
Bergmeditation
by Asli Schäfer
Die Bergmeditation kann uns besonders in Zeiten der Unsicherheit und Zweifel helfen. Der Berg erinnert uns an den unerschütterlichen Kern in uns selber und verleiht uns Stabilität und Gleichmut. Diese Meditation stammt aus dem MBSR 8-Wochenkurs und enthält eine Visualisierung.
Transkription
Herzlich Willkommen zur Bergmeditation.
Nimm dir einen Moment Zeit,
Um dich in eine aufrechte Haltung zu begeben.
Du kannst Kontakt mit dem Boden aufnehmen und spüren,
Welche Körperteile den Boden berühren.
Dein Gesäß,
Was vielleicht auf einem Bänkchen,
Auf einem Kissen oder auf einem Stuhl sitzt.
Und aus dieser stabilen Basis heraus kannst du spüren,
Wie dein Oberkörper nach oben wächst.
Der Kopf hebt sich ganz leicht nach oben,
Sodass die Wirbelsäule sich aufrichten kann.
Die Schultern dürfen nach hinten unten sinken,
Sodass dein Rücken in eine aufrechte,
Aber entspannte Haltung kommen kann.
Wenn du magst,
Kannst du nochmal schauen,
Ob irgendwo Spannung im Körper ist und dort einen kleinen Impuls hinschicken zum Loslassen,
Soweit das jetzt möglich ist.
Und die Spannung,
Die noch übrig bleibt,
Darf da bleiben.
Und wenn du dich jetzt hier gut eingerichtet hast,
Dann kannst du,
Falls nicht schon geschehen,
Die Augen gerne schließen oder sie halb geöffnet lassen und den Blick entspannt vor dich auf den Boden senken und deine Aufmerksamkeit jetzt auf den Atem richten.
Einfach dieses Ein- und Ausströmen der Luft beobachten,
Den Atem einfach nur beobachten,
Ohne was ändern zu wollen,
Dem Körper die Erlaubnis geben,
Zur Ruhe zu kommen und mit einem Gefühl der Würde sitzen,
Mit Entschlossenheit und mit dem Wissen um die eigene Vollkommenheit und Ganzheit in diesem Moment.
Und stell dir nun vor deinem inneren Auge einen wunderschönen Berg vor.
Einen Berg,
Den du kennst aus der Natur oder von einem Foto oder einen Berg,
Den du dir jetzt vorstellst.
Einfach das Bild dieses Berges und das Gefühl von diesem Berg vor deinem geistigen Auge halten und langsam immer schärfer und detailreicher werden lassen.
Nimm dir Zeit,
Diesen Berg in Ruhe zu betrachten.
Die allgemeine Form wahrnehmen,
Die Gipfelregion hoch oben im Himmel,
Die steilen oder sanft abfallenden Berghänge und den Fuß des Berges,
Der stabil mit der Erde verbunden ist.
Bemerke,
Wie massiv der Berg ist,
Wie solide und regungslos,
Unverrückbar,
Wunderschön von der Ferne wie von der Nähe betrachtet.
Vielleicht hat dein Berg Schnee auf dem Gipfel und Bäume auf den unteren Hängen,
Vielleicht gibt es nur einen Gipfel oder eine ganze Kette von Bergspitzen oder ein hohes Plateau.
Wie auch immer der Berg aussieht,
Einfach nur sitzen und mit dem Bild des Berges atmen,
Den Berg beobachten und seine Qualitäten sehen.
Und wenn du nun soweit bist,
Dann kannst du dir in deiner Vorstellung erlauben,
Den Berg in deinen Körper hineinzubringen,
Mit ihm zu verschmelzen,
So dass dein Körper und der Berg in deiner Vorstellung eins werden.
Du wirst zum Berg,
Verwurzelt in deinem Sitz,
Unverrückbar,
Majestätisch wie der Berg.
Dein Kopf wird zum herausragenden Gipfel,
Vom Rest des Körpers gestützt,
Schultern und Arme sind die Berghänge,
Gesäß,
Beine und Füße die stabile Verbindung zur Erde.
Du kannst dieses tiefe Emporwachsen aus dem Becken und der Wirbelsäule herausfühlen.
Du bist in diesem Augenblick ein atmender Berg,
Der ohne sich zu bewegen unerschütterlich in Körper und Geist verweilt,
Vollkommen präsent.
Sitzen wie ein Berg.
Tagaus,
Tagein verharrt der Berg in unerschütterlicher Ruhe,
Während er ständig Veränderungen ausgesetzt ist.
Während die Sonne über den Berg auf- und untergeht,
Verändern sich Licht und Schatten und Farben von Moment zu Moment.
Die Nacht folgt auf den Tag und der Tag folgt auf die Nacht.
Ein voller Sternenhimmel,
Der Mond und dann die Sonne.
Mit all dessen bleibt der Berg sitzen und erfährt ständige Veränderungen in jedem Moment,
Dennoch bleibt sein Wesen immer gleich.
Er bleibt gleichmütig,
Während die Jahreszeiten wechseln und das Wetter sich von Moment zu Moment ändert.
Eine Ruhe,
Welche allen Veränderungen standhält.
Im Sommer ist kein Schnee mehr auf den Gipfeln oder vielleicht nur noch in den versteckten Winkeln,
Wo keine Sonne hinkommt.
Im Herbst tragen die Bäume farbenfrohe Blätter,
Es folgen Regen und Sturm und im Winter legt sich eine Decke von Schnee und Eis über den Berg.
Zu jeder Jahreszeit kann der Berg zeitweise in Wolken oder Nebel gehüllt sein oder von eisigen Regen getroffen werden.
Leute können kommen,
Um den Berg zu sehen,
Und vielleicht beurteilen sie den Berg,
Dass er so schön sei oder dass es kein guter Tag sei,
Den Berg zu sehen,
Dass es zu neblig oder wolkig sei oder zu dunkel.
Nichts davon ist für den Berg von Bedeutung,
Der zu jeder Zeit einfach er selber bleibt,
Ruhig,
Unerschütterlich und zentriert.
Wolken kommen und gehen,
Touristen mögen den Berg oder mögen ihn nicht,
Die Schönheit des Berges verändert sich kein bisschen durch das Wetter oder durch die Kommentare der Leute.
Gesehen oder nicht gesehen,
Unter der Sonne oder in den Wolken,
Eisig oder in der Hitze,
Tag oder Nacht,
Der Berg sitzt da und bleibt bei seinem wahren Kern,
Manchmal kommen gewaltige Stürme und eisige Schneemassen und ein Wind von ungeheurer Stärke.
Von all dem unberührt verweilt der Berg,
Ruhig und unerschütterlich.
Der Frühling kommt und die Vögel singen wieder in den Bäumen,
Neue Blätter formen sich,
Blumen blühen in voller Pracht auf den hohen Tälern und die Bäche quellen über mit dem Wasser der schmelzenden Schneemassen.
Der Berg ruht,
Unverändert von all diesen Einflüssen,
Von dem was im Äußeren passiert,
In der Welt der Erscheinung.
Und wenn wir meditieren,
Können wir auf ähnliche Weise lernen,
Den Berg zu erfahren.
Wir können dieselbe unerschütterliche Ruhe verkörpern,
Das Verwurzeltsein trotz all der Veränderungen,
Die sich in unserem eigenen Leben ergeben.
In unserem Leben und auch in unserer Meditationspraxis erfahren wir ständig die sich verändernde Natur des Körpers und des Geistes und auch die Veränderlichkeit der äußeren Welt.
Wir haben auch diese Phasen des Lichts und der Dunkelheit,
Unsere farbenfrohen aber auch düsteren Momente.
Sicher erleben wir auch Stürme unterschiedlicher Intensität und Stärke in uns selber und in unserer Umwelt.
Mal von starken Orkanböen gebeutelt,
Von Regen und Kälte verfolgt,
So ertragen wir auch Phasen des Schmerzes und der Dunkelheit,
Aber genauso Momente von Freude.
Selbst unser Aussehen hat ein eigenes,
Sich ständig veränderndes Wettersystem.
Wenn wir uns beim Meditieren also mit dem Berg verbinden,
Dann können wir von seiner Stärke und Kraft profitieren.
Wir können seine Energie nutzen,
Um jedem Moment mit Achtsamkeit zu begegnen,
Gleichmut und Klarheit.
Er kann uns helfen zu sehen,
Dass unsere Gedanken und Gefühle uns nur beschäftigt halten,
Dass unsere emotionalen Krisen und die Sachen,
Die uns so passieren,
Genauso unbeständig wie das Wetter sind.
Wir tendieren dazu,
Alles persönlich zu nehmen,
Aber das ist es nicht.
Das heißt auch nicht,
Dass wir unser eigenes Wettersystem ignorieren sollten oder abwehren sollten.
Wir sollten ihm begegnen,
Es ehren,
Es fühlen für das,
Was es ist,
Und mit Achtsamkeit halten.
Und wenn wir es auf diese Art und Weise halten,
Dann kommen wir zu einem tieferen Verständnis von Stille und Ruhe und Weisheit,
Und der Berg kann uns das und noch viel mehr lernen,
Wenn wir zuhören.
Und wenn die Stärke und die Kraft des Berges auf irgendeine Art und Weise in dir Wiederheiler hervorruft,
Dann könnte es hilfreich sein,
Den Berg manchmal in der Praxis zu benutzen,
Um uns daran zu erinnern,
Was es bedeutet,
Achtsam zu sitzen,
Mit Entschlossenheit und in echter Stille.
Und so sitzen wir noch ein paar Minuten gemeinsam als Atmen der Berg,
Still und würdevoll.
Und wenn du bemerkst,
Dass deine Gedanken abschweifen,
Dann kannst du sie immer wieder zurückholen zu diesem Bild und diesem Gefühl des Berges,
Immer wieder zurückkehren zu dieser Stabilität,
Der Unerschütterlichkeit.
Egal was im Außen passiert,
Sitzen wir im Berg.
Und nun kannst du allmählich von dem Bild des Berges loslassen,
Nochmal deinen Körper spüren,
Wie er hier sitzt,
Nochmal vielleicht rein spüren,
Wie es dir jetzt geht nach dieser Meditation.
Vielleicht konntest du diese Qualitäten des Berges spüren,
Diese Stabilität,
Unerschütterlichkeit und Ruhe,
Vielleicht auch nicht.
Sicherlich ist das von Tag zu Tag unterschiedlich,
Wie gut man Anschluss findet zu dieser inneren Stabilität.
Aber zumindest wissen wir,
Dass es immer in uns selbst wartet,
Wenn wir es brauchen.
Können wir uns immer wieder an den Berg erinnern und wie es ist,
Wie ein Berg zu sitzen.
Mit der gleichen Würde und Entschlossenheit,
Stabilität und innerer Ruhe.
Und zu wissen,
Dass sich alles im Außen verändern kann,
Aber dass dieser Kern von uns immer derselbe bleibt.
Nochmal den Körper spüren,
Auch den Kontakt zum Boden nochmal wahrnehmen,
Den Fluss des Atems bemerken.
Und vielleicht dir selber etwas Wertschätzung geben,
Dafür dass du dir die Zeit genommen hast zu sitzen,
Bei dir zu sein.
Wenn die Klangschale gleiche klingt,
Dann kannst du in deiner eigenen Zeit die Augen öffnen.
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