbeiten,
Aber vor allem nichts Neues erschaffen will.
Außerdem ist es der Preis für ein bewegtes Leben.
Zeitweise eben auch ein Leben in Extrem.
Extrem beschäftigt,
Extrem viel unterwegs,
Extrem unter Performancedruck.
Öfters im Fokus,
Im Linsenfokus,
Stichwort Kamera,
Der geht mir dabei manchmal vielleicht verloren,
Der Fokus.
Denn wer viel erleben will,
Muss auch bereit sein,
Viel zu verarbeiten.
Im Gegensatz zu früher,
Als ich noch anderer Arbeit nachging,
Wo es lediglich darum ging,
Geld zu verdienen und finanziell bzw.
Existenziell abgesichert zu sein,
War ich höchstens körperlich erschöpft und zudem frustriert vom niedrigen,
Ja damals noch Mindestlohn,
Schönes Beispiel sind an dieser Stelle Studentenjobs.
Jetzt überwiegen die geistige Erschöpfung und damit einhergehende Antriebslosigkeit.
Am Anfang machte mir dieser Zustand Angst.
Angst davor,
In nächster Zeit nicht frist- oder qualitätsgerecht abliefern zu können.
Weil Kreativität sich nun mal nicht auf Knopfdruck aktivieren oder via Copy-Paste und anhand von statistischen,
Ja zum Beispiel Verkaufsanalysen zusammenstellen lässt.
Hier geht es eben um die eigene geistige Produktivität.
Ideen,
Vision,
Realisierung,
Veröffentlichung.
Alles in Eigenregie,
Eigenverantwortung,
Auf beinahe jeder Ebene.
Da sei es allen von uns doch gegönnt,
Einfach mal abzuschalten und die Außenwelt zeitweise außen vorzulassen.
Am Ende ist es also vielleicht einfach nur das Verlangen nach Urlaub,
Urlaub für die Seele.
Braucht jeder Mensch,
Auf seine eigene Art und Weise.
Ja,
Ich denke nicht nur die Selbstständigen im Kreativbereich werden sich hier wieder erkennen,
Sondern auch einige andere.
Denn ja,
Wenn ich eins zuletzt mitbekommen habe,
Dann dass der Zustand erschöpfter Geist im Wachzustand auf wirklich viele von uns zutrifft.
Auch das ganze Zahlen-Bashing oder aktuellen Blick in die Tageszeitung kann ja schon dafür sorgen.
Von daher hoffe ich,
Dass sich der ein oder die andere mit dem Text verstanden fühlt und ja,
Das war es von mir.
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